Zahnarztpraxis  Dr. Würfel Frank Würfel und Kollegen
Zahnarzteinsatz in Kambotscha vom 11.12.12. bis 27.12.12
Reisebericht Mittwoch, 12.12.12 Ist doch schon mal ein geiles Datum, um ein neues Abenteuer zu beginnen, oder? Ich sitze im Flieger von Abu Dhabi nach Bangkok; draußen scheint die Sonne (na ja bei 10000m nicht soo schwer). Essen gab es schon, Rotwein auch, die ersten 3 Filme auch. Annett sitzt neben mir und ist völlig entspannt, da bisher alles wunderbar geklappt hat. Trotz Schnee hatte der Zug nach Berlin gestern nur 40 Minuten Verspätung, wegen irgendwelchen bösen tschechischen Weichen, denen zu kalt war. Aber wir haben bis Berlin sogar 10 Minuten wieder aufgeholt. So wie wir Zwei von Helene, Sophie und Martin zum Zug gebracht wurden, nachdem mich mein Team auf sehr nette Weise in die Weihnachtszeit geschickt hatte, so wurden wir von meiner Schwiegerfietsche Gundula in Berlin abgeholt und nach Tegel eskortiert, was sehr hilfreich und nett war, weil es meinem Rücken in den letzten Tagen nicht so richtig reisemäßig gut ging, soll heißen, ich bin krumm gelaufen, wie ein alter Mann; hat nur der Rollator gefehlt. Aber dank der unermüdlichen Bemühungen mehrerer guter Feen (Danke) und langer Stillsitzphasen im Flieger, geht es mir jetzt schon wieder gut genug, um daran zu glauben, dass ich mir ab übermorgen die Tempel von Angkor Wat ansehen werde. Am Flughafen lief alles wie geschmiert; trotz leichtem Übergewicht von Kiste und Koffer. Wir durften sogar noch ein paar Stofftiere aus dem Unterwegsrucksack in die Kiste umladen, bevor wir diese - da aus Pappe - ordentlich mit Paketband umwickelten, damit sie die nächsten 10000 km auch durchhält. Wir haben geplant, die Pappkiste und den alten Koffer in Phnom Penh zurückzulassen und die letzte Woche mit den beiden Rucksäcken durchs Land nach Saigon zu tingeln. Immer schön den Mekong entlang. Viel kaputt gehen kann in der Kiste ja nicht, da ihr Inhalt zu 70 Prozent aus Plüschtieren besteht, die sich die Kiste mit vielen Zahnbürsten, 10 Fußbällen, Medikamenten und zahnärztlichem Arbeitsmaterial teilen. Letzteres werde ich in den 2 Wochen benötigen, in denen wir in der Zahnklinik des Vereins Campodiaworldfamily arbeiten. Ich werde wohl überwiegend Zähne ziehen und Annett wird mich dabei unterstützen. Noch vorher, also zuerst, werden wir uns in Siem Reap ein paar Tempel ansehen, akklimatisieren und auf Asien einstellen. Dafür haben wir auch schon ein Guesthouse aus der Ferne gebucht. Das Home Sweet Home wird uns den Einstieg in die Welt Kambodschas verschönern, hoffe ich zumindest. Den Tipp für dieses Gästehaus hab ich aus dem Block von Backpackern, welche auf ihrem Indochinatrip dort abgestiegen sind und denen es gefallen hat. Schau`n wir mal, was solche Tipps wert sind. Doch zurück zur Reise. In Berlin hatten wir nach der Erledigung aller Formalitäten 3 Stunden Zeit. Genug, um noch Rotwein aus der Flasche zu trinken, Flaschensammler von Plasteflaschen darum zu beneiden, was die für Erfolge auf so einem Flughafen haben, die schärfsten Leute zu beglotzen, von tot schick bis völlig daneben, was natürlich immer im Auge des Betrachters liegt. Am meisten hat mich ein ca. 45 jähriges Pärchen beeindruckt, bei dem beide Strickmützen passend zu den Pollundern trugen. Sie in grau, er in K. braun. Sehr schön. Interessant war auch die – im Gesicht unverschleierte, ca. endzwanzigjährige, schicke Araberin, wo auch immer her, welche mit 3 kleinen Kindern und einem seriösen Herrn im weißen Kaftan reiste, der mein mindestens 10 Jahre älterer Bruder hätte sein können (faltig, glatzig, gebeugte Haltung). Auch eine Art von Stress, vermute ich. Oder der Urberliner, der auf dem Flug Berlin - Abu Dhabi hinter uns saß und ununterbrochen quatschte. Der hat es gut, der reist – wie jedes Jahr im Dezember - für 4 Monate zur Winterüberbrückung nach Thailand. Ich hab mich gefragt, was man als Würstchenbudenbesitzer (sein Deutschlandjob), so lange in Thailand machen könnte. So viel Faulenzen hält doch keiner aus, oder? In Abu Dhabi hatten wir nur 2 Stunden Aufenthalt. Außerdem sieht man vom Flughafen aus nichts vom Reichtum der Emirate. Draußen ist Sand, wohin das Auge schaut, ein paar Wohnsiedlungen, viele Wasserarme und künstliche Kanäle vom nahen Meer und einige wenige Straßen. Die City selbst habe ich allerdings vom Flugzeug aus nicht gesehen. Nach der Werbung soll die bunt und lebendig sein. Beim Landeanflug gab es neben besagtem, allgegenwärtigem Sandbeige und den verschiedenen Meeresblautönen nur einen weithin sichtbaren bunten (rot) großen Fleck – die Formel 1 Arena. Von oben schon imposant anzusehen. 21.00 Angekommen sind wir prima. In Bangkok gab es ein bisschen Verspätung. Dafür wartete schon ein Tuk Tuk Fahrer auf uns am Flughafen in Siem Reap, dem nur geringfügig die Gesichtszüge entglitten, als er unser Gepäck sah. Aber wir haben es geschafft. Das Zimmer ist o.k., das Bad hat eine frei im Raum hängende Dusche, man könnte also WC Besuch und Dusche kombinieren – spart Zeit. So sind wir also gut hier angekommen. Schnell noch mit den Sophie und Helene geskypt, ein paar Mails geschrieben und schon war der Tag vorbei. Donnerstag, 13.12.12 19.41 Ortszeit Das war ja ein toller erster Tag. Gestern gegen 23 Uhr ins Nest. Eigentlich war es ja erst 5 Uhr nachmittags deutscher Zeit, aber die lange Fahrt, die Wärme, die Aufregung, die Dunkelheit – es hat zum Schlafen gereicht. Kleine innerfamiliäre Diskussion – Klimaanlage ausmachen oder nicht, Fenster aufmachen oder nicht. Wir haben uns demokratisch auf beides geeinigt. Da sich Annett aber bei der Wärme gar so gewälzt hat (scheinbar kam mehr warme Luft rein, als die Klimaanlage bewältigen konnte, hat sie die Klima dann doch noch mehr hochgedreht und das Fenster zugemacht. Leider ging dabei das andere Fenster ein Stück auf (Schiebefenster halt).Das haben wir gemerkt, als der Hahn vom Nachbarn gegen 3 Uhr das erste Mal krähte (dann so alle halbe Stunde). Dafür hab ich dann den Rest der Nacht gefroren wie ein Hund. 16 Grad Zimmertemperatur und ein Laken sind dann eben doch ein Missverhältnis. Entsprechend zerknittert war ich am Morgen (vielleicht war es auch der Jetlag). Wir frühstückten bei gefühlten 30 Grad und 80% Luftfeuchte. Dann tranken wir Käffchen und warteten auf Achim, einen Deutschen, den wir gestern im Flugzeug kennengelernt hatten. Achim lebt und arbeitet in Deutschland und verbringt seine Winter und 6 Wochen im Sommer in Siem Reap. Er hat hier eine kambodschanische Frau (oder Lebensabschnittsgefährtin), ein Haus, 2 Traktoren und kennt sich in diesem Land entsprechend gut aus. Mit ihm tranken wir dann noch ein paar Kaffees und ließen uns eine ganze Reihe guter Tipps sagen. Gegen 12 starteten wir dann zu Fuß unsere Siem Reap Erkundungstour. Es würde zu weit führen, hier alle Eindrücke nieder zu schreiben. Deshalb nur ein paar davon: • man kann sich hier uneingeschränkt sicher fühlen, so unser Eindruck • es ist ein fleißiges Völkchen, alles ist in Bewegung, aber mit viel weniger Hektik, als wir das von Deutschland kennen • es gibt Hotels und Guesthäuser in unendlicher Zahl, viele kleine Essenstände am Wegesrand, gepflegte Restaurants, Shoppingmalls, Grünanlagen, natürlich auch Dreckecken, aber auf allen größeren Straßen ist es nicht viel schmutziger als in der Frankfurter Innenstadt im Oktober. • Ich habe heute mehr Mopeds gesehen, als in meinem ganzen bisherigen Leben, es wird gefahren, wo es geht, rechts der Strasse, links der Strasse, auf den Fußwegen, es wird viel gehupt, keiner reagiert, aber es sieht selten wirklich gefährlich aus und selbst dann wohl eher für uns Europäer • Tuk-Tuk fahren macht echt Spaß, sobald man sich mit dem Unsicherheitsgefühl arrangiert, das am Anfang da ist. Am besten ist es, zentimeterentfernt vorbeifahrende andere Tuk-Tuks, Autos oder auch Busse einfach als Mitsportler zu betrachten – oder wegzukucken. • Das Überqueren der Strassen ist immer spannend, ich hatte schon ein paar Mal Angst um meine Frau, dabei ist es doch ganz einfach; einfach losgehen, gleichmäßige Geschwindigkeit und die ankommenden Fahrer anschauen. • Die Märkte sind voller Waren und Menschen, aber lange nicht so keimig, wie ich es in Afrika erlebt habe. Man wird beim Durchgehen zwar auch angesprochen, aber lange nicht so penetrant belagert wie in den Asiabuden an der tschechischen Grenze. • Die Leute sehen alle sauber und ordentlich aus, wenn auch teilweise leicht overdresst, so mit dicken Jacken und Handschuhen – es ist halt kalt hier ?!?! • Hunger hatten wir leider keinen, es gab schon eine Menge Interessantes an der Straße zu sehen, aber bei Preisen wie 1 Dollar für einen Kaffee, 3 Dollar fürs Frühstück, 1 Dollar für eine Riesenkokosnuss (zum Trinken), 1,5 – 2 Dollar für ein Mittagessen in den Straßenküchen, 1,5 Dollar für eine Flasche Bier in der Gaststätte, 15 Dollar für ein Tuk Tuk für einen ganzen Tag oder 10 Dollar für eine Busfahrkarte von Siem Reap bis ins 300 km entfernte Phnom Penh, kommt man schon eine Weile hin. Zwischendurch gönnten wir uns einen Kaffee in einem schönen Cafe, welches geprägt war von Dutzenden, an Drähten aufgehängten Orchideen, die auch alle blühten. Gegen 17 Uhr und schon ein wenig fußlahm nahmen wir uns ein Tuk Tuk und ließen uns zum Phrom Bateng fahren. Dort hat man einen schönen Blick auf den Sonnenuntergang. Gut, ich fand es jetzt nicht so spektakulär, aber es war auch ziemlich diesig. Da hatten wir noch Stress, weil wir fürchteten, den Untergang zu verpassen, bevor wir auf dem Berg waren. Aber wir haben es geschafft. Schnell 20 Fotos und zu Hause kucken wir uns den Sonnenuntergang dann an. Jetzt gab es – nach Dusche und Bier – Amok, ein kambodschanisches Nationalgericht und während Annett fleißig Postkarten schreibt (ich glaube, ihr fallen dauernd die Augen zu), bringe ich jetzt dieses Heutetagebuch zu Ende. Freitag, 14. 12.12 Heut war der Tag der Steine. Nach dem Wecken und Skypen mit Theresa in Austin – bei ihr war es 18.00 am Vorabend – ging es per Tuk Tuk nach Angkor. Für die, die es nicht wissen: Große Königsdynastie so ca. 8. bis 13. Jahrhundert, hatten einen Haufen Kohle und Bauwut und haben sich hier in der Gegend jede Menge kleinerer bis riesiger Königspaläste, Kloster und Gottanbetungstempel gebaut. Dann sind sie von den Siamesen verjagt worden, aber die Bauten sind geblieben. Was die Roten Khmer nicht zerhackt bekommen haben, wurde in den letzten 20 Jahren ins Ausland geschmuggelt – wir haben fast keine unversehrten Figuren gesehen, aber jeeeeeede Menge Teilkörper, Reliefs, und halt die Tempel. Ist schon beeindruckend, was diese kleinen Khmer so Großes gebaut haben. Mir hat am besten Ta Prohm gefallen; das ist der Tempel, der mit riesigen Würgefeigen und Kapokbäumen überwachsen ist, die ihre nicht weniger gigantischen Wurzeln um die Gemäuer schlingen, um nicht um zu fallen, dabei die Steinmauern regelrecht zerdrücken. Auf dem Tempelgelände nur dieses einen Tempels sollen mal 80000 Menschen gelebt haben, nur damit ihr eine Vorstellung von der Gewaltigkeit bekommt. Direkt daneben ist die alte Hauptstadt Angkor Thom, da haben bis zu 1 Million Leute gelebt und gearbeitet. Na und 3 km weiter haben wir die überhaupt größte Anlage, Angkor Wat. Da wohnte Krishna, bzw. wurde da verehrt. Mit den anderen 6 Tempeln, die wir noch ausgiebig studiert haben, will ich Euch jetzt nicht weiter langweilen. Auf jeden Fall gibt es noch bestimmt 20 - 30 weitere kleinere Anlage in einem Radius von vielleicht 30 km. Die meisten können besichtigt werden, ein paar sind aber immer noch vermient. Es war sehr interessant, aber nach 6 Stunden ließ dann die Neugierde langsam nach. Sollte man aber auf jeden Fall gesehen haben, wenn man mal zufällig in der Gegend ist. Ob man dazu ein 3 Tage Ticket braucht, sei mal dahingestellt. Wir fanden, 1 Tag ist o.k. . Es war überall ganz schön voller Menschen (90% Koreaner, Chinesen und Japaner). Wie das hier in der Hauptsaison zugeht, will ich lieber gar nicht wissen. Zurück in der Pension gab es eine dringend nötige Dusche, für mich ein Bierchen und ein verspätetes Mittagschläfchen für Annett, damit sie wieder fit ist, wenn es nachher zu einer Khmer Aspara Tanzshow mit typischem Khmerbuffet geht. 15.12.12 Samstag Und wieder ein Tag voller Eindrücke vorbei. Doch erst mal noch zu gestern. Asparatanzshow mit Buffet. Die Tänze waren schön anzusehen. Sie bestechen durch Langsamkeit aller Bewegungen und sehr farbenfrohe Gewänder. Die Themen sind immer die gleichen. Schöne Prinzessin wird von bösem Dämonen bedroht, der am Ende dann doch ihr zu Füßen liegt. Wenn ich es richtig verstanden habe. Asparatanz hat eine sehr alte Tradition im Land. Da die roten Khmer aber mal eben alle Asparatänzerinnen 1975 ausgerottet haben, brauchte es 20 Jahre, bis die erste Asparatanzvorstellung seit Ende der Roten Khmer wieder stattfand. Das Buffet war sehr sehenswert. Schön angerichtet, sehr große Vielfalt. Ich hab mit Miniportionen fast alles probiert. War nicht so schwer, weil nichts dabei war, was ich hätte ein zweites Mal holen wollen. Mit scharfem Würzen hat es die Khmerküche nicht so – im Unterschied zur Thaiküche. Ist halt doch sehr anders. Interessant waren die russischen Gäste – zu erkennen an den überquellenden Tellern, 4,5 Gerichte übereinandergestapelt, dabei drängelnd und schupsend, es könnte ja was vorzeitig alle werden. Gerechterweise muss ich aber auch sagen, bei uns am Tisch saß ein junges russisches Paar, die haben nun wieder fast nur gesundes Obst auf dem Teller gehabt. Man darf es also nicht verallgemeinern. Heute wollten wir den Tonle Sap besichtigen. Riesiger See, der in der Regenzeit seine Fläche vervierfacht. Groß heißt, das man in der Trockenzeit das andere Ende nicht sehen kann. Also Tuk Tuk und los. Eine Stunde Fahrt, erst durch die Stadt, dann übers Land, war sehr interessant. Kurz vor dem See ein Ticketschalter, da wollten die da 25 Dollar Eintritt pro Person ins Naturschutzreservat haben. So viel Umweltliebe hatte ich dann doch grad nicht mit, also haben wir gewendet und sind wieder zurückgefahren, haben viele schöne Fotos gemacht und uns in der Stadt absetzen lassen. Die Kontraste sind schon beeindruckend. Hier die großen einheimischen Märkte, farbenfreudig, vielfältig , billig – für unser Empfinden, dort Einkaufstempel der Oberklasse, da kostet ein Kleid schon mal 300-400 Dollar. Also gibt es dafür auch eine Klientel. Zurück im Hotel gegen 3, haben wir geduscht, ihr glaubt gar nicht, wie verschwitzt man sein kann und dann haben wir uns mit Achim getroffen, unserer Urlaubsbekanntschaft vom ersten Tag. Wir haben in seiner kleinen Wohnung was getrunken, er hat wieder ein H. Zigarettchen geraucht, dann sind wir zu einem Obstmarkt gelaufen und haben dort ca. 10 verschiedene typisch asiatische Obstarten gekauft. Mit diesen sind wir bei seiner Freundin reingeschneit, einer ganz netten, devoten 40jährigen und haben dann gemeinsam die Obstsorten probiert, erklärt bekommen und sicherheitshalber fotografiert, damit wir auch noch in 2 Tagen wissen, was was ist. War sehr interessant und wir wollen das in Phnom Penh dann selber noch verfeinern. Wir wurden von ihr prompt beschenkt, hatten aber zum Glück auch kleine Geschenke mit. Er hat uns viele Geschichten aus dem kambodschanischen Alltag erzählt. Da geht es noch ziemlich rustikal zu. Jetzt haben wir unsere Rechnung bezahlt. Für 4 Übernachtungen, Tuk Tuks, Essen, Show und Getränke 105 Dollar. Da kommt man schone ne Weile hin. Heut habe ich das erste Mal einen Stand entdeckt mit gebratenen Schlangen, Heuschrecken und Käfern. Also da konnte ich mich noch nicht überwinden, welche zu versuchen. Aber ich hab ja noch ein bisschen Zeit. Sonntag, 16.12.12 Nacht in Phnom Penh Stellt Euch das bitte so vor. Wie sitzen im 5. Stock eines baufällig erscheinenden 6 Geschossers in unserem Zimmer, schwitzen bei einem Lüfter vor uns hin, haben gerade kalt geduscht. Das Zimmer schmuddelig, die Fenster vergittert, das Hotelpersonal ziemlich unfreundlich. Vorher sind wir durch halbdunkle Straßen gezogen, überall armselig aussehende Einheimische, auf den Straßen kaum noch straßentaugliche Autofracks, alte Mopeds in großer Zahl. Bettelnde Kinder an jeder Ecke und teilweise a uch ziemlich nervige bettelnde Erwachsene. Kneipen an jeder Ecke, aber man traut sich nirgends so richtig rein. Na, hat noch jemand Lust, nachzukommen? Dann jetzt Variante 2: Wir sitzen im 5. Stock unseres blitzsauberen, einfach, aber komfortablen Hotelzimmers. Saubere Dusche, Klimaanlage, schöne Möbel, warme Dusche, die Fenster wirklich vergittert bis ins oberste Geschoss; ist hier normal überall zu sehen. Nachdem wir gegen 4 Uhr in Phnom Penh von dem Taxifahrer abgesetzt worden sind, den wir uns heute für die 350 km von Siem Reap hierher geleistet haben (75 Dollar), sind wir erst ins Hotel eingezogen und dann noch mal losgezogen. Die Straßen sind voller Geschäftigkeit, tausender Mopeds aller Art, eigentlich alle wie neu; viele Autos verschiedener Marken. Abgefrackte Autos haben wir einige auf der Fahrt hierher gesehen, aber in der Stadt sehen die Autos fast durchgängig aus, wie bei uns. Viel Toyota, Lexus, Hyundai, Nissan. Limousinen, aber auch große Pick Up`s und schnittige Flitzer. Wenn auch davon nicht viele.Bettler haben wir noch nicht einen gesehen. Viele Leute einfach, aber ordentlich gekleidet. Vereinzelt aber auch, vor allem Frauen, schick und europäisch. Wir sind erst rumgelaufen, haben uns dann ein Tuk Tuk genommen, was hier lange nicht so einfach ist wie in Siem Reap, weil es weniger gibt, weil viele besetzt sind und weil Englisch nicht sehr weit verbreitet ist (und erkläre mal einem Khmersprechenden, wo du hin willst). Auch wenn unser Hotel kliniknah und sehr ordentlich ist, wollen wir umsiedeln, weil das Fehlen eines Gartens, wo man sich abends entspannt hinsetzen kann, uns ein bisschen stört. Jeden Abend um die Häuser ziehen – bitte, wir kommen schließlich vom Lande, und um 9 ins Bett gehen, geht schon gar nicht. Ich hatte mich daher schon zu Hause bisschen informiert, was es da so gibt und hatte ein Hotel gefunden, kleiner Preis, Bungalows, Pool, Stadtrand (was bei dem Staub auch nicht so schlecht ist). L`Imprevu schien laut Internet da zu passen. Da aber gekuckt besser ist als gelesen, nahmen wir uns halt ein Tuk Tuk. Aber!!! Die ersten 3 Fahrer sprachen nicht nur kein Englisch, sie wussten auch mit der Adresse nichts anzufangen. Erst Fahrer No. 4 versuchte es und nach mehrmaligem Anhalten und andere Fahrer fragen, fanden wir es. Es war schon stockdunkel (18 Uhr) als wir ankamen, deshalb noch keine endgültige Bewertung, aber alles was wir gelesen hatten, stimmte. So werden wir morgen umsiedeln. Zurück am Hotel, liefen wir die Straße ca. 50 m nach links, an mehreren netten Asiagaststätten und 2 supermodernen Supermärkten vorbei und landeten im Aspara Pup (oder so ähnlich). Modern, Lifemusik mit einer Band, die unter anderem auch Weihnachtslieder spielte, nette Bedienung, nette Preise, schönes Ambiente.. Also eine Bar, wie man sie auch in Dresden (bis auf die Preise) finden könnte. Bier 2,5 Dollar, Cocktails zwischen 2,5 – 3,5 Dollar), Essen 4-5 Dollar. Da blieben wir dann lange und sahen dem lustigen Treiben auf der Straße zu. Die Bar war direkt an einer Kreuzung. Ich schwöre, gleiche Kreuzung, gleicher Verkehr, gleiche Fahrweise in Deutschland und wir hätten in den 2 Stunden mehrere Menschen sterben und viele Verletzte gesehen. Hier passierte überhaupt nichts Gefährliches. Mögen die Menschen in der Region noch so hierarchisch organisiert und geprägt sein. Auf der Straße sind fast alle gleich und gleich rücksichtsvoll. Nur die ganz großen Karren haben immer Vorfahrt, aber das wissen ja alle. So war er, unser erster Nachmittag in Phnom Penh und zur Zeit bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich mit meinem Helfersyndrom hier überhaupt richtig bin. Umso mehr, als wir ungelogen 5 Zahnarztpraxen gesehen haben. Raus aus dem Hotel und 5 m nach rechts eine, oder 30 m nach links eine. Die anderen unterwegs. Also schaun wir mal, was der morgige Tag so bringt. Doch zurück noch mal zum heutigen Tag. Wir sind ja 8 Uhr gestartet – per Taxi, was zwar die teuerste Art zu reisen ist, aber uns die Möglichkeit gab, zwischendurch mehrmals anzuhalten. In Kampong Thom zum Kaffee trinken, dann in Phrom Sutuk, um bei, weiß nicht 35-40 Grad, 809 Stufen auf einen Berg zu latschen, um uns dort eine wirklich schöne, überwiegend restaurierte Tempel/Pagodenanlage anzusehen