Zahnarztpraxis Dr. Würfel Frank Würfel und Kollegen
Vietnam und Kambodscha Oktober 2018
Mittwoch, 3.10.18
Das Abenteuer kann beginnen. Da sitzen wir nun am Feiertag in Dresden am Flughafen und gleich der erste Flieger startet mit Verspätung. Wollen wir mal hoffen, dass es nicht zu lange dauert, schließlich haben wir noch 3 Anschlussflüge. Nachdem wir in den letzten 2 Wochen noch schnell mal die halbe Praxis umgebaut haben – der Zeitplan war mit super heißer Nadel gestrickt und hat nur Dank wirklich fleißiger Handwerker funktioniert (vielen Dank an die Herren Karsch, Nitschke, Fiedler, Schuck) Gestern Abend halb 8 war die letzte Schraube in der Wand und danach war heut früh auch noch Zeit zum packen und für ein schönes deutsches Frühstück ( mit Rührei, Wurscht und Marmelade), bevor es jetzt 3 Wochen Reis oder Nudeln gibt. Im Gepäck haben wir über 500 Euro an Spenden, welche uns viele unserer Patienten mitgegeben haben. 2625,- Euro Spendengelder von Firmen aus der Region haben wir schon vorab an den Verein Mini Molars Cambodia e. V. überweisen können. Das ist der Verein, welcher die zahnärztliche Einrichtung in Kambodscha finanziert und betreut, in welcher wir bald arbeiten werden.Vielen Dank an alle, die unseren Einsatz und die Arbeit des Vereins so toll unterstützt haben. Das gesamte gespendete Geld kommt bis zum letzten Euro den Menschen in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, wo wir arbeiten werden, zu Gute. Wir? Für Menschen, die dies lesen und uns nicht schon kennen: Wir, das sind meine Tochter Helene Bichtemann, seit knapp 2 Jahren Zahnärztin und ich, Frank Würfel, der seit gefühlt hundert Jahren Zähne repariert und verschönert. Für sie ist es der Erste, für mich der 5. ehrenamtliche Einsatz in einem armen Land irgendwo auf der Welt.Und wieso Kambodscha? Schließlich war ich schon einmal vor 5 Jahren in Kambodscha und da ich karitatives Engagement gern mit meiner Neugier auf fremde Länder und andere Menschen verbinde, hatte ich mir bisher immer neue Länder für die Hilfseinsätze gesucht.Genau bei der Suche nach einem neuen Projekt, also genau genommen, bei der Internetrecherche, stieß ich zufällig auf die Seite des Vereins Mini Molars Cambodia e. V. Beim Lesen stach mir der Name des Vereinsvorsitzenden, eines Zahnarztes aus Hamburg, ins Auge. Irgendwo hatte ich den Namen schon mal gehört. Nur wo?Es brauchte 2 Wochen. Irgendwann wachte ich morgens auf und wusste, dem Mann hab ich schon mal ein Paket geschickt. (Ich werde nie verstehen, was der Zellhaufen in meinem Kopf nachts so veranstaltet.Hier die Geschichte dazu:2012 in Phnom Peng, Zahnarzteinsatz bei einem Verein, den ein australischer Kollege leitete, wo aber Zahnärzte aus verschiedenen Ländern der Welt arbeiteten. Ständig vor Ort beschäftigt waren ein Team von Zahnarzthelferinnen und eine kambodschanische Zahnärztin. Einige Wochen vor meinem Aufenthalt arbeitete dort ein junger deutscher Kollege. Die beiden Zahnärzte kamen sich wohl näher. Jedenfalls, als ich dort war, traf ich eine junge, offensichtlich schwer verliebte kambodschanische Zahnärztin, die bei jeder Gelegenheit versuchte im Selbststudium und mit meiner Hilfe deutsch zu erlernen, weil sie überzeugt war, ihr deutscher Prinz käme wieder und würde sie mit nach Deutschland nehmen. Ich gebe zu, ich hatte meine Zweifel.Aber, das ist ja das Schöne am Irren, er kam und nahm sie mit nach Hamburg. Es gibt sie noch, die Märchengeschichten, die wahr werden. Als meine Zeit in Kambodscha endete, nahm ich ein Paket von der jungen Frau für ihren Freund mit. Ich erinnere mich noch, dass ich den Inhalt sehen wollte, da das Mitnehmen eines geschlossenen Paketes, auch wenn die Absenderin sehr sympathisch war, mit meiner Skepsis kollidierte.In die Heimat zurückgekehrt, schickte ich das Paket an eine Adresse in Hamburg und der Name des Empfängers war – na? Klar, der Name des Vereinsvorsitzenden auf der Webseite. Die beiden haben später den Verein Mini Molars gegründet, um in Kambodscha weiter Hilfe leisten zu können.Bei der Vorgeschichte musste ich doch glatt noch mal nach Phnom Penh.Um meiner schon beschriebenen Neugier auf neue fremde Länder doch noch Raum zu schaffen, beschlossen Helene und ich, erst mal eine 9 tägige Rundreise durch das benachbarte Vietnam zu machen, bevor wir danach 2 Wochen in Kambodscha arbeiten würden. Ich werde die Erlebnisse in Vietnam hier miterzählen, auch wenn sie eigentlich nicht zum karitativen Einsatz gehören. Einige Patienten haben sich das gewünscht.Jetzt muss ich die Berichterstattung des ersten Tages beenden. Der Flieger startet gleich zum langen Flug nach Bangkok und ich habe 69 Filme auf dem Flugzeugdisplay, von denen ich möglichst viele sehen möchte. Freitag, 5.10.18 Viertel Zehn wurde ich wach und warf ganz hektisch Helene aus dem Bett. Schließlich gab es nur bis halb 10 Frühstück. Das Ganze war dann nicht so dramatisch. Das Frühstück war vietnamesisch, Nudeln mit Gemüse halt und Banane, einfach aber in Ordnung. Und da das Hotel eigentlich ein Hostel ist (Schlafsäle) und damit voller junger Schlafmützen, war nach hinten raus auch noch Luft. Bei der gestrigen Ankunft hatten wir auch gleich zu bezahlen. 2 430 000,- Dong, das ist doch mal eine Summe für 3 Nächte. Wie die ganz Großen (wo ist bitte der Lachsmiley, wenn man ihn braucht). Nach 4 Stunden eifrigem „durch die Stadt streifen“, mehreren Tempelchen und Pagödchen – 30 Jahre Kommunismus haben in der religiösen Landschaft Vietnams doch ihre Spuren hinterlassen, hielten wir an einer Gruppe von Geldautomaten. Ich glaube, es waren 6 Stück. Wir wählten genau den aus, der meine Master Card annahm, verschluckte und dann wieder still stand. Da half kein Fluchen, kein wild auf den Knöpfen herumdrücken, der Apparat blieb sehr unbeeindruckt. Also machten wir Bekanntschaft mit verschiedenen Servicenummern, sehr asiatisches englisch sprechenden Damen – besonders das Buchstabieren vietnamesischer Straßennamen war lustig - und durften dann 16.00 zu der Bank fahren, der dieser Automat gehörte, wo wir nach ca. 15 Formularen die Karte zurück bekamen.Bis dahin reichte aber unser Kleingeld und wir nutzten die Zeit zur weiteren Stadtbesichtigung. Jadetempel, Einsäulenpagode, Oper, Zitadelle, Literaturtempel….. was man halt in Hanoi so gesehen haben sollte.Überall unglaublich viel Verkehr, Mopeds über Mopeds. Das Verkehrsverhalten ist für uns Europäer unvorstellbar. Und dennoch, wenn man einfach langsam und vor allem gleichmäßig los läuft, wird man ein Teil des Ganzen und kommt über jede Straße. Sehr beeindruckend wie das funktioniert.Der Rückweg durch die Altstadt von Hanoi war wieder genau so interessant wie heute Vormittag. Viele sehr schöne Gebäude im Kolonialstil, alle Größen, alle Breiten war vertreten. Von der prunkvollen Villa bis zum 6 stöckigen Handtuchhaus, 5 m breit und manchmal 40 m tief. Alles gleichermaßen herunter gekommen, quasi mit morbidem Charme. Unterm Strich eine Stadt, die man durchaus besuchen kann, aber 1 Tag Stadtrundgang irgendwie reicht irgendwie. Deshalb haben wir für morgen einen Tagesausflug in die Halongbucht gebucht. Idyllische Stille ist da zwar auch eher nicht zu erwarten, aber vielleicht weniger stinkende Mopeds und Abfallhaufen allerorten. Wobei man gerechterweise dazu sagen muss, dass die Straßenhändler ihre Bordsteinareale zum Feierabend kehren und wischen, nur leider wandert der Müll gerade mal um die Ecke. Samstag, 6.10.18 Der Wecker warf uns 6.40 aus dem Bett. Nicht so leicht, mit einem Fenster, das zum Innenpool hin öffnet. Da ist es nämlich immer nur schummrig draußen. Poolbeleuchtung halt.Pünktlich 8.00 stand der Reisebus vor der Tür und blockierte entspannt die halbe, dafür schon überfüllte, Straße. 3,5 Stunden und eine halbstündige Touri –Nepp-Pause später erreichten wir die Halongbucht. Weit über 1000 kleine und große Felsen ragen schroff aus dem Wasser. Manche ein paar Meter, manche 50, 60 Meter hoch. Sehr idyllisch. Angeblich ist da irgendwann ein Drache ins Gebirge gekracht und hat die ganze Gegend zu den vielen Gesteinsbrocken zerspringen lassen. Dann hat er noch den Meeresspiegel angehoben, damit zwischen den Steinen Wasser fließt. Das ist doch mal eine nette Alternative zur Klimaerwärmungstheorie. Jedenfalls ist es hübsch, mit dem Boot dazwischen herum zu fahren, auch wenn es in der Hauptsaison hunderte Boote sein dürften. Jetzt, im Oktober, war es auszuhalten. Wir steuerten zunächst eine Höhle an. Angeblich, laut Guide, passen da 10000 Leute rein. Die Vietnamesen mögen ja durchschnittlich ein bisschen kleiner sein als die Europäer, auf jeden Fall deutlich weniger übergewichtig - durchschnittlich betrachtet, aber das dürfte doch ein bisschen übertrieben gewesen sein. Schön und sehenswert war sie auf jeden Fall. Vorher gab es noch Mittag mit 8 verschiedenen Gerichten, danach eine Kajaktour und anschließend die Wahl zwischen einem viertelstündigen Aufstieg auf einen der Felsen oder einem Bad am kleinen Strand davor. Dieser war komplett überlaufen, weil scheinbar alle Ausflugsschiffe den selben Programmpunkt anboten. Wir haben uns reingeteilt. Helene durfte auf den Berg (450 Stufen), ich hielt die Stellung im pupwarmen, hochsalzigen Meer.Rückzu gab es dann Frühlingsrollen zum selber rollen. Das scheint hier verbreitet zu sein, wir sahen es schon gestern am Nachbartisch. Da gibt es hauchdünne Reisblätter, die sehen aus wie durchsichtige Folien, sind ziemlich fest und werden erst durch den Kontakt mit Feuchtigkeit weich und kaubar. Da werden dann geraspelte Möhren, Salatstücke, Streifen kalten Hühnerfleisches und kalte Glasnudeln eingewickelt, bis eine Rolle entsteht. Warum die dann Frühlingsrolle heißt – keine Ahnung. Schmeckt gar nicht so schlecht --- aber: Damit haben wir dann so ziemlich alle Regeln vorsichtigen Essens gleich am 3. Tag gebrochen. Wie sagt man: schäl es, koch es oder lass es. Das bedarf keiner weiteren Worte – wir werden sehen, was die nächsten Stunden so bringen.Aber das Highlight des Tages.. Der Nachbartisch rollte auch gerade Röllchen, als dem Salatmix in der Mitte des Tisches eine mittelgroße Kakerlake entstieg, der das Rumgestocher von 6 Leuten in ihrem Salatteller wahrscheinlich zu sehr auf den Geist ging. Sie flitzte davon und ließ 6 schlagartig nicht mehr hungrige Gäste zurück.Der Guide erklärte wortreich, dass das gar nicht schlimm sei, denn wäre sie mitgekocht worden, hätte sie ja nicht mehr weglaufen können. Seltsamerweise hörte Helene auch auf zu essen, obgleich in unserem Teller keine Kakerlake saß. Ganz sicher – ich hab nachgeschaut, bevor ich die nächste Rolle rollte.Die Heimfahrt war dann, gelinde ausgedrückt, rasant. Es war dunkel, voll und der Fahrer hatte sicher noch einen wichtigen Termin. Ein Gurt wäre schön gewesen. Sonntag, 7.10.18 11.20 sollte der Flieger von Hanoi Richtung Hue abheben, aber jetzt ist es 12.20 und wir sitzen – gut gekühlt – am Flughafen, weil unser Flug wegen kaputtem Flugzeug ausfiel. Zeit zum Dösen oder Leute kucken. Würde man alle Gäste aufrufen, die gerade kein Handy oder Tablet benutzen, kaum einer würde sich bewegen. Geschätzt 80 Prozent aller anwesenden Vietnamesen essen dazu irgendwas. Wie können die nur alle trotzdem so schlank sein. Grad gab es als Entschädigung für die Flugverspätung von 2 Stunden für jeden eine Flasche Wasser, 0,3l, Yippie. Abendlicher Nachtrag:Am Ende sind wir doch noch gut durch die Luft gesegelt, auch wenn Helene beim Landeanflug ein bisschen unruhig wurde, weil der Stuart so was gesagt hatte, wie: „die Notfallwesten sind erst nach der Notlandung überzuziehen.“Für 12,50 Euro pro Nacht fürs Zweibettzimmer zogen wir ins Golden Hotel ein, ein in die Jahre gekommenes, aber aus meiner Sicht für vietnamesische Verhältnisse hübsches und ja wohl spottbilliges Hotel. Nach Einbruch der Dunkelheit zogen wir dann durch den Ort – alles deutlich entspannter als in Hanoi. Dennoch lief ich fast in eines der Millionen Mopeds rein, weil ich plötzlich die Richtung wechselte. So was geht hier gar nicht. Am Markt traute ich mir dann ein völlig undefinierbares, süßes und durchaus leckeres Irgendwas zu essen. Wurde zwar prompt bei der Bezahlung beschissen (ging noch), aber es war ein Anfang um auch kulinarisch langsam in diese Welt einzutauchen. Montag, 8.10.18 Der Wecker klingelte das erste Mal halb 9 und ich beging das Sakrileg, Helene direkt anzusprechen. Die gute Nachricht, ich lebe noch. Frühstück gab es wieder auf die letzte Elle, aber zum viel essen war es eh schon zu warm.Dann war Sightseeing in Huế angesagt. Zuerst die Zitadelle. Ein riesiger Komplex, ehemals Kaiserpalast, teilweise schon schön rekonstruiert. Davor jede Menge Fahrradrikschas mit jeder Menge heut mal wirklich nerviger Besitzer. Wir widerstanden, wanderten dafür am Fluss entlang und mieteten später ein Schiff, das uns zur nächsten Pagode bringen sollte. Der Preis war eigentlich vor dem Besteigen des Bootes ausgehandelt, aber Madam Bootsbesitzerin sah das nach der Abfahrt etwas anders. Am Ende klang Helenes Stimme schon bedenklich gereizt, ich machte mir fast ein wenig Sorgen – um die Vietnamesin.Der Pagode folgte noch eins der sechs Kaisergräber, die es hier in der Umgebung gibt. Eins reichte dann auch aus.Zurück brachte uns ein grundehrlicher Taxifahrer, muss auch mal erwähnt werden. 1 Stunde Vorabendpause ließ uns wieder so weit zu Kräften kommen, dass der Abend am Ufer des Parfümflusses beginnen konnte.Wir mäanderten durch die Innenstadt, fanden eine sehr schöne Gaststätte – wobei es hier viele sehr schöne Gaststätten gibt. Sie lag direkt an einer Kreuzung zweier Nebenstraßen. An jeder Ecke eine Kneipe. In allen, außer unserer, laute Musik, dazu der Lärm der Straße, es war unglaublich laut. Wir beobachteten Touris und Einheimische, ja, gelegentlich kommentierten wir auch ein bisschen.So nahm uns die Stadt voll in Beschlag. Dienstag, 9.10.18 Pünktlich wie alles bisher außer den Abflügen (nach den letzten Reisen in Marokko und Ägypten eine echte Erholung), wurden wir 8.15 abgeholt, zur Überlandbushaltestelle gebracht, stiegen in einen Bus mit Liegen (statt Sitzen – supercool) und wurden 4 Stunden nach Hoi An chauffiert. Und wenn der Bus nicht dauernd gehupt hätte, hätte ich wohl durchgeschlafen. So konnte ich immer wieder die grüne Landschaft besichtigen. Flache Seen, steile Berge, zwischendurch immer wieder Tunnel. Eine herrliche Gegend. Am Ziel angekommen überfiel uns erst mal eine Horde Mopedfahrer, die dermaßen zudringlich ihre Dienste anboten, dass wir unsere Rucksäcke schnappten und losliefen. Dank Maps.me ja heute alles kein Problem mehr. In Hoi An hatten wir ein Hotel vorgebucht, das so neu war, dass überall noch Verpackungsreste zu finden waren. Herrlicher Pool, schöne Zimmer, stadtnah und das für 18 Mücken. Geht schon.Wir nutzten dann auch erst mal den Pool, bevor wir in die Altstadt liefen.Hoi An ist die schönste Stadt bisher. Irgendwie vom Vietnamkrieg verschont, ist die ganze Altstadt ein Konglomerat japanischer, chinesischer und vietnamesischer Häuserstile. Dazu ein Fluss, auf dem mit Einbruch der Dunkelheit ein reges Touri hin und her gefahre einsetzte. Boote und Strandpromenade waren geschmückt mit einem Meer von Lampions, überall standen beleuchtete Skulpturen. Bei uns würde man sie vielleicht kitschig finden, aber hier gehören sie dazu. Klar, irre viele Stände mit Souvenirs aber auch Köstlichkeiten wie gebratenen Fröschen, Vögeln, Schlangen, Tintenfischen, Eisröllchen aus Obst, Crêpes in ganz vielen Variationen. Es war eine Atmosphäre wie in Italien oder Kroatien abends an den Promenaden. Geschätzt 80 % der Urlauber waren nichtvietnamesische Asiaten, ich vermute mal zum großen Teil Chinesen. Sehr selbstbewusst, nicht selten unangenehm herablassend gegenüber den Einheimischen. Wir saßen eine ganze Weile an der Strandpromenade und beobachteten. Ich bei Wasser -- irgendetwas hatte mir mein Magen heut übel genommen und er wollte heut halt nur Wasser (und Kaffee, aber das ist ja fast wie Wasser). Wir promenierten bis nach 9, genossen nochmal den Pool, versuchten dann, für morgen ein Taxi in der Rezeption zu mieten, was scheinbar gelang – bis wir endlich begriffen, dass die junge Frau gar kein Englisch beherrschte sondern nur geschickt an den richtigen Stellen Yes und No einsetzte. Also das Ganze noch mal mit einer anderen Kollegin. Dieses Mal klappte es.Zu guter Letzt telefonierten wir, wie jeden Abend, mit der Heimat und jetzt hab ich den Tag noch ins Tablet gemeißelt. Mittwoch, 10.10.18 Nach dem Frühstück, das für mich aus 4 Gläsern Wasser und 2 Tees bestand, holte uns das bestellte Taxi ab und fuhr uns in die Marmorberge. Die liegen kurz vor Da Nang, sind 5 schroffe vielleicht 100m hohe Gesteinsbrocken, die mitten in der flachen Landschaft aufragen. Auf einem haben die Cham Mönche vor ein paar hundert Jahren eine Pagode errichtet, ein paar Tempelchen gebaut und ein paar Höhlen erschlossen. Alles sehr schön anzusehen. Heutzutage fährt ein Aufzug hoch, aber schweißtreibend war das Rumgekraxel oben dann immer noch. Nach knapp 2 Stunden hatten wir jeden Winkel erkundet, sind sogar mit Taschenlampen in dunkle Seitenhöhlen gekrabbelt. Es ging weiter zum Hotel und dann folgte ein ganz fauler Nachmittag, den wir am Abend mit Pizza krönten. Vietnamesisches Essen wollte ich meinem Magen noch nicht wieder zutrauen. Das Hotel steht direkt an der Uferstraße, wie viele andere auch. Der Strand ist feinsandig, breit und sauber und 30 km lang. Selbst die Copacabana kann da nicht mithalten. Schade nur, dass überall Schilder stehen, die vom Baden wegen der gefährlichen Sogbildung abraten. Dafür haben die Strandbars alle Swimmingpools. Alle paar Meter eine Meeresfrüchtegaststätte mit großen Becken in denen die verschiedensten Meerestiere auf ihr Ende warten. Fische, Hummer, Muscheln, alles vertreten.In der Saison muss doch hier die Luft brennen. Donnerstag, 11.10.18 Heut ging es nach Ho Chi Ming Stadt – Saigon.Im Flieger hatten wir, schon zum 2. Mal, das Phänomen, dass sich eine Vietnamesin auf einen unserer Plätze setzte und durch intensives aus dem Fenster sehen so tat, als wäre es ihrer. Unbeeindruckt von den freundlichen Ermahnungen der Stewardess. (Korrekterweise sei angemerkt, dass sie schon in der richtigen Reihe, aber eben auf dem falschen Platz saß und erst lange gebeten werden musste, zu rutschen. Ein Stimmchen im Hinterkopf fragte mich dann allerdings, was so schlimm daran gewesen wäre, einfach ihren Platz zu nehmen (die sind ja alle gleich). Na ja, deutsche Krümelkackerei halt.Gegen 1 waren wir im Starbucks nahe unserem Hostel und gönnten uns wieder mal einen richtigen Kaffee. Das Hostel selbst ist witzig: Wir wollten kein Gemeinschaftszimmer, buchten also Zweibett - Doppelstock – auf 7 qm, mit Gemeinschaftsklo und Dusche. Alles sehr neu, blitzsauber und trotz der Enge irgendwie gemütlich. Kurz geduscht -- hach duschen ist bei der feuchten Wärme immer wieder schön, dann ging es in die Stadt. Durch den zweitschönsten Park (laut Reiseführer) direkt zum Präsidentenpalast, wo die südvietnamesische Regierung regiert und den Krieg geleitet hat, bis die Kommunisten sie verjagt haben. Man konnte im Keller auch die Bunkeranlagen und die charmante Nachrichtentechnik der frühen 70er Jahre besichtigen. Kann man gesehen haben, muss man nicht. Da wir uns aber auf gar keinen Fall das Kriegsmuseum mit seinen Greueltatenberichten oder die Tunnelanlagen der Vietcong - Partisanen ansehen werden, war das unsere Beschäftigung mit der jüngeren Kriegsgeschichte.Die Vietnamesen, die seit 1975 Frieden hatten und damit Zeit, ihren Kommunismus aufzubauen, öffneten sich per Parteitagsbeschluss schon 1986 der freien Marktwirtschaft im eigenen Land, weil sie merkten, dass Planwirtschaft nicht funktionierte. Da waren sie aber deutlich schneller und schlauer als unsere Chefgenossen in der DDR. Seitdem haben sie hier einen kontinuierlichen Wirtschaftsboom, was man überall in den Städten deutlich sieht, was aber auch zu der großen Schere zwischen sehr arm und wohlhabend geführt hat. Wobei man, im Unterschied zu Afrika, fast keine Bettler sieht. Hier scheint jeder zu arbeiten. An der Kleidung ist auch oft nicht auszumachen, wie arm jemand ist. Am ehesten an der Tätigkeit. Abwäscher, Taschentuchverkäufer, Plasteflaschensammler usw., das sind wohl die Menschen, die besonders arm sind.