Dann wollten wir in Stone eigentlich gebratene Spinnen kosten. Also eigentlich ich, Annett hat gleich gestreikt. Aber bei unserem Stopp in Kampong Thom habe ich schon welche gesehen und irgendwie bin ich noch nicht so weit gewesen, es zu versuchen. Ja ich weiß – Weichei, aber ihr hättet die mal sehen sollen, brrrrrh. Dann haben wir mal eben eine 1000 Jahre alte Brücke besichtigt, die da so in einem Dorf rumstand. Zur Erinnerung, wie sah es da in Dresden aus! Na ja und ansonsten hatten wir 6 Stunden Zeit, uns das Land anzusehen. Immer grün, immer voller Geschäftigkeit. Die Häuser erst immer ärmer werdend, je weiter wir von Siem Reap wegkamen und dann wieder besser (aber dennoch arm), als wir uns Phnom Penh näherten. Ich hab 1000 Fotos gemacht, muss aber erst mal sehen, was geworden ist, da unser Fahrer auch für hiesige Verhältnisse gefahren ist wie die Sau. Wir sind 4x überholt worden, haben aber selber zig Autos, Tuk Tuks , Busse, und LKW`s überholt in der 2., 3. oder 4. Reihe, egal ob Gegenverkehr war oder nicht. Wir sind mit 80 durch Schlaglöcher gebrettert, das dem Autofahrer in mir die Tränen kamen und Phantasie-Tag-Alpträume, wie sich ein Platter so machen würde. Aber angekommen sind wir problemlos, also alles bloß europäisches Gebibber. Interessanterweise war die Straße eigentlich immer gut - also Straßenränder als solche gibt es natürlich nicht, und Schlaglöcher werden hier entweder gelassen oder so aufgefüllt, das die Betonmasse bis zu 30cm übersteht, was so nette Geräusche beim Drüberhoppeln gibt. Nur die letzten 50km vor der Hauptstadt waren groddig, da wurde ununterbrochen gebaut. Das stellt ihr euch bitte so vor: Entweder wurde eine Straßenhälfte einer normalen Straße gesperrt und mit einer frischen Schicht Splitt behäufelt. Damit nicht trotzdem alle drüber fahren, weil die verbleibende Straßenhälfte irgendwie eng wurde für beide Spuren (und die Straßen waren voller Autos), wurden Äste aufs frisch Verteilte gelegt. Natürlich fuhren trotzdem alle auch auf der Seite, umschifften aber elegant die Äste. Oder, da wo die Straße verbreitert wurde, wurde erst mal ordentlich Oberfläche abgetragen, teils bis direkt an die Eingänge der Hütten ran, die ja da entlang der Straße standen, dann wurde planiert, es staubte, das man stellenweise keine 20 Meter kucken konnte; trotzdem wohnen die Leute da am Straßenrand, arbeiten, essen, hängen Wäsche auf, breiten Reis auf Planen zum Trocknen aus – als wenn es den Dreck nicht gäbe und natürlich fahren die Autos auch auf den Flächen, die bearbeitet werden, solange nicht gerade gebaggert oder planiert wird. Das kann man gar nicht richtig in Worte fassen, das muss man gesehen haben. Montag, 17.12 Erster Arbeitstag in der Klinik. Gearbeitet von 8 bis Mittag. Paar Extraktionen, sonst Füllungen. Die Patienten waren Kinder zwischen 5 und 16 Jahren. Alles Kinder ohne Eltern, die Heimen betreut werden, allerdings nicht immer Waisen. Ängstlich, lieb, schüchtern. Die Einrichtung betreut wohl um die 30 Heime. Außer mir arbeitet noch eine Dänin und eine Australierin hier. Die Schwester, die mir zusammen mit Annett assistierte – Anni, war sehr kompetent. Die Geräte sind in keinem guten Zustand. Das sie überhaupt funktionieren, ist erstaunlich. Das Wasser ist immer mal da, mal nicht. Die Bohrer sind teilweise völlig abgelutscht und die Anzahl sehr begrenzt. Alles mögliche exotische Zeug, das kein Mensch braucht, wenig vernünftige Formen. Material ist alles Mögliche vorhanden, wieviel, kann ich noch nicht beurteilen. Im Wartezimmer läuft Tom und Jerry – wie zu Hause. Warm ist es ganz schön, da nur ein Klimagerät arbeitet und ein paar Lüfter laufen. Aber es geht. Nachmittag sind wir, wie erwähnt, umgesiedelt. Also hab ich jetzt immer eine halbe Stunde Fahrt. Aber dafür werden wir entschädigt durch einen herrlichen Pool, einen netten Bungalow, viel tropisches Grün und ein nettes Team im Hotel. Die Eigentümerfamilie in dem letzten Hotel war so was von maulfaul und zu fein, mal zu lächeln. Auch beim Gepäck schleppen haben sie lieber zugekuckt als angefasst. Und der kleine Sohn (ca.8-9 Jahre) der Familie – der Prinz, hat die ganze Zeit die Angestellten vollgemault und rumkommandiert. Er schrie förmlich nach Arsch voll. Jetzt sind wir noch mal die Straße rauf und runter gelaufen. Also ein Stück, die ganze Straße zieht sich viele km lang hin mit Hütten und Läden in fast jeder Hütte. Wir haben bissel Früchte gekauft und Bier und ne Flasche Wein. Letzterer ist mit ab 9 Dollar aufwärts recht teuer, kleine Bierbüchse 50 Cent geht noch. Dann haben wir endlich einheimische Währung getauscht. Für 60 Dollar gab es immerhin 237600 Riel. Klingt doch gut. Jetzt werde ich noch mal in den Pool springen und einen mäßig anstrengenden Tag in einem der ärmsten Länder der Welt, im Rahmen eines sozialen Hilfseinsatzes ausklingen lassen. Klingt irgendwie dekadent. Ach ja und für alle zu Dicken: Wir haben heut früh einen Kaffee getrunken, dann nachmittags 5 Kekse und auch wenn ich mich auf ein leckeres asiatisches Essen freue, Hunger hab ich eigentlich keinen. Die Wärme macht es möglich. Wenn das Bier nicht wär, könnte man hier richtig schön abnehmen. 18.12.12 Dienstag Nach einem gestrigen idyllischen Abend bei drehender Weihnachtspyramide, Räuchermännchen im Wechsel mit indischen Räucherstäbchen von der Lieblingsphysiotherapeutin , Wisky, Bier und Wasser --- jetzt ist es gerade genauso, nur statt Wasser Tonic und Cola light und Melone -- sind wir heut gut ausgeschlafen (was kein Wunder ist, wenn man 22 Uhr schon im Bett liegt und erst 7 Uhr wieder aufstehen darf) Richtung Klinik aufgebrochen. Der Tuk Tuk Fahrer, der uns abholen sollte, war natürlich nicht da, aber an der Straße haben wir nach 4 Minuten einen erwischt. Motos (Taximopeds) hätten wir noch schneller haben können, aber da kann ich irgendwie nicht so richtig ran. Halbe Stunde und wir waren in der Klinik, nicht ohne bestimmt 1000 Mopeds gesehen zu haben. Gearbeitet wurde bis 10.45, dann waren die Patienten alle. Hätte mich sonst geärgert, heut aber nicht, weil nach reichlich einer Stunde Pause –spazieren gehen, Staub und Abgase inhalieren, einem Kaffee und einer Portion Frosch!! - Ja ich habe Frösche gegessen – ging es dann quer durch die Stadt zur French School, einer Primary School, 1.-8. Klasse, alles Mädchen, sehr sauber – wo wir dann bis kurz vor 5 kleine Mädchen ärgerten. Hier ist die Ausstattung deutlich neuer, nur das Bohrerproblem ist das Gleiche. Der Heimweg dauerte wieder eine Stunde. Irgendwie habe ich jeden Tag das Gefühl, der Verkehr ist noch chaotischer als vorher und schlimmer kann es nicht werden, aber man staunt, dass es doch geht. Umso schöner war das Bad im Pool, das natürlich wieder asiatische Abendessen – wir essen hier die Karte systematisch runter, ich habe oben angefangen und Annett unten. Nu werma ma gucken, ob wir das die nächsten Tage immer so machen, damit wir auf die Stunden kommen, die wir hier gearbeitet haben wollen. Gestern hatte ich ja den ersten Teil meiner ca.250-300 Stück Plüschtiersammlung mit in die Klinik genommen und der Direktorin gesagt, dass wir die nach der Behandlung an die Kinder verteilen könnten. Heut habe ich es mit den beiden anderen ausländischen Kolleginnen besprochen, weil von der Chefin keine Resonanz kam. Mittwoch, 19.12.12 Heut sind wir sicherheitshalber schon um 7 los, waren dann aber auch schon halb acht an der Klinik. Also noch Käffchen, bisschen mit den Anderen quatschen und 8 Uhr waren wir einsatzbereit. Nur die Kinder fehlten. Die kamen dann halb 9. 15 Stück, also Arbeit für reichlich eine Stunde. Also fragte ich gegen viertel 10 die Chefin, ob denn noch mehr Kinder kämen. Sie erklärte mir ausführlich, dass wir mehrere Kindereinrichtungen betreuen, aber nur eine heute Kinder schicken könne. Also hab ich nachgefragt, ob diese denn dann nicht noch weitere schicken würde. Sie telefonierte, kam dann zu mir und erklärte, die Schule hätte nur einen Lehrer frei, der mit den Kindern kommen könne und der wäre ja schon da. Also schlug ich ihr vor, die Kinder könnten ja bei uns bleiben, da sie eh noch nicht alle behandelt waren und der Lehrer könne ja neue holen gehen. Darauf diskutierte sie mit dem Lehrer, der dann auch lostrottete und neue holte. Die reichten dann bis gegen halb 12. Dann war endgültig Mittagspause. Da mir die stumpfen Bohrer heute endgültig auf den Geist gingen, wackelte ich dann los zum Russian Market. Da sollte es einen Shop für medizinische Artikel geben. Gefunden hab ich ihn nicht, aber schön braun bin ich in den anderthalb Stunden geworden. Die Straßen sind so voller Geschäftigkeit, ich hab mich auch nur ganz wenig verlaufen, schließlich hatte ich heute einen Stadtplan dabei. Die 5-6 Versuche, Kambodschaner nach dem Weg auf der Karte zu fragen, waren durchweg sinnlos, weil kein Englisch oder noch nie eine Stadtkarte gesehen. Pünktlich halb 1 war ich wieder an der Klinik, stieg nun doch erstmals ganz tapfer auf das Moped von Ani und fuhr mit ihr zur French School. Dort arbeitete ich dann recht effektiv bis 16.15. Da ich mich jetzt schon ganz gut in Phnom Penh auskenne, konnte ich ihr erklären, wo sie mich rück zu absetzen soll, damit ich nicht wieder durch die ganze Innenstadt musste, um zum Hotel zu kommen. Dort nahm ich mir gleich noch ein Moto und fuhr durch idyllische Stadtrandlandschaften zum Hotel. So war ich heut schon kurz vor Sonnenuntergang zu Hause. Mit dem Motofahrer hatte ich erst eine Weile gehandelt, bis wir uns auf 3 Dollar geeinigt hatten. Am Hotel rechnete ich kurz um und gab ihm dann seine (3 Dollar mal 4000 gleich 1200 Riel). Er diskutierte ganz verzweifelt – auf kambodschanisch - mit mir herum. Ich begriff nicht, was er von mir wollte. 3x4 ist doch 12. Endlich fiel mir auf, das ich eine 0 vergessen hatte. 1200 Riel sind nun mal nur 30 Cent. Das war doch etwas geizig. Dann das Übliche: Pool, Bierchen, asiatisches Abendbrot. Anschließend heut mal Wein, netter Plausch mit dem Koch. Ein Elsässer, der vor Jahren Europa den Rücken gekehrt hat. Er kannte sich hier gut aus und hat uns viele interessante Sachen erzählt. Das Beerdigungen 2-3 Tage dauern, dass es hier auch in der Regenzeit sehr schön ist, weil es fast immer nur von 16 – 18 Uhr regnet, dass auch in Kambodscha die Motofahrer theoretisch eine Fahrerlaubnis brauchen, was bei den 13, 14 jährigen Knöppen, die hier teilweise rumfahren, eben theoretisch ist, dass die Stadt regelrecht wirtschaftlich explodiert, dass die meisten Zahnärzte, die hier Praxen haben – ich schrieb wohl schon, dass es Zahnarztpraxen wie Sand am Meer hier gibt – grad mal so sehr Zahnärzte wären wir er, dass es in Kambodscha viele Arme gibt und aber auch seeeehr Reiche, vorzugsweise Armeeangehörige. Deshalb auch die riesigen Villen, die mitten zwischen einfachen Häuschen stehen – und gar nicht so selten. Reich schottet sich nicht ab, sondern will gesehen werden. Na und nun ist es wie jeden Abend. Heute aber mal mit Rotwein statt Bier. Ein interessantes Gespräch hatte ich heut mit der dänischen Kollegin. Die ist gar keine Zahnärztin, sondern Zahnarzthelferin mit 28 Jahren Berufserfahrung. Sie kam hierher, weil sie dachte, hier Prophylaxe zu machen. Aber ihr wurde gesagt, sie solle doch einfach auch behandeln, also macht sie jetzt fleißig Füllungen und hat auch schon einen Zahn gezogen. Wenn man aber weiß, dass die Therapists, die hier arbeiten, das auch tun und dürfen, was solls. Na Doreen, wie wärs?? Heute haben wir fleißig Plüschtiere verteilt nach jeder Behandlung. Da die Tüte bei mir stand, war ich natürlich der Zahnarzt, zu dem alle am liebsten wollten. Donnerstag, 20.12.12 Nun sitze ich hier in der French School, wo ich nachmittags arbeite (wollte), und schreibe Tagebuch, woran man ersieht, dass ich offensichtlich gerade schwer gestresst bin. Deshalb auch die Umlaute, da hiesige Tastaturen kein ÄÖÜ kennen. Es wird auch mein letzter Nachmittag hier sein, weil ich will ja dem kambodschanischen Kollegen nicht die Arbeit wegnehmen und fuer 2 Zahnaerzte Kinder herzubestellen, dass bekommen sie hier nicht auf die Reihe. Dafuer war der Vormittag ganz gut. Erste Gruppe kam puenktlich und als die fast alle war, kam die Chefin zu mir, um mir zu erlaeutern, dass sie jetzt noch eine Gruppe bestellt, wir muessen nur ein bisschen warten. Pech fuer die anderen Kollegen, denn ich hatte gerade mit einer Schwester ausgemacht, dass sie mit mir in die Stadt faehrt, Bohrer kaufen. So mussten die beiden Damen bis halb 1 arbeiten. Dafuer war ich schoen Dentalshoppen. Fuer die Dentisten unter Euch, eine Zahnarzteinheit ist hier fuer ca. 4000 Dollar zu bekommen, eine Lupenbrille fuer 120 - 300 Dollar. da hab ich mal richtig Bohrer und Desinfektionszeug für die Klinik eingekauft, ich hatte ja auch ein paar Spenden mit, die hab ich jetzt hier mitverbraucht. Vielen Dank an Euch. Ich - der Held - bin natuerlich wieder Moto gefahren. Hab ich mich jetzt schon dran gewoehnt. Nur das man vom Moped fahren wunderbaren Glatzensonnenbrand bekommt, haette mir ja mal einer sagen koennen. Mittag hab ich heute auch gegessen, irgendwas kambodschanisches an der Strasse. Sie nannte es Beef, ich nenne es Knorpelstuecke auf Reis und heißem Wasser. Ging aber. Dafuer hab ich jetzt ein Lieblingsgetraenk: Man nehme ein großes Glass gecrashtes Eis, dazu ein Taesschen sehr starken Kaffee und eine Buechse Vollmich, sehr lecker. Das das Eis nicht ganz den Tropenregeln: Koch es, schael es oder lass es, entspricht, Ja Gott, die Kaffees sind hier auch alle nur laeulich, und auf Kaffee kann ich ja nun bei Gott (egal welchem) gar nicht verzichten. Wir werden sehen, was der Magen sagt. Das Eis: Es kommt in großen Blöcken auf Tuk Tuks, eingepackt in dünne Stoffsäcke. Dann wird es mit rostigen Sägen in handliche Stücke zerlegt. Dann kommt es in alte Crashermaschinen, natürlich auch rostig und staubig, weil am Straßenrand stehend und wird dann von den Händen der Markt- oder Bistrofrau in Kühlkisten geschaufelt. Von da findet es seinen Weg ins Glas oder in die Obsttüte. Noch Fragen?? Heute frueh sind wir in ein Tuk Tuk eingestiegen, mussten aber nach 100 m wieder aussteigen, weil der Fahrer Stress mit einem anderen bekam, der frei war (im ersten saßen schon 4 Einheimische). Entweder haben die geteilt, oder, was ich eher denke, es gibt hier auch ein Ranking, wer die guten Gaeste (finanziell betrachtet) chauffieren darf. Uns war es egal. Heut hab ich es nun auch geschafft, die ersten Khmerworte zu lernen. Suesidai heißt Guten Tag li haui Tschues, nur falls es einen interessiert. (ich kann natuerlich noch mehr, so an die 15 Worte!!!!!) Heut Vormittag hatte ich ein AIDS krankes Kind zum Zaehne ziehen auf dem Stuhl. Das war ein Geschrei. Erst das Kind, dann 2 Schwestern. Vor Schreck vergaß das Kind kurze Zeit, weiter zu schreien. Lange genug, um die 2 Zaehne rauszuschnipsen. Aber das war die Ausnahme. Sonst sind die Kinder immer ganz tapfer und lieb. Freitag , 21.12.12 Leute, heut war ein interessanter Tag. Nicht das die anderen Tage nicht schön gewesen wären, aber heute der Tag war perfekt. Ich sitze jetzt, gegen 22 Uhr auf der Terrasse meines Bungalows, höre die Grillen zirpsen, schaue in drei Richtungen auf Bananenstauden, Palmen, rotblühende, was weiß ich wie heißende Tropenpflanzen, bin in Badehose und T-Shirt gekleidet, es ist wunderbar warm, ohne zu warm zu sein, irgendwelche Vögelchen zwitschern immer wieder mal irgenwo… es ist einfach paradiesisch. Gerade war ich noch mit Annett im Pool schwimmen. In der Anlage sind wir bis auf den Wachschutz, den man dank seiner Hautfarbe kaum sieht, allein. Der hat uns aber gesehen und noch mal für uns allein die Poolbeleuchtung angemacht, damit die Palmen, die den Pool umgeben, das Baden im Pool noch stimmungsvoller machen. Es gibt Momente im Leben, da möchte man die Zeit einfach anhalten und das ist so einer. Wenn jetzt noch die Kinder samt Freunden und natürlich Enkel hier wären, dürfte der versprochene Weltuntergang in Form eines Zeitstillstands gern kommen. Wieso war es so ein doller Tag? Begonnen hat er wie jeder Tag (wie bei Euch ja bestimmt auch oder ähnlich). 6.45 klingelte der Wecker heut mal nur für mich allein. Schnell ab zum Pool, eine Runde schwimmen bei, weiß nicht vielleicht 25 Grad Wassertemperatur), dann Cappuccino fertig machen und los, ein Tuk Tuk anhalten. Heute hab ich eins vom Dorf erwischt. Das fuhr mich zwar bis an die Stadt, heißt zur Brücke über den Bassac, aber rüber wollte er nicht. Also stieg ich auf ein Moto um. (Wenn das so weitergeht, werd ich mir wohl in Deutschland am Ende noch ein Motorrad kaufen müssen). Dann ging es in der Klinik heut mal richtig los. Da die australische Kollegin tauchen am Meer ist, waren wir heut nur 2 Behandler. Damit meine ich mich und die kambodschanische Kollegin. Da sie irgendwann eine sehr lange dauernde, schwierige Extraktion hatte, ( die sie aber wirklich gut gemeistert hat - sie hat da eine Ruine ausgegraben, an der würde mancher Kollege sicher verzweifeln.) Ich war 2x kucken, aber es gab nix zu helfen. Also hab ich versucht, den Behandlungsablauf ein bisschen aufzupeppen. Schließlich hatte ich ja die letzten Tage gedrängelt, man möge uns genügend Patienten bereitstellen und heute waren ca. 30 Kinder da. Also hab ich den freien Behandlungsstuhl der Australierin, (hier gehört immer eine Schwester zu einem Stuhl), mit in Beschlag genommen. „Meine“ Schwester Any hatte damit kein Problem, die andere Schwester erst schon ein bisschen, na ja, sie dachte wohl, ist die andere Ärztin nicht da, wird es ein ruhiger Tag. An zwei Stühlen arbeiten war wie zu Hause, da ging es richtig zur Sache. So nach 20 Füllungen und 15 Extraktionen weiß man wenigstens, wofür man hergekommen ist. Mittag holte mich meine Frau ab und dann war heute Sightseeing Phnom Penh angesagt. Damit möchte ich euch nicht zu sehr langweilen. Vielleicht nur so viel, ich bin froh, dass wir heute fast alles gesehen haben. Da haben wir uns nicht das Wochenende versaut. Die Stadt gibt auch in den Reiseführern nicht viel her. Also haben wir uns jede Randnotiz auch angesehen. Die Highlights: • der Königspalast – Da König Shihanouk es vorzog, im Oktober (so ungefähr) zu sterben, ist ein ¼ Jahr der Königspalast gesperrt, Pech. die Silberpagode: Ein Tempel, wie alle anderen auch, aber !! mit tausenden Silberfliesen. Ja Gott, nur waren diese zu 98 % von Teppich bedeckt und die paar Fliesen, die ich gefunden habe, waren mit Büroklebeband an ihren vielen Bruchstellen zusammengeklebt. • der Bahnhof: Ein riesiges Bahnhofsgebäude, durchs Gitter Gleise in super guten Gleisbetten zu sehen – kein Wunder, da in Kambodscha seit Jahren kein Zugverkehr mehr existiert – dabei haben die Franzosen sich einst so eine Mühe gegeben. • Das Postamt und die Nationalbibliothek: Wir waren da. Besonders Letztere - muffige, halbverrottete Gebäude. Sollte man unbedingt gesehen haben, damit man nicht noch mal auf die Idee kommt, sie besichtigen zu wollen. Dazu solltet ihr noch wissen, dass die ganze Stadt aus hunderten frühkolonialen Gebäuden besteht (plus natürlich dem, was dann später dazwischengeschustert wurde), die mit Sicherheit alle mal wunderschön waren. Mehrgeschossige Gebäude mit großen Terrassen, Dachterrassen, im EG – früher mal bestimmt Kaffees, Bars…, Stuckverzierungen überall, herrliche Geländer, verschnörkelte Balkonbrüstungen. Die ganze Stadt ist voll davon. Nur leider wurde 80 Jahre nichts mehr dran gemacht, außer massive Gitter bis ins 5. Geschoss an jede Terrasse anzubauen (scheinbar können die Kriminellen hier gut klettern), Stromkabel zu ziehen, das die Italiener an der südlichen Adria vor Neid erblassen würden und Müll in jede Ecke zu schmeißen. Manchmal haben alte Städte auch Flair, wenn sie nicht durchrestauriert sind oder gerade deswegen, aber hier ist Flair das falsche Wort. Das soll keine Kritik sein. Wenn man die Geschichte der Khmer kennt und weiß, das noch heute tausende Familien in Häusern leben, die ihnen nicht gehören, weil sie nach dem Ende der roten Khmer einfach besiedelt haben, was leer stand, wird das alles durchaus verständlich, aber es macht es nicht schöner. Die roten Khmer haben nach der Machtübernahme innerhalb von wenigen Wochen sämtliche Städte komplett geräumt, heißt, die Leute mussten raus aufs Land (Mao Tse Tung Kommunismus in Reinkultur). 3 Jahre waren alle Städte im Land Geisterstädte. Dann haben die roten Khmer ja alles ausgerottet, was mehr als 6 Klassen hatte oder gar eine Hochschulbildung oder wer Fremdsprachen beherrschte oder eine Brille trug. Wer es nicht glaubt – kann man nachlesen. 2-3 Millionen sollen es gewesen sein. Streitet man sich heut drüber, hat halt keiner so genau Buch geführt. (nur zum Vergleich –heute soll Kambodscha ca. 14,5 Mio Einwohner haben – ist übrigens halb so groß wie Deutschland) Na jedenfalls müssen es schon schwierige Verhältnisse gewesen sein, als das Pol Pot Trauma vorbei war und daran knappern die heute immer noch. • das Nationalmuseum, so ne Art Pergamonmuseum in Mini, ein Haufen kleine Buddhas und Tempelartefakte aus Angkor Wat, halt was die Franzosen nicht rausgeschleppt haben oder was später geklaut und bei Christie`s versteigert wurde, schon ganz hübsch, aber in einer Stunde waren wir da rum. Viel interessanter war die Straßenatmosphäre. Wir sind da 5 Stunden rumgelaufen. Ein Gewimmel: Händler, TukTuks, Motos, Kneipen, Massage- und Schönheitsstudios aber auch Banken, edle Gasthäuser, Hotels, Hochhäuser – die meisten im Bau, kleine Pagoden- und Tempelanlagen, so mal zwischendrin, die besagten Villen, Betonbauten, Blechhütten -- ein wildes Durcheinander. Schon sehenswert. Am Ende und mit Sonnenuntergang haben wir uns in einer Kneipe am Flußboulevard festgesetzt und 2 Stunden Leute beobachtet. Viele Ausländer – hier in diesem Teil der Stadt, viele kleine Kinder, die irgendwelche Waren an Touris verkaufen wollten, einige Bettler und natürlich eine Rushhour, wie ich sie noch nirgends erlebt habe. Das war schon insgesamt ein Erlebnis. Und zum Schluß eine Tuk Tuk Fahrt durch das nächtliche Phnom Penh zu unserem Hotelchen.