Zahnarztpraxis  Dr. Würfel Frank Würfel und Kollegen
Gambiatagebuch
Oktober 2009 – April 2010 Im Oktober 2009 überkam mich eines Abends plötzlich die Idee, mich im Rahmen eines karitativen Projektes an einem zahnärztlichen Einsatz, irgendwo, wo Zahnärzte dringend gebraucht werden, zu beteiligen. So ganz neu war die Idee nicht, aber in den letzten Jahren war die Kinder noch kleiner und da so ein Einsatz möglicherweise ja doch mit einem etwas höheren Risiko als heimisches Bohren verbunden sein könnte, hab ich den Gedanken immer auf später verschoben. Jetzt, mit 3 großen Töchtern gesegnet, erschien mir der Zeitpunkt gekommen, mich mit dem Thema näher zu befassen. Internet sei Dank hab ich erst mal einige Abende recherchiert, was da auf dem Globus so geht. In der Tat gibt es eine ganze Reihe von Vereinen, die in dieser Richtung aktiv sind. Doch welches war der Richtige für mich. In der Mongolei erschien es mir zu kalt, im Nepal zu bergig. Indien war interessant, aber die Berichte von Zahnärzten, die dort waren, klangen, zumindest zum Teil, nicht sehr effektiv, weil es große Probleme mit den technischen Gegebenheiten gab. Rumänien war nicht weit genug weg, in Lateinamerika wird nur spanisch gesprochen und meine Spanischkenntnisse sind doch sehr grottig, sodass ich befürchten musste, im Alltag sehr von einem Dolmetscher abhängig zu sein. Asien war nur mit Sri Lanka vertreten und dort scheute ich mich ein bisschen vor den tamilischen Rebellen. In Afrika fand ich einige Projekte in Ländern wie Namibia, Mali und anderswo, aber nichts begeisterte mich. Meine Vorstellungen von wirklicher zahnärztlicher ilfe einerseits, kombiniert mit der Möglichkeit, eine andere Welt kennenzulernen, passten irgendwie auf keins der gefundenen Projekte so richtig. Irgendwann kam mir der Gedanke, den zahnärztlichen Aspekt in den Hintergrund zu stellen und einfach an der Rallye Dresden – Banjul teilzunehmen. Davon hatte ich schon einiges gehört. Diese Rallye bringt alte Autos über den Landweg von Dresden, über Frankreich, Spanien, Marokko, Westsahara, Mauretanien und Senegal nach Gambia, wo die Autos verkauft oder versteigert werden und das Geld fließt in karitative Maßnahmen in diesem Land. Just auf der Homepage dieses Rallyevereines fand ich dann einen Link zum Verein „Ärzte helfen e.V.“, einem noch ganz jungen, Anfang 2009 gegründeten Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, in Serrekunda, der größten Stadt Gambias ein vollständiges zahnärztliches Behandlungszimmer aufzubauen, finanziert aus Spenden und unter dem Dach einer schon lange bestehenden, vom Arbeitersamariterbund unterstützten und von 2 deutschen Damen geleiteten, kleinen Klinik. Das gefiel mir sofort. Die deutsche Dauerpräsenz der Klinikleitung versprach eine kontinuierliche Erhaltung der Praxiseinrichtung, der Verein war noch jung, also konnte ich mich neben dem eigentlichen vor Ort Einsatz auch noch in die Vorbereitungsphase einbringen. Gambia ist vielleicht nicht der Traum des von Sehenwürdigkeiten überfüllten Landes, aber allemal exotisch genug, um es zu erkunden. So begann das Projekt Gambia für mich. Ich fing an, mich mit dem Land, mit der Natur, den Geflogenheiten aber auch mit afrikanischen Krankheiten zu beschäftigen. Ich gebe zu, es gab Momente, da stellte ich mir die Frage, ob ich das wirklich will. Wenn man so den Abend mit Berichten über Wurmkrankheiten, Infektionsgefahren, Malaria, Schlangen usw. verbracht hat, konnte man schon ins Grübeln kommen. Aber beschlossen war beschlossen, also versuchte ich als Nächstes, Unterstützer in meinem Umfeld, unter Kollegen, Geschäftspartnern und heimischen Gewerbetreibenden zu finden, was auch gelang. Ich schrieb viele Hersteller von Materialien zahnärztlichen Bedarfs und Medikamentenhersteller an. Vielen Dank an all die, die mir geholfen haben. Dann ging es ans Impfen, Gelbfieber, Tollwut, Thyphus, Meningitis, Hepatitis, Polio; insgesamt glaube ich 9 Stiche. Flüge buchen, Ausrüstung zusammentragen, mein Fehlen in der Praxis planen (schließlich musste es ja in meiner Praxis auch ohne mich für unsere Patienten ordentlich weitergehen). So verging die Zeit wie im Fluge und schon stand das Abflugdatum vor der Tür. Aufgeregt bin ich eigentlich erst 2 Tage vor der Abreise geworden, vorher hatte ich dafür gar keine Zeit. Was dann folgte, möchte ich für die, die es interessiert, hier beschreiben. Es sind meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen. Andere haben Manches vielleicht ganz anders erlebt oder bewertet. Donnerstag, 8.4.10 7.20 Uhr bin ich in Dresden in den Flieger gestiegen und nach zweimaligem Umsteigen, 20 Uhr deutscher Zeit -- 18 Uhr gambischer Zeit, in der Sonne gelandet. War alles ganz entspannt, der gambische Zoll wollte lediglich eine meiner 2 25 kg Kisten näher sehen (Gewichtsgrenze sind 23 kg). Der Zöllner wollte die Kiste sehen, in der ich ca. 20 kg Medikamente der Firma Ratiopharm mit hatte ( danke nochmals an den Apotheker, Herrn Kallmeyer im Real Heidenau und den Vertreter der Firma Ratiopharm Herrn Petrasch), aber als ich ihm sagte, das ich in der German Klinik des ASB Serrekunda arbeiten werde und Dentist bin, ging die Kiste sofort wieder zu ( lag es an der Klinik oder am Dentisten?). Dann wurde ich sehr herzlich erst von meinen Vorgängerzahnärzten und dann auch noch von einer der beiden Leiterinnen der kleinen Klinik in Serrekunda empfangen. Die Klinik befindet sich mitten im Armenviertel in Dippakunda, einem Stadtteil von Serrekunda und wird von Gudrun und Beatrice liebevoll, aber auch sehr deutsch ( also straff ) geführt. So jedenfalls mein Eindruck. Die kleine Klinik hat die Größe eines geräumigen Einfamilienhauses, in der wir Zahnärzte einen Raum gemietet und darin den zahnärztlichen Behandlungsraum eingerichtet haben. Es ist fast alles da, was auch eine deutsche Zahnarztpraxis hat, nur eben vieles davon gebraucht und manches gambisch improvisiert. Zuerst ging es kurz ins Guesthouse „roc heights“ nach Bacau und dann zum Abendbrot an den Strand, in die (wie ich mittlerweile weiß) weit und breit angenehmste Strandgaststätte. Wellblechhütten am Wegesrand. (es gab auch andere, aber die Wellblechverschläge war am Beeindruckensten, zumal alles – Häuser, Autos, Strassen in einen rötlichen Staubton getaucht waren, wofür wohl der seit Wochen aus Richtung Wüste blasende Wind verantwortlich ist, genannt Harmattan, (oder so ähnlich). Na jedenfalls war es sehr nett, abends im Dunklen die Sterne zu sehen, die irgendwie anders angeordnet zu sein scheinen als zu Hause. Die Preise in den Urlaubergaststätten, Hotels und Gästehäuser sind denn allerdings ganz anders als gambisch. Ich musste am nächsten Tag im Guesthouse erst mal schwer nachverhandeln und das als Zahnarzt (na ja als sparsamer eben). Aber ehrlich, wer hier vor Ort buchen möchte und nicht Ungeziefer life sucht, bewegt sich zwischen 25 und 150 Euro pro Nacht. Ordentlich, nicht wahr? Freitag, 9.4. Heute wurde ich in der Klinik eingeführt. Viele nette Gesichter (es gibt 2 Sorten Gambier. Die Erste schaut durch dich durch, mimiklos; die Zweite lacht dich voll an. Namen ohne Ende, merkt sich kein Mensch, erst recht kein quecksilbergeschädigter Zahnarzt. Mittlerweile hab ich aber im Kopf: - Alasana - mein Fahrer und Retter aus jeder nervigen „sucht der Weiße ( Toubob) nicht dringend einen Führer“ Situation, ( er sagt dann immer, ich sei kein Tourist sondern ein Dentist in Serrekunda – das hilft super). Ansonsten trifft man hier kaum Weiße, die nicht einen privatpersönlichen Führer mithaben, der offensichtlich auch mit zum Essen und abends mit in die Kneipe genommen wird. Ist halt typisch gambisch, schützt möglicherweise auch vor ständig neuen Anbietern. - Miriam –die Fee, die unser Sprechzimmer putzt, und mit der ich mich gut stellen muss, damit ich nicht nur jeden Tag 2 Handtücher bekomme ( eines für die Hände des Assistenten, eines für meine Hände) sondern noch eines für  meine schwitzende Birne. - Ousman – der gambische oral health worker, der jetzt teils assistiert, teils Zähne zieht, aber bei Abwesenheit deutscher Zahnärzte, in unserer Praxis arbeiten wird Er macht das auch sehr gut. ( So haben das bestimmt im europäischen Mittelalter die Barbiere auch gemacht) - Bashir – meine „Schwester“, sehr fleißig, lernwillig, auch wenn man nicht immer sicher ist, zu verstehen, was hinter den immer freundlichen Stirnen wirklich vorgeht. Die beiden haben es auch nicht leicht. Ich bin der 4. Zahnarzt und jeder von uns hat das Sprechzimmer wohl mehr oder weniger umgeräumt, so wie eben jeder am besten arbeiten kann. Ich bin sogar so weit gegangen, Schränke umzustellen und so ziemlich alle Schubfächer umzuräumen. Das aber nicht, weil sie vorher schlecht eingeräumt waren, sondern weil ich der erste Zahnarzt bin, der hier ohne Assistenz anreist, also mit ausschließlich den gambischen Kollegen arbeitet. Das ist ganz anders als mit einer eingespielten Helferin. Also übernehme ich einige Aufgaben, die sonst die Assistenz macht und um sich gegenseitig nicht totzulatschen, musste ich halt einige Veränderungen vornehmen. Aber die Gambier grinsen nur und sagen, toll, so ist es sehr gut (ja, ja,). Abends waren wir bei den Klinikleiterinnen zum Essen eingeladen. Es gab Shrimps, das war ganz lecker, die sehen und schmecken nicht nach Fisch und leckeren frischen Salat. Wie war das doch gleich. Erste Grundregel für weiße Besucher in Afrika: „Schäl es, koch es oder lass es“. Soviel zum Thema Grundregeln. Es war trotzdem sehr lecker und es ging mir hinterher gut. Samstag, 10.4. Hier in Gambia ist das ein normaler Arbeitstag. Ab Mittag kam ich zahnärztlich zum Zuge. Es war leichtes Einarbeiten angesagt. Die Klinik war den ganzen Tag rammelvoll. Mittwoch und Samstag ist Impftag. So viele kleine schwarze Babys mit großen runden Kolleraugen hat man noch nicht gesehen. Wem bitte sollte ich eines mitbringen? Vielleicht zur Erklärung: die Klinik ist eigentlich eine Entbindungsklinik, mit Notfallambulanz und HIV Spezialisierung. Vormittag war ich auf dem Markt in Dippakunda. Ein reiner Lebensmittelmarkt (die meisten von Euch würden eingehen, wenn sie sich von dort ernähren müssten – mich eingeschlossen), aber der war so richtig voller Menschen auf den engen Gassen. Hunderte Schwarze Menschen und ein Weißer – ich. Ich kam mir ein bisschen vor wie Harrison Ford. Abends waren wir auf einem Fischmarkt. Es, nun ja stankt, wird dem eigentlich nicht gerecht. Dann waren wir in einem Fischrestaurant. Ich gebe zu, ich nahm Hühnchen, aber wer mich kennt, weiß, dass eh lieber Fische beim Tauchen vor der Nase als in der Gaststätte im Mund habe. Sonntag, 11.4. Heute war frei, also länger schlafen, Frühstück und dann ab zur Schlangenfarm, ca. 1 Autostunde vom Guesthouse entfernt, wenn man rechnet, das das Auto von Alasana max. 60 fährt und jede Bodenwelle im Schritttempo nehmen muss, weil, sonst ist Schluss mit Federung. Apropos Auto. 2 von 4 Türen gehen nur von außen auf, Licht, na ja. Jeder Startvorgang ist spannend, Alasana parkt immer so, das Anschieben leicht ist (in den letzten 5 Tagen ca. 15-mal) Fetzt, irgendwie, vor allem, dass wir noch nie wirklich liegengeblieben sind. Also Schlangenfarm war gut, jetzt kucke ich doch gezielter bei jedem Schritt. Ich werde gewiss nicht einfach durch die Landschaft stromern Und ich weiß, es gibt ein Gegengift gegen alle häufigen und besonders giftigen Schlangenbisse. Man muss nur wissen, wo und es dann bis hin schaffen. Ich sag Euch, man tritt ganz von allein fester auf, sobald man sich abseits der Strasse befindet. Das soll helfen. Der Chef der Farm war sehr nett, und wahrscheinlich Arbeit für 1 Zahnarzt für 2 Monate. Abends flogen meine Vorgänger nach Hause und ich nahm mir viel Zeit beim schon erwähnten Zurechträumen der Praxis nach meinen Wünschen. Da ich nun schon einige Tage da bin möchte ich an dieser Stelle ein paar Eindrücke über das Leben in Gambia und seine Menschen einflechten. 1. Mücken jeder entscheidet selbst für sich, ich schreibe hier nur, was ich gemacht habe ich nehme Malarone, 2 Tage vor Einreise bis 7 Tage nach Ausreise, 1 am Tag, keine Probleme, andere nehmen Doxycyclin, da wurde mir aber wegen der gelegentlichen Phototoxizität abgeraten. Kleidung hab ich zu Hause mit Mückenschutz gewaschen, würde ich nicht wieder tun, Hosen und Tshirts habe ich vor Ort eingesprayt, hält 4 Wochen mindestens laut Hersteller. Wenn es dunkel wird, schmiere ich schön Autan auf die Fußfesseln, Arme, Beine, Gesicht und Birne. Ganz bleiben Mückenstiche dennoch nicht aus, wahrscheinlich gibt es Mücken mit verstopfter Nase. Raumspray, für die, die abends in geschlossenen Räumen schlafen, würde ich empfehlen, riecht nur kurz, hilft aber auch nicht 100%. ich schlafe bei offenen Fenster, hab aber auch das sehr gute Netz – absolut dicht, Vorteil, man hört früh die Vöglein, Nachteil auch den Muezzin Dass eine laufende Klimaanlage Mücken davon abhält , hereinzufliegen, wurde definitiv noch nicht auf gambisch mückisch übersetzt 2. Viecher aller Art Ich habe festes Schuhwerk mit, hab es aber nur bei meinen Expeditionen getragen, sonst nur Schlappen, nach meiner Erfahrung völlig unproblematisch Sollte mal ein Gecko an der Decke kleben – lassen, der Frist die kleinen Stichlinge 3. Verdauung meine Vorgänger hatten wohl gar keine Probleme, ich bin jedoch ein Ägyptengeschädigter, deshalb sehr vorsichtig die ersten Tage hatte ich Brot und Kuchen von zu Hause mit, und war nur in teuren Gaststätten!?! Dann hab ich hier Konserven, Jogurt und anderes Verschlossenes gekauft. Mittlerweile esse ich alles, es sollte nur heiß sein, oder sicher mal gewesen sein, oder geschält, aber das ist das Obst hier fast alles man sagt, Frisches vom Strassenstand wäre unbedenklich, kann sein, dummerweise essen die Augen immer mit….. Zähneputzen tue ich mit Leitungswasser, würde ich aber nicht in jeder Lodge tun, aber : wo ihr das Geschirr nutzt, was auf den Zimmern steht, da könnt ihr auch Wasser aus der Leitung – nicht trinken – aber zum Putzen nehmen, meine ich. 4. Telefonieren Wir haben hier eine gambische SIM card, die wir weitergeben, da lädt uns Alasana Prepaidguthaben auf. Es soll deutlich billiger sein, als mit dem eigenen Handy zu telefonieren, aber ich kenne die Preise nicht. Noch billiger könnte es sein, vom Festnetz zu telefonieren. Das kann ja mal einer erforschen. 5. Wetter Ich kann nur vom Zeitraum April reden. Es ist warm, aber man schwitzt sich nicht tot, außer bei der Arbeit manchmal. Es weht immer ein Wind. Ich brauchte nie eine warme Jacke. Für besonders Zarte wäre ein Jäckchen angebracht. 6. Ausfüge Folgende Ausflüge habe ich gemacht oder sind in Planung: 1. Banjul: kleine , sehr schmutzige Stadt, Triumphbogen, Albertmarket… nichts davon sehenswert, Ich war trotzdem dort, aber es lohnt nicht 2. Schlangenfarm. Fand ich sehr interessant, ca. 1 Stunde Fahrt, 100D. Eintritt, ca. 1 Stunde Führung 3. Fischmarkt in Bakau, beste Zeit 17 -19 Uhr, da kommen die Fischer rein, vom Fischrestaurant oberhalb gut zu übersehen, wer will, soll reingehen 4. Abuku Park, evt. mit Zwischenstopp auf dem Abuku Tiermarkt, 22km von Serrekunda, nett 5. Bootstour von der Laminlogde aus durch die Bolongs (Seitenarme des Gambiaflusses) entlang der Mangrovengebiete, nahe Serrekunda (nicht gemacht) 6. Freiluftmuseum – Tanji village Museum, zur Vergangenheit Gambias, ca. 1 Fahrstunde von Serrekunda, sehr gut 7. Bjielo Forestpark, auch Affenpark genannt, nahe Serrekunda in Kololi, nett 8. Kachikally Krokodilpark in Serrekunda, nett 9. Markt in Dippakunda, gleich neben der Klinik, extrem aber sehenswert 10. Motorbootfahrt von der Denton brigde aus zu Dogs Island, Ziel ist es , Delphine zu sehen (nicht gemacht) 11. Wreslingwettkämpfe nahe Serrekunda (nicht gemacht) 12. Golfplatz in Serrekunda – Fajara, lasst es sein, evt. Golf im Kololi Beach Hotel, 450D. 18 Löcher 13. Autotour - über Banjul – Fähre nach Barra ans Nordufer, dann 30 km nach Juffure (Roots), Touristennepp vom Feinsten – auch als Bootstour möglich 14. Kiang west Nationalpark, 2 Tagestour, Übernachtung evt. im Tentaba camp, die meisten afrikanischen Wildtiere, die man in Gambia sehen kann (Fahrt toll, Tiere sehen Flop) 15. Brikama, Holzmarkt, viele Schnitzerarbeiten 16. Makasuka Naturpark, sehr gut Wer damit fertig ist, darf ruhig nach Hause fahren oder plant Trips ins urtümliche Gambia noch weiter flussaufwärts, da reiche 2 Tage nicht 7. Trinkgeld Ich habe, wie alle anderen wahrscheinlich auch, erst mal viel zu viel gegeben. Laut einer deutschen Studentin, die hier für ein Jahr in einer Gastfamilie wohnt, sind 15 – 20 Dalasi für die Inanspruchnahme eines Guides für ca. 30 Minuten angemessen. Im Sammeltaxi zahlt ein Gambier 5 Dalasi, eine Apfelsine, geschält auf der Strasse kostet 3-5 Dalasi, ein Korbschieber am Flughafen ist mit 5-10 Dalasi gut bedient, auch wenn er das anders sieht. Also macht Eure Fehler selber, aber bleibt stark. Tipp: Wenn Euch einer zutextet, festhält, nervt, lächeln, immer weiter gehen, deutsch reden. 8. Sport wer Lust auf Sport hat, kann nach meinen Erfahrungen Folgendes tun: Joggen, ich war paar Mal, Hauptstrasse, Nebenstrasse, Armenviertel, alles kein Problem, schön flach ist es hier auch überall, es sollte aber hell sein Surfen am Cape point – hab ich nicht gefunden -Volleyball – 1 Netz hab ich auf der Südtour entdeckt -Fußball wird überall gespielt, wer es gut kann, kann vielleicht mitspielen 9. Frauen Männers, nehmt Euch in acht, dieses Volk hat das Schlanksein gebucht, das Wort „lasziv“ (schreibt man es so?) bekommt hier eine neue Dimension. Aber: Das Land hat wohl eine der höchsten Geburtenraten der Welt. Mein Tipp: kucken o.k., aber nicht anfassen. (für die ganz Unverbesserlichen – ca. 25 % AIDS Durchseuchung sagt der Reiseführer.) 10. Männer Man findet sie überall, aber im Senegambia Hotel, am Strand, gibt es eine Freiluftfitnissecke, wo ein paar Gambier trainierten, einer schwärzer und perfekter gebaut, als der andere. Da kommt man sich schon bissel dürftig vor. Aber, von denen mal abgesehen, gibt es nur sehr wenige männliche Gambier, deren Äußerliches (im Unterschied zu den Frauen), zumindest theoretisch auf eine wünschenswerte Körperpflege schließen lässt (in einem Land mit Wassermangel und Armut vielleicht auch zuviel verlangt). Dennoch, es gibt an allen Ecken alleinreisende weiße Frauen, die gut sichtbar mit einem Gambier mehr als nur die Tageserlebnisse teilen. Thema AIDS hatte ich schon beim Thema Frauen. 11. Kinder Leute, die Babies sind sooo süß. Große Knopfaugen, die neugierig in der Welt herumkucken. 2-4 Jährige, die Dich schüchtern anlächeln und Dir zaghaft zuwinken, oder, wie mir mehrfach passierte, die deine weiße Haut mal anfassen wollen. Das endet dann leider meist so mit 5 – 6 Jahren. Dann wird das Betteln häufiger (bei weitem nicht alle, aber man vermeidet zunehmend Blickkontakt, um vorzubeugen. Überhaupt gibt es 2 Arten von Gambier – die, die dich gar nicht wahrnehmen und mimiklos durch Dich hindurch schauen und dann die, die Dich ansehen und – so Du lächelst – ganz offen zurücklächeln, oft noch ein „How do you do“ hinterherschicken. Die Gruppe der nervenden Schlepper, Ladenbesitzer und Boomster lasse ich mal außen vor. Die nerven zwar und machen 80% der Kontakte mit Gambiern aus, sind aber trotzdem nur stark in Minderzahl (außer direkt in den Touristenhochburgen). 12. Auto fahren Also ich bin bestimmt ein erfahrener Fahrer, mit nationalem und internationalem Führerschein und ohne Angst vor dem Auto gegenüber. Aber wer es nicht für´s Ego braucht, der sollte es lassen. Alasana fährt uns immer und wenn mal doch nicht, dann kostet das Taxi paar Dalasi. Ich bin sicher, kein Europäer kann sich in kurzer Zeit sicher auf den Strassen von Serrekunda bewegen. Es ist oft Zentimetersache und Kinder, Hühner Ziegen, Frauen, selbst Affen in Kololi, und Männer (die Reihenfolge ist rein zufällig gewählt!), wechseln ständig die Straßenseite, laufen auf der Strasse, zwischen den Autos. Ich hab mir abgewöhnt, auf den Verkehr zu achten, man ist ständig damit beschäftigt, mitzubremsen. Alasana war 8 Jahre Notfallambulanzfahrer, der macht das schon. Montag, 12.4. Erster Allein - Arbeitstag, war eher unspektakulär, 10 gezogene Zahne 6 Füllungen, einige kleine Eingriffe. Klingt irgendwie nicht viel für 5 Stunden Arbeit. Ich gebe zu, in Heidenau würden meine Schwestern davon träumen, so einen ruhigen Tag mal zu erleben, aber ich war damit ohne Pause beschäftigt. Man diskutiert immer erst eine Weile mit den Patienten, was getan werden soll, dann klärt man die Kosten. Jede Behandlung koste zwischen 3 bis 6 Euro, je nachdem, was gemacht wird. Das hat mich im ersten Moment schon verwundert.  Schließlich denkt man bei „karitativ“ erst mal an „kostenlos“. Mittlerweile finde ich es aber richtig, da die Option besteht, dass Gambier, die nichts zahlen können, auch kostenlos behandelt werden können. Die Klinik, wie auch wir mit unserem zahnärztlichen Projekt haben zwar mit Spenden begonnen, aber längerfristig muss die Praxis sich wenigstens zum Teil auch selbst finanzieren. Die Idee, eine solche karitative Einrichtung rein und vor allem langfristig ausschließlich aus Spenden zu finanzieren, ist sehr schwer umsetzbar und der Grund dafür, warum in den letzten Jahren in Gambia jedes Jahr neue Vereine etwas gegründet haben und nach 1-2 Jahren wieder verschwunden waren, weil eben die Nachhaltigkeit fehlte. Außerdem ist die Neigung zum Anspruchsdenken, wenn es etwas kostenlos gibt, auch hier recht verbreitet. Wen es interessiert: 1 Extraktion 3 Euro, 1 Füllung 6 Euro, 1 Zahnreinigung 6 Euro, 1 Zahnpolitur 7 Euro. Das sind die wesentlichen Maßnahmen. (Preise noch in der Testphase) Interessant war heute eine Frau mit Ohrläppchen, doppelt so groß wie normal, da hingen am normalen Ohr sogenannte Keloide herunter, gutartige Wucherungen, ausgelöst durch Entzündungen. Die sollte ich mal eben wegmachen. Na ja, steckte kein Zahn drin, also musste ich passen. Zurück zum Montag: Nachmittag dachte ich, bisschen Sport hat noch keinem geschadet. Also war ich joggen. Erst die Strasse bis zur Dentonbrigde, die die kleine Hauptstadt Banjul, die auf einer Insel liegt, mit dem Festland verbindet. Dann wollte ich zum Strand und zurücklaufen; nur lag zwischen mir und dem Strand eine 50 m breite Lagune. Erst hab ich eine Weile einen Übergang gesucht, dann bin ich halt durchgeschwommen, schön den Player über Wasser haltend. War lustig, und wurde mit zwei Abendbieren belohnt. Dienstag, 13.4. Heute, nach der Arbeit bin ich nach Banjul gefahren, der erwähnten kleinen Hauptstadt, direkt neben Serrekunda. Da hab ich mir das Heldendenkmal der letzten friedlichen Machtübernahme durch den jetzigen Präsidenten angesehen. So ne Art Pariser Triumphbogen in klein, rissig, mit blinden Fenster… boah. Dann den Albertmarket von Banjul. Der steht im Reiseführer ganz weit oben - weil es sonst nix gibt. Sieht genauso aus, wie die Märkte in Serrekunda: Dreckig ist ein steriles Wort dagegen, laut, stinkt. Bestimmt 60 Prozent Läden mit gebrauchten Sachen von Kühlschränken über Sofas bis T shirts, weitere 30 % Essbuden, ich liebe deutsche Imbissbuden. Der Rest sind interessante Läden, Stoffe, Schnitzereien usw. Mein Alasana fuhr jede Ecke ab. Banjul ist nicht groß und nicht expansionsfähig, eben wegen der Insellage. Es wurde nicht besser. Diesen Ort kann man mal gesehen haben, muss man aber nicht. Auf dem Heimweg hielten wir noch an einem Supermarkt an, für Limo und Bier, es ist alles teurer als in Deutschland. Leute, genießt es!!!
Mein erster Eindruck von Gambia an diesem Tag waren die Roc Heights Guesthouse