Aber die Krönung war, sitzen wir da ganz entspannt, latscht da so ein HottenTotte – um die 60 an uns vorbei. Fett, hässlich wie die Nacht, mit einem kambodschanischen Hühnchen –ca 18 – an der Hand und hat doch wirklich ein T-Shirt an, darauf steht: Waffen SS und noch irgendwelcher Mist. Dazu hatte er mehrere SS Tattoos am Körper. Musste ich fotografieren. Ging eigentlich gar nicht. Es gibt Momente, da ist es einem peinlich, deutsch zu sein. So was hab ich noch nie gesehen. Jetzt hab ich Euch doch ganz schön mit PP gelangweilt. Aber ihr musstet es ja nicht lesen. Ach ja, eins noch zum Schluss. Heute an der Promenade, stand da ein Heuschreckenverkäufer. Wie ich so eine Kambodschanerin beobachte, wie sie diese kostet, reicht sie mir glatt auch eine zum probieren. Also Mund auf, Heuschrecke rein und kauen. Ich muss so verkrampft ausgesehen haben, dass sich die Einheimischen köstlich amüsiert haben. Dabei ist es gar nicht so schlecht. Die sind sehr würzig gewürzt und zergehen im Mund fast wie Taco`s. Nur die Beinchen hat man länger zwischen den Zähnen. Logisch, Taco`s haben ja keine Beine. 22.12.12 Samstag Nachdem wir gestern so fleißig waren, heute das Gegenprogramm. Ausschlafen, Frühstücken am Pool, vor und nach dem Baden, sonnen, lesen, computern, Kaffee, und nochmal und nochmal. Nachmittag Spaziergang zum Mekong . Dann Bierchen in einer Kneipe. Ich hab ein Bier bestellt und eine Karaffe bekommen – ca. 1 Liter, in einem Eimerchen voller Eis. Dann wieder siehe oben. Sonnenbrand pflegen. Und jetzt gleich khmerisch essen gehen. Ich hab voll den Stress. Das muss ich morgen gleich noch mal probieren. Damit es nicht ganz so langweilig für Euch wird.: Wusstet Ihr, das die kambodschanischen Damen schon in den Pool baden gehen, aber nur voll bekleidet? Wusstet Ihr schon, das die Hochzeitsfeier, die zur Zeit ca. 500 m von uns stattfindet, heute früh gegen 6 Uhr mit langen Ansprachen und Musik begann, in einer Lautstärke, als wenn ihr beim Stadtfest Heidenau genau neben der Bühne steht – nur das die Party hier eben 500m weit weg ist. Tagsüber war es dann recht ruhig, aber jetzt sind wir akustisch quasi mittendrin. Kambodschanische Hochzeiten sollen mitunter 2-3 Tage dauern!! Übrigens hab ich heut am Pool diesen koreanischen Titel mit dem kleinen Sänger, der diesen Tanzstil im YouTube populär gemacht hat - Psy - 8 Mal gehört, abgesehen von unzähligen Malen in den letzten Tagen. Gestern in der Praxis lief eine CD von ihm 4 Stunden – immer wieder. Klingt übrigens alles gleich, finde ich jedenfalls. Irgendwann fange ich wahrscheinlich an, ihn mit zu hopsen. Sonntag,23.12.12 Ausschlafen, baden, Pool, Kaffee, Sonnenbad, lesen, mit den Kinder skypen, Homepage schön machen. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Dieser Bla bla Spruch hat heut für meine liebe Frau richtig Substanz erfahren. Nach einem Tag voller Müßiggang, sind wir noch mal los, um irgendwo in der Nähe was zu Abend zu essen. Na ja bei der 3. Bierwerbung hat Annett beschlossen, da kehren wir ein. Die Kellnerin war nett, sprach auch ein bisschen Englisch, verstand aber praktisch nichts – was wir erst so nach und nach mitbekamen. Wir bestellten einen Krug Bier und bekamen Flaschen, wir wollten eine Speisekarte – kurzes Nicken, Abgang, dann kam sie wieder und fragte ob wir jam jam – essen wollen. Wir sagten ja, irgendwas mit chicken, sie nickte, kam wieder und sagte: beef, pork. Wir sagten nein, dann essen wir eben nix. Annett  hatte schon irgendwie den Appetit verloren, als sie das Besteck und die Stäbchen in einem Glas trüben Wassers hatte stehen sehen. Na ja, die Stäbchen waren auch noch schwarz, das verstärkte den Eindruck, nicht vollkommener Sterilität möglicherweise. Dann kam die Chefin wieder, mit einem Teller und einer niedlichen gegrillten Schlange drauf und fragte, ob wir statt chicken dieses nehmen würden. Annett kämpfte kurz mit sich, jedenfalls sah es so aus (ich darf jetzt hier nichts Falsches schreiben) und sagte ja. Ich meinte, das ist bestimmt ein Aal und sie griff den rettenden Strohhalm schneller auf, als mir klar werden konnte, wie ernst sie diese Hoffnung nahm. Dann kam das Essen. Also, das Fleisch war ganz zart. Die Wirbelsäulenstücke haben mich ein bisschen gestört, aber ich bin eben nicht so der Knapperer. Es war überhaupt nichts besonderes Exotisches oder gar Ekliges daran. Es passiert eben nur im Kopf. Wir haben es gegessen. Dann wollte Annett aber doch irgendwie schnell nach Hause, um mit Whisky spülen zu können. Aber sie war ganz tapfer, vielleicht bekommen wir das mit den Heuschrecken ja auch noch hin, auch wenn sie das zurzeit noch kategorisch ablehnt. Montag 24 .12.12 Es war wieder Arbeitswoche angesagt, was nach so einem erholsamen Wochenende nicht weiter problematisch war. Nach der Klinik ging es auf Shoppingtour. Die Sehenswürdigkeiten hatten wir ja schon abgegrast, aber die 4 großen Märkte wollten noch besichtigt werden. Russian Market und Orissey Market sind jeweils überdimensionale tschechische Grenzmärkte mit jeweils grob geschätzt, 400-500 Einzelständen. Sich alle anzusehen, ist unmachbar, aber die Atmosphäre ist das Eindrucksvollere. Wir kauften nur ein paar Andenken und Mitbringsel, schließlich müssen wir alles tragen und in Saigon werden wir wohl auch noch 2, 3 Märkte finden. Der 3. Markt ist der Zentralmarkt. Dieses Mal ein eingeschossiges Steingebäude mit langen Seitenarmen in alle Himmelsrichtungen. Da war es ein bisschen übersichtlicher, mehr Uhren und Schmuckgeschäfte. Dort liegen – ich behaupte mal 10000de Uhren aller Art in den Auslagen. Was die Händler davon am Tag verkaufen und was sie verkaufen müssen, um davon leben zu können – ich weiß es nicht. Es waren deutlich mehr Verkäufer als Kunden da. Markt 4 war der Soria Markt. Der war in schick, 5 Etagen, eine Mischung aus typischen Klamottenlädchen und Läden mit europäischen Dingen und teurer Elektronik. Da gab es auch in jeder Etage ein schickes Restaurant und so gönnten wir uns anlässlich Weihnachten 2 Pizzas. Außerdem konnte man aus dem 5. Stock schön die Stadt fotografieren. Somit war Essen für heute erledigt und wir konnten – wieder im Hotel angekommen, natürlich nach Poolbesuch, einbescheren, Weinchen trinken und mit zu Hause skypen. Ganz entspannt. Dienstag, 25.12. Also die TukTuk Fahrerei wird mir zu Hause fehlen. Weniger wegen des Staubs, den man dabei einatmet, sondern weil es jeden Tag wieder so viel zu sehen gibt. An den Straßenverkehr haben wir uns vollkommen gewöhnt. Eine 4,5 oder 6 Spurige Straße zu überqueren, auf der alle Spuren befahren sind, ist mittlerweile etwas, worüber man kaum noch nachdenkt. Natürlich passt man auf und kuckt, aber man unterhält sich dabei schon normal weiter, dass hätte mir mal einer vor einer Woche sagen sollen. Heute hatten wir über 50 Kinder, das war ein Gewimmel. Abgesehen davon, das der Bohrer an meiner Einheit sich immer langsamer dreht – irgendwas stimmt da mit der Druckluft nicht, man muss also Geduld haben, lief es ganz gut. Als krönenden Abschluss durfte ich der Australierin eine Füllung erneuern, die in den letzten 3 Wochen wohl schon 3 Mal repariert wurde. Wollen wir hoffen, dass ich die deutsche Dentistenschaft würdig vertreten habe. Für die Zahnärzte unter uns, lasst bloß die Finger von Glasionomerzementen. Ein Mistzeug. Wird auch in Afrika überall verwendet, aber nach einem Jahr sind die Füllungen zwar noch drin, aber an den Rändern völlig ausgefressen. Unter jeder Füllung, die ich erneuert habe, lachte mich darunter der Schmadder an. Es ist mir immer wieder völlig unbegreiflich, wie sich weltweit Hilfsorganisationen auf dieses Material einlassen können. Nach der Arbeit sind wir dann noch mal schnell zum Soria gefahren und haben eine Hose umgetauscht, die sich jemand doch zu eng gekauft hatte – Annett war es nicht! (Da war wohl der Wunsch der Vater des Gedanken). Dann haben wir die 4 Tage Mekongfahrt gebucht. Da heute und gestern jeweils 2 junge australische Ärzte angereist sind, die sich nun zu zweit einen Stuhl teilen müssen (weil meinen gab ich nicht ab), werden wir unsere Abreise Richtung Vietnam etwas vorverlagern. Die Klinik ist gut besetzt. Wenn es morgen noch mal gut läuft, hab ich dann so 350 Zähne repariert. Da ist weniger, als ich gern wollte, aber besser als nix und man muss als älterer Kollege auch die Jungen mal zum Zuge kommen lassen!! Dann ging es an den heimischen Pool, um das schöne Wetter noch ein bisschen zu genießen. Es ist tagsüber heiß (ca. 32 Grad), aber nachts kühler. Wir schlafen jetzt angenehm mit offenem Fenster. Ach ja, da heute 1. Weihnachtsfeiertag ist, haben wir uns an einem Stand ein gegrilltes Huhn gekauft – sah aus wie eine Ente, plus frisches Baguette und nachher gibt es noch Kuchen. Ist doch der Schlemmertag des Jahres, oder? Mittwoch, 26.12.12
Heute letzter Arbeitstag. Er war so effizient wie die letzten Tage. Deshalb hab ich mir dafür eine Massage gegönnt. Da wurde eine Stunde lang an mir rumgeknetet, von den Zehen bis zu den Fingerspitzen. Es wurde viel mit Ellenbogen und Füßen gearbeitet. Zum Schluss stand die Gute auf meinen Oberschenkeln und dehnte die Hüfte. Sauberkeit ging, ich bekam ein Handtuch und eine Schlafanzughose. Nur unter dem Gesicht hätte ich mir noch was Eigenes gewünscht, statt des Lakens. Das sah zwar nicht dreckig aus, aber vor mir haben da sicher noch mehr Leute mit dem Gesicht gelegen. Nachmittag haben wir ein letztes Mal unseren Pool genossen und gegen halb 5 schnappten wir uns ein Tuk Tuk und ließen uns durch die Außenbezirke Phnom Penhs chauffieren und haben noch ein bisschen Landschaft gekuckt. Einmal stand am Wegesrand ein zweirädriger Motohänger. Die Deichsel zeigte schräg nach oben, da er hinten auf kleinen Stützfüßen stand. Vorn neben der Deichsel ein kleiner Bengel, vielleicht 2 Jahre und der pinkelte von oben runter. Ich sag noch, Hauptsache, der Hänger kippt nicht wegen des Kindergewichtes nach vorn und schon war es passiert. Der Arme hat sich sicher richtig wehgetan, aber Papa stand ganz in der Nähe. Die Nähe zwischen Blechhütten und großen Villen ist immer noch frappierend. Wir hielten erst an einer kleinen Pagode und dann an einer Tempelanlage, die fantastisch aussah. Alles neu, alles schick. Uns begrüßte auch prompt der Obermönch der Anlage. Wir hielten ein Schwätzchen und wurden mit einer Führung durch die Anlage belohnt. Die Gebetshalle der immerhin dort stationierten 200 Mönche besichtigten wir von innen, den gegenüberliegenden Tempel, den der Herr Ministerpräsident sich! bauen ließ (Kosten ca. 1 Million), von außen. Ob er die selber aus dem Ersparten bezahlt hat, blieb offen. Aber sie beinhaltet seine private Buddhasammlung – über 200 Buddhafiguren, viele davon 200 Jahre alt und älter. Insgesamt standen auf dem Gelände, nach Aussage des Priors – oder wie man das im Buddhismus nennen mag, Gebäude im Werte ca. 4 Millionen Dollar. Ganz ordentlich für so ein armes Land. Es war aber wunderschön. Dann bekamen wir noch Wasserflaschen geschenkt und zogen weiter. Nach aufregender Suche nach einem Buchladen, mir war der Lesestoff ausgegangen und in PP gibt es da nicht so viel ( ich hab mir ein schönes Jugendbuch über einen magischen Kater gekauft – das schafft mein Englischsprachvermögen ganz gut), ging es dann zu Suki Suk, einer modernen Gaststätte, wo heute gemeinsames Essen des Teams mit allen anwesenden Ärzten angesagt war. Man stelle sich vor, ein langer Tisch für ca. 15 Personen, in ihn eingelassen 2 Herdplatten. Da kam je ein Topf drauf. Dazu gab es einen Riesenteller mit allen möglichen Gemüsen und Fleischstücken. Dann wurde alles in die Töpfe geworfen und nach einer Weile gab es - Suppe. Als die erste Runde alle war, gab es einen neuen Zutatenteller, dieses Mal mit verschiedenen Sushiarten. Wieder warten und dann – Suppe. Eigentlich nichts für Fleischfreaks wie Nici oder mich, aber dennoch interessant und lecker. Dann ein letztes Mal Nacht in Phnom Penh. Auf der Heimfahrt fuhr vor uns ein total besoffener Motorradfahrer. Der brauchte die ganze Straße, was bei regelmäßigem Gegenverkehr tödlich aussah. Bestimmt 3x hat er kurz vor entgegenkommenden LKW`s gerade noch die Kurve wieder auf seine Seite geschafft. Unser Fahrer hielt schön weit Abstand zu ihm. Irgendwann fuhr der Junge zum Glück dann doch rechts ran. Zu Hause angekommen war es noch nicht 22 Uhr. Also gingen wir noch mal in die Kneipe gegenüber – nicht die Schlangenkneipe, sondern die mit den Bierkrügen und vernichteten noch 2 solche und verabschiedeten uns somit von Kambodscha. Das Land ist so voller Gegensätze, aber auch so voller Energie und Wachstum an allen Ecken. Ich bin überzeugt, wenn sie es schaffen, Frieden zu halten, haben sie eine gute Zukunft vor sich. Genug Arbeit für Hilfseinsätze wie unseren gibt es hier allemal und wenn es noch ein bisschen effektiver gewesen wäre, wäre es noch schöner gewesen. Aber man darf eben auch nicht erwarten, dass die einheimische Bevölkerung ihren Lebensrhythmus ändert, nur weil man als Europäer helfen will. Ende