18.1. Mittwoch Es ist 9.10. Wir sind alle fertig und warten auf die Abfahrt unseres Autos in eine Schule zur Untersuchung. Nur leider kam gerade die Sister und teilte uns mit, dass wir erst um 10 Uhr fahren. Typisch afrikanisch halt. Aber langsam geht mir das echt auf den Keks. Ich bin nicht hier, um 14 Tage abzuhängen, sondern um ein bisschen, möglichst effektiv zu helfen. Stattdessen warten wir die meiste Zeit darauf, dass mal ein paar Kinder bestellt werden und ein einzelner Patient aufschlägt. So, dass war ja ein toller Vormittag. 10.30 ging es los. 10 Minuten Fahrt bis zur Schule. Begrüßung durch den Head teacher. Dann warten bis zur Pause. Dann hat Reinhardt vor allen Schulkindern was zur Putzerei erzählt und ich hab angefangen, Untersuchungen zu machen. Ca. die Hälfte der Kinder zwischen etwa 9-12 Jahren, schätze ich, waren kariesfrei, jedenfalls soweit das unter diesen Bedingungen zu erkennen war. Die anderen hatten so 3-7 Karies. Wenige extraktionsbedürftige Zähne waren zu finden, aber in dieser Altersgruppe klar. Als Reinhardt fertig war, fing auch er an zu untersuchen. Als die Hälfte der 100 Spiegel verbraucht waren, fragte ich, wer die Spiegel schon mal abwäscht und desinfiziert – niemand, weil wir nix zum desinfizieren mit hatten. Was wir tun sollten, wenn die Spiegel alle sind? Nach Hause fahren, war die Antwort. Da uns früh gesagt worden war, dass die Schule über 1000 Schüler hätte, war das natürlich eine weitere glevere Organisationsvariante. Also schlug ich vor, dass wir statt des Spiegels den Griff der Zahnbürsten nutzen sollten, die das jeweilige untersuchte Kind nach der Untersuchung mitbekam. Damit schafften wir dann etwa 250 Kinder. So viele Zahnbürsten hatten wir mit. Als die Zahnbürsten alle waren, hatten wir zwar noch Spiegel übrig, aber da die Zahnbürsten alle waren, konnten wir keine mehr mitgeben, also auch keine Kinder mehr untersuchen. Wir hatten ca. 1,5 Stunden gebraucht. Nun wollten wir wieder nach Hause. Da hieß es von Schwester Lilian, das Auto kommt in 2 Stunden. Da war beim netten Festus das Nett alle. Ich hab ihr, immer noch bisschen restgenettet, klargemacht, dass das nicht akzeptabel ist. Dann telefonierte sie rum und meinte, Auto und Generator sind noch beim Service und ein anderes Auto ist nicht verfügbar. Da hab ich das nett noch ein bisschen eingedämmt und siehe 6 Minuten!!! später kam das Auto samt Generator (an dem nichts gemacht worden war) auf den Hof gefahren. Ist schon kenianisch. Also ab ins Hospital zum Mittag gegessen. Zwischendurch rief Sister Rose 2x an und teilte mir mit, wann sie etwa ankommen wird. Es kam dann auch mit nur ½ Stunde Verspätung, was in Kenia quasi pünktlich ist, der Fahrer. Wir packten ein und los gings. Erst mal bis Sondu, da wartete Rose auf uns. Sehr herzliche Begrüßung. Ungefähr der 5. Satz war: ob ich nicht mal bisschen Geld hätte. Gerechterweise hat sie von den 3000 Sh., die ich ihr gab, an der Tankstelle getankt. Dann textete sie mich erst mal ne halbe Stunde zu. Ich hab nur die Hälfte verstanden, aber die Kommunikation war gut. Es ging 4 Stunden – mit Einkaufspause – durch das kenianische Hinterland. Vorbei an Kericho mit seinen riesigen Teeplantagen. Ich weiß gar nicht, wo die weißen Massas abgeblieben sind. Viel Grün, Felder, Wäldchen, schön anzusehen. Zwischendurch immer wieder Ortschaften mit Märkten und Verkaufsbuden ohne Ende. Die Strassen waren gut, nur die letzten 25 km zwischen Sotik und Kaplomboi waren unbefestigt und nur die letzten 5 km waren wirklich schritttempomäßig. Vorher ging es schon mit 20 km etwa vorwärts. Ankunft im Dunklen in Kaplomboi gegen halb 8. Wir aßen zu Abend. Dann kam Rose und aß auch – so ziemlich alles, was noch da war. Unglaublich, was diese zierliche Person verdrückte. Viel Kommunikation gab es nicht - zu anstrengend. Dann verließ sie uns. Wir packten unsere Kisten aus und ich versuche nun schon seit Stunden Ordnung in unsere Geldmittel zu bringen. Irgendwie fehlt mir ein Packen Dollar – so ca. 230 D. Die hab ich scheinbar so gut versteckt, dass ich sie nicht mehr finde. Ansonsten haben wir - im Wesentlichen wegen der Flughafengeschichte und den Alkoholitäten ca. 350 Euro ausgegeben. Bei 2 Euro für ne Büchse 0,3 Heinecken auch kein Kunststück. Ich bin ja gespannt, ob ich die Rose in einer Woche hassen oder respektieren werde. Sie hat ne ganz schön dominante Art. Auf jeden Fall soll es gleich morgen halb 9 auf die erste Mobile gehen. Hier in Kaplomboi schlafen Sophie und ich jetzt in Einzelzimmern. Draußen ist es bis auf ganz wenige leise Stimmen in der Ferne wirklich idyllisch still. Man hört Vögel oder so was Ähnliches. 19.1.12 Donnerstag   So, dass war ja mal ein Tag, so recht nach dem deutschen Helferherz. Halb 9 in der Praxis getroffen – da hatte ich schon einen Spaziergang weg und 30 Fotos von der Umgebung gemacht. Geweckt worden war ich von singenden Kinderstimmen, die von einer Buschtrommel begleitet wurde. Auf der Suche nach der Ursache musste ich nicht weit gehen, da die Kinder sich in der Kirche, direkt neben unserem Gästehaus trafen und dort sangen, bestimmt ne halbe Stunde. Dann begann der Morgengottesdienst. Nach dem Frühstück sollte es eigentlich gleich auf Mobile gehen, aber es kleckerten noch 4 Extraktionen herein. Dann ging es los, ungefähr 20 Minuten Fahrt, bis in eine Public school. Großes Hallo und damit meine ich wirklich großes hallo. Ein riesiger Auflauf, als Sophie und ich aufschlugen. Wie Rudelwild stürzten die Kinder in großen Gruppen durch die Gegend. Und wenn ich mich ruckartig umdrehte, flüchtete das Rudel auch geschlossen. Ich hab noch nie so viel Ähnlichkeit mit z. B. einem Rudel Rehe und Kinderscharen erlebt. Alle durchdrungen von Neugierde, Begeisterung, Spaß und bisschen Angst. Dann ging es los. Wir stellten in einem der Klassenräume einen Stuhl vors Fenster, 2 Tische daneben, räumten die ganzen chirurgischen Instrumente raus. Dann begann die erste Reihenuntersuchung einer Klasse, aus der die notwendigen Extraktionen herausgefiltert wurden – jedenfalls einige. Immer 3-4 Kinder kamen zusammen, die wurden dann eingespritzt, zwischendurch weiter Reihenuntersuchungen, dann Zähne gezogen, neue anästhesiert, Reihenuntersuchungen, Extraktionen, Spritzen, Untersuchungen, Ex……. So ging das von 11 -18.30 mit einer einzigen Pause und dieser auch nur, weil Raucher anwesend waren. Wieviele Zähne wir gezogen haben, weiß ich nicht. Vielleicht trage ich es noch nach. 90% der Kinder ertrugen ihr Schicksal ohne ein Murren. Die ersten 2 Zähne hab ich erst mal abgebrochen, da dachte ich schon – das kann ja ein Scheißtag werden, man hat ja so Tage, wo es einfach nicht laufen will – liebe mitlesende Patienten – ich habe solche Tage nie, und wenn, dann Sonntags. Aber dann lief es wie geschmiert. Zwischendurch einen Tuber – nur für die Insider. Der war ordentlich. Also noch bisschen klappen und nähen. Das wollt ihr anderen jetzt gar nicht genauer wissen. Zum Abschluss noch mal die älteste Gruppe und von denen noch mal 10 am Stück eingespritzt und dann durchextrahiert. Ich habe in 30 Jahren Zahnarztdaseins noch nie das ernsthafte Bedürfnis nach einer Rückenmassage gehabt. Heute hatte ich es. Aber bei den Lichtverhältnissen und dem Stuhl kein Wunder. Die Spiegel zur Reihenuntersuchung wurden permanent in Lösung gelegt, abgetrocknet und wiederbenutzt. Die Zangen, besonders für den Unterkiefer waren nach 3 Stunden alle, dabei hatte ich schon zunehmend die Zusammenhänge zwischen Form und Indikationsgebiet ignoriert. Mann kann mit jeder Zange jeden Zahn ziehen, nur zwischen Oberkiefer und Unterkiefer muss man unterscheiden. Also wanderten auch die Zangen und Hebel in die Desinfektion und wieder auf dem Tisch. In Deutschland ein Unding, andererseits sind die Desinfektionsmittel heute für alle nur erdenklichen Keime ausgelegt und auch in den saubersten deutschen Zahnarztpraxen finden sich Stellen, die zwar noch einer Desinfektion aber keiner Sterilisation zugänglich sind. Soll nicht heißen, dass das gefährlich oder nachlässig ist. Das ist schon seit 100 Jahren so – vielleicht übertreibt es die deutsche Hygienomanie auch mittlerweile nur einfach ein bisschen. Na egal, jedenfalls war ich erst ein wenig irritiert, dachte dann aber, wieso sollte nun gerade ich die kenianische Hygienewelt auf den Kopf stellen. Es wäre auch gar nicht anders gegangen, oder man hätte eher abgebrochen. Verblüffend war bei den Reihenuntersuchungen die Inhomogenität. Während die Klassen 3 und 4 extrem viele Schmelzdefekte, Karies und extraktionsbedürftige Zähne aufwiesen, waren die Klassen 6 und 7 deutlich besser dran, hier stachen deutlich Einzelschicksale heraus. Durchgängig bei 90 % aller Kinder sind großflächige Schmelzdemineralisierungen zu sehen. Entweder weiß und extrem brüchig, oder braun und fest. Die Kauflächen waren bei vielleicht 80% dunkel von Verfärbungen bedeckt, teils mit sehr tiefen und breiten – oft aber gesunden Fissuren. Die Verfärbungen machten eine genaue Diagnose ohne Sonde und Luftpistole oft sehr unsicher, was aber keine Rolle spielte, da es erstens nie Kinder mit 1-2 Karies, sondern meist Kindern mit 3-6 Löchern, extrem auch mal 8 Defekten gab. Sollte ich also ein paar Karies übersehen haben und diese Kinder also keiner Zahnbehandlung vorgestellt werden, so ist das zwar nicht in Ordnung, aber allein was ich zum Füllungslegen angesagt habe, kann ein Zahnarzt in einem Jahr nicht abarbeiten, selbst wenn er nach Kenia ziehen würde. So, die nächsten Tage sollen nun also Füllungen geschruppt werden. Mal sehen. Mit unserem Fahrer Vikter war ich noch Bier holen. Dann wollte er noch Zigaretten holen, ich solle doch mit kommen. Ich kam. Wir liefen über Hinterhöfe, die ich allein nie im Leben gesehen hätte, und landeten in einem Laden, wo ich dann für ihn Zigaretten kaufte. Bei 1 Euro die Schachtel erschwinglich. Abends aßen wir mit Rose und quatschten mit dem Koch George und Peter. So nun werde ich mich erstmals seit meiner Ankunft in Kenia deutlich vor Mitternacht ins Bett begeben. Sollten da die ersten Entschleunigungszeichen wirken? 20.1. 2012 Wieder ein Tag rum. Ich hab durchgeschlafen bis man mich von außerhalb des Gästehauses rief. Warum? Weil wir das Haus von innen abriegeln sollen und dann kommt der Koch nicht rein. Also hab ich geöffnet und es gab halb neun Frühstück. Toast wieder pur, weil kein Strom. Dazu Marmelade und Rührei. Es gab noch Peanutnutbutter, Orangen und Tee. Nicht riesig, aber wir verhungern nicht. Dann ging es ganz ruhig los. 3-4 Extraktionen, dann Pause. Schwester Regine, eine der 3 Sisters hier, ältere, immer lächelnde, sehr langsame Dame – was beim Sprechen den Vorteil hat, das man sie gut versteht, lud uns ein, den Konvent zu besichtigen, also das zu Hause der 3 Sisters. Einfach aber geräumig, bisschen postkolonialer wenn auch spartanischer Einrichtungsstil. Es gab Tee und sehr saftige Ananas. Überhaupt habe ich noch nie so saftige, spelzenarme Ananas gegessen wie hier. Es gab brötchenähnliche Gebilde mit Marmelade. Vor dem Essen betete sie für uns. Wir beteten zwar nicht mit, aber wenn man uns beobachtet hätte, wie da so saßen, mit verschränkten Händen, hätte man es fast denken können. Nach dem quasi 2. Frühstück rückte dann so gegen 11 Uhr eine Gruppe von Schülern an, die wir dann bis 18 Uhr – bis auf eine Viertelstunde Mittag gegen 3 Uhr, durch zu behandeln versuchten. Da wir im Schnitt 2 Füllungen oder eine Extraktion pro Kind machten, haben wir sie nicht ganz geschafft. Aber die Kinder warteten mit einer Geduld. Füllungen machten wir ohne Anästhesie, was bis auf 2 Kinder scheinbar kein Problem war. Wir legten Amalgamfüllungen bei fast ausnahmslos Kauflächen oder buccale Füllungen. Approximalkaries scheint es nicht zu geben. Auch Frontzahnkaries, zumindestens bei den Kindern gibt es praktisch nicht. Bei allen untersuchten Kindern war ein Einziges dabei, dass Frontzahnkaries überhaupt und dann gleich richtig an jedem Zahn hatte. Schmelzdefekt an Schmelzdefekt, man hätte den Schmelz teils mit der Sonde runterkratzen können, aber keine Karieslöcher. (Vielleicht stimmt dies jetzt nicht 100 %, weil man bei ein paar hundert Kindern auch mal den einen oder anderen Zahn nicht sooo genau sieht, aber 95% bestimmt) Die schwarz gefärbten Kauflächen sind übrigens doch auch kariös und nicht nur schwarz gefärbt. Im Buccalbereich Füllungen zu legen ist eine traurige Angelegenheit. Mann kann zwar die Löcher bohren, bis sie kariesfrei sind aber der Füllungsrand ist eigentlich immer ein Rand aus hochporösem Schmelz. Wenn man den Füllungsrand aber wie in Deutschland in einen Bereich gesunden Schmelzes legen wöllte, könnte man jedes Mal auch gleich eine Krone machen. Also wird der Neubefall an den Füllungsrändern nicht lange auf sich warten lassen. Wieder faszinierend ist, dass die Belagsmengen bei den Kindern durchgängig sehr !!! gering waren. Also liebe Zahnwissenschaftler. Hier kann man alle gängigen Kariestheorien wohl vergessen. Irgendwas zerstört den Schmelz der Zähne so allumfassend oder stört schon die Schmelzbildung in ihrer Entwicklung so flächendeckend, dass dies mit Zuckerkonsum nicht zu erklären ist, um so mehr, als viele der Kinder selbst zu unseren europäischen Zahnzerstörern wie Cola, Fanta, Sprite, wenn überhaupt, dann nur ganz wenig Zugang haben – Armut! Die dann vorhandenen Löcher sind oft so tief, dass wir bei gleichen Löchern in Deutschland mit Sicherheit schon lange im Zahnkanal gelandet wären, während hier immer noch Hartsubstanz den Boden bildet. Ein Phänomen, das ich in Gambia schon bewundert habe. Überhaupt, wenn ich die Schuluntersuchungen in Gambia und hier vergleiche, schneiden die Gambianer schlechter ab. Meine Vermutung ist aber, dass der einzige Unterschied darin besteht, dass die Kinder in Gambia durch die städtische Lage und den Tourismusverkehr trotz aller Armut mehr Kontakt zu den Süßgetränken haben Brösel plus Zucker ist der sichere Weg in die dentale Hölle. Jedes behandelte Kind bekam ein Plüschtier, Zahnbürste und Paste, was den Vorteil hatte, dass man sehen konnte, wer schon dran war und es wurde zunehmend gedrängelt, wer als nächster dran sein durfte. Ich glaube, Sister Rose war ganz zufrieden mit uns. Das Behandeln geht ganz gut. Der Kompressor, der im Sprechzimmer steht, ist zwar ganz schön laut, aber wenn ich behandle, bekomme ich eh kaum sonst was mit. Problem könnten die Handschuhe werden. Die sind ganz schön knapp. Nerviger als der Kompressor ist das Absaugröhrchen, was in einer kaputten Halterung klemmt, also nie abschaltet, wodurch der Druck am Kompressor schneller als nötig nachlässt. Je geringer der Druck am Kompressor, umso langsamer dreht sich auch der Bohrer und so geringer ist der Absaugeffekt, weil der Kompressor erst bei einer bestimmten Untergrenze wieder anspringt. Aber auch daran gewöhnt man sich. Jetzt werden wir Abendbrot essen und lesen. Heute ohne Sister Rose. 21.1.12 Samstag Gestern Abend schlug hier im Gästehaus noch ein sehr freundlicher Lehrer auf, der mit uns gern Konversation machen wollte. Wir verdrückten uns aber bald. Ich las noch im Bett. Gegen 11 fing der Lehrer an, große Wäsche zu machen, mit ohrenbetäubendem Lärm. Dazu laute Afrikamusik. So schnell kann man gedanklich zum Rassisten werden. Noch schärfer heute früh. Um halb 5 werde ich von lauter Musik wach. Erst dachte ich, es ist aber heute zeitig Musik in der Kirche. Dann wurde mir langsam klar, dass diese Art Musik kaum aus der Kirche kommen konnte. Da hat der nette Mensch von nebenan um diese Zeit seit Radio laut an. Der spinnt wohl. Ich raus aus dem Bett, was unter dem Moskitonetz leichter gesagt als getan war, rüber, an die Tür geklopft und mit netten, aber klaren Worten meine Stimmung vermittelt. Zack, war die Musik leise und ich konnte bis 8 Uhr weiterträumen. Er hat mich dennoch ganz freundlich gegrüßt. 9 Uhr sollte es in der Praxis losgehen. Es sollten wieder Kinder kommen – wer weiß wann. Halb 9 kam Rose und meinte, wir könnten heute endlich zur Bank fahren, um Geld zu tauschen, was richtig und nötig war. Sie wollte, warum auch immer, nicht nach Sotik (1 Stunde Fahrt), sondern nach Kericho (2 Stunden Fahrt). Da hatte ich zwar keine Lust zu, aber irgendwie musste ich ja zu meinem Geld kommen. Also Start kurz vor 9 Uhr. Am Auto stellten wir fest, dass sie keinen Fahrer hatte, also eine S. Agnes von wer weiß woher, fuhr. Plötzlich verstand ich, dass ihre Frage vor ner Viertelstunde, ob ich fahren könnte, ernstgemeint war. Um so mehr, als Agnes das Auto nicht in Gang brachte, weil sie nicht wusste, dass man erst startet, dann die Bremse tritt und dann den Automatikhebel bedient. Na das konnte ja ne Fahrt werden. Nach 500m fiel mir ein, dass Ausländer zum Geldwechseln ja den Pass brauchen und ich keinen mit hatte. Von da an ging es ganz schnell. Ich fragte Rose, ob sie auch Geld tauschen könne, sie bejahte, ich teilte mit, dass wir dann jetzt aussteigen und zurücklaufen und Rose für uns einkaufen und tauschen gehen kann. Gesagt getan und schon waren wir auf dem Rückweg, machten noch einen kleinen Umweg über die Hügel und waren wieder da. Und siehe, da saßen schon ca. 35 Kinder vor der Unit. Die hätten so mindestens 5 Stunden warten müssen. So genehmigten wir uns noch einen Kaffee und dann ging es zur Sache. Bis 17.30 hatten wir ca. 40 Personen behandelt, das machte 13 Ex und ca. 45 Füllungen. Ging schon. Arbeiten macht richtig Spaß. ackeline, die kenianische Assistenz und Sophie sind ein super funktionierendes Team. Zwischendurch gab es kurz Mittag, wobei das mit dem Essen hier nicht so bedeutungsvoll ist. Es gibt meist einen Reis, das immer gleiche Kraut, würde ich jedenfalls denken und irgendein Gemisch aus Kartoffelstücken, bissel Soße und Fleischstückchen. Letzteres sparsam. Also es zieht einen nicht direkt zu Tisch, aber wenn man bedenkt, wie arm die Leute hier sind, ist das wohl o.k.. Man muss sich nur gelegentlich selber daran erinnern. Noch vor dem Essen war ich mit Rose beim Priester Samuel. Sehr nett und spricht sehr verständlich englisch. Wir machten bisschen Small Talk, diskutierten schnell mal durch, dass auch Ungläubige gut sein können und vereinbarten 20 Uhr scypen bei ihm. Wir waren dann in time auch bei ihm, aber nur zum Quatschen, da meine Familie ja lieber auf Party geht, als zu Hause zu sein. Abends besprachen wir dann die Situation in Kenia, • kostenlose Schulpflicht, aber Schulklassen mit über 100 Kindern an den öffentlichen Schulen, • das die Eigentümer der großen Plantagen immer noch Engländer –mittlerweile meist in England sind - für 999 Jahre laut Gesetz. Das viel darüber diskutiert wird, diese Zeitspanne auf 99 Jahre zu reduzieren, aber dank Korruption nichts passiert, • das man jetzt anfängt, auf den großen Teeplantagen Maschinen einzusetzen, die in 2 Stunden dass Tageswerk von ca. 60, dann Arbeitslosen, bewerkstelligen, • das die Untergrenze der Kinderzahl in Kenia bei 3 Kindern liegt, die Regel bei 5-8. das die Kirche immer stärker auf Familienplanung orientiert. (die Pille haben wir mal ausgelassen) Was da wohl der Papa dazu sagt? • das Vater Samuel nächstes Jahr eine Schule für Jungen eröffnen will Und einiges mehr. Dann verabschiedeten wir uns und nun sitze ich mit Sophie im Gästehaus, dass uns heut wieder alleine gehört. 22.1.Sonntag Es ist immer wieder schön, daran zu denken, dass Januar ist und ich hier leicht bekleidet vor subtropischer Kulisse sitze und die sanfte Wärme genießen kann. Vor mir das weite flache Land des Kaplomboidistrikts, locker bewachsen mit Bäumen und Sträuchern, eingerahmt von den Hügeln am Horizont, hinter denen sich die Massai Mara erstrecken soll. Zu hören sind Vögel, Grillen, eine schnurrende Mieze, muhende Kühe, leises Kinderlachen aus Richtung der Schule, das Klappern des Koches in der Küche. Manchmal bellt ein Hund, nein meist sind es dann mehrere. Irgendwo in der Ferne schlägt einer Holz. Idylle pur. Heut war Sonntag. Irgendwie hab ich mir doch Sorgen gemacht, was aus diesem arbeitsfreien Tag werden wird, aber er ist so schnell vergangen. Früh gab es ein kurzes Frühstück, einfach wie immer, dann war Kirche angesagt. Mittlerweile haben wir uns schon daran gewöhnt, nicht immer viel zu verstehen. Nun, die Messe dauerte 2 Stunden. Es wurde viel gesungen, klare und laute Stimmen, sehr exotisch anzuhören. Der Pfarrer hielt eine oder eigentlich mehrere langen Reden in Suaheli, die wir natürlich nicht verstanden. Umso mehr konnte ich mich auf seine Gestik, Mimik und das Spiel seiner Stimme konzentrieren. Das Töpfchen wurde wieder aufgestellt. Wir taten brav was rein. Sicherheitshalber hatte uns S. Rose auf dem Hinweg noch mal daran erinnert, dass bei einer Messe Geld gesammelt wird. Aber ich hatte mich schon bevorratet. Wir sind ja jetzt schon erfahrene Kirchgeher. Irgendwann mischten sich in die suahelischen Sätze des Pfarrers mehrmals die Worte germany. Da wusste ich, es geht um uns. In der Tat war unsere Sister aufgefordert, ein paar Sätze zu uns zu sagen. Dann durften wir nach vorn. Ich grüßte brav auf Suaheli und stellte uns dann kurz auf Englisch vor, lobte ihr Land und dankte, ja wem eigentlich, das ich hier sein darf. Nach der Messe wurden noch ein paar Hände geschüttelt. Dann war Käffchenzeit und danach wollte Sister Rose von mir behandelt werden. Tolles Erlebnis immer wieder, wenn man feststellt, wie man in ungefähr einer Minute einen schönen Herpes bekommt. Und das kam so: Wir bereiteten die Einheit vor, Rose nahm Platz und ich fing an zu bohren. Sophie saugte ab, aber es wurde immer mehr Wasser im Mund. Erst dachte ich, der Absauger funktioniert nicht. Das was nicht funktioniert, ist man ja gewöhnt. Dann aber blubberte es in ihrem wassergefüllten Mund. Hab ich noch nie gesehen, brauchte also ein paar Sekunden, bis das Gehirn begriff, dass der Absauger nicht absaugte, sondern Luft ausblies. Sophie entfernte darauf hin den Absauger aus dem Mund und hinterließ eine Tröpfchenspur roten Blutes. Nur hatte ich ja nichts Blutiges gemacht, also konnte das Blut schlecht von Rose sein. Da, wie wir dann feststellten, der Absaugschlauch am Vortag nicht abgezogen und durchgespült worden war, hatten sich bei dem relativ geringen Absaugdruck Blutreste im Schlauch gesammelt von den letzten Patienten des Vortages und die wurden dann wieder rausgedrückt. Mmmmm. Wir brachen die Behandlung erst mal ab. Ich verbrachte dann eine ganze Weile mit nachdenken, woran es liegen könnte, denn am Vortag lief ja alles noch gut. Da Nachdenken nicht half, telefonierte ich 2x mit dem deutschen Techniker des Vereins, aber auch das brachte mich dem Ziel nicht näher. Also aktivierte ich eine externe Absauganlage, die im Zimmer steht und wohl noch nie benutzt worden war. Kabel ohne Stecker. Ich suchte mir ein altes, herumliegendes Kabel und baute den Stecker an. Dann bastelte ich mir aus weiteren Resten ein Verlängerungskabel, da die Steckdose, die es hätte sein sollen, stromlos war. Schließlich funktionierte alles. Dann machte ich erst mal Mittagspause. Zu Essen gab es obligatorischen Reis, das obligatorische Kraut und !! Erbsen. Zusammen mit scharfem Chili konnte man es gut essen. Dann ließ ich mir von Rose eine Stelle zeigen, wo ich meinen Oberkörper mal ne halbe Stunde der Sonne aussetzen konnte, ohne jemanden zu stören. Dachte ich – nur kurze Zeit später veranstalteten die Schulkinder unmittelbar daneben großes Wäschewaschen. Aber was solls. Ausländer, noch dazu Weiße sind eben Exoten. Als es dann doch zu warm wurde, machte ich einen Spaziergang hoch zu den Schulkindern, etwa 50 kleine Schokoladepackungen im Gepäck. Da wurde ich regelrecht überrannt. Und gereicht hat es auch nicht, da es ca. 80 Kinder waren. Also Nachschub geholt. Als ich wiederkam, hatten die Lehrer sich durchgesetzt und es hatte sich eine brave Reihe gebildet. Danach ließ ich mir von den Kindern die Schule und die Bettenzimmer zeigen und machte viele Fotos. Weil ich wollte und weil die Kinder endlos fotografiert werden wollten. Rückzu schoss ich noch ein paar entzückende schwarze Babyfotos. Ausnahmsweise mal ein Baby, das nicht anfing laut zu schreien, als es mich sah. Dafür gab es dann gleich noch ein Plüschtier. Dann kam Rose wieder zur Behandlung. Da Sophie schlief, dachte ich, dass schaffe ich alleine. Habe ich auch, aber mit Sophie hätte es nur ein Drittel der Zeit gedauert. Bohren ohne Spritze ging gar nicht, mit Spritze gerade so. Alle 8 Sekunden musste mal gespült werden. Wir brauchten 2 Flaschenfüllungen, damit bin ich gestern den ganzen Tag hingekommen. Na ja, 10 jähriger Zahnstein macht schon Spaß, man sieht wie es weniger wird, aber natürlich ist der Zahnhals darunter sehr empfindlich. Zu guter Letzt hatten wir es geschafft. Und da war der Tag auch schon rum. Ist schon trotzdem komisch, es sind gar nicht viele Einzelerlebnisse, die den Tag füllen, aber man nimmt sie viel bewusster war und hat mehr zu erzählen, als an einem 16 Stundentag zu Hause, wo Einen wahrscheinlich die Vielzahl der Einzelerlebnisse gar nicht mehr richtig wahrnehmen lassen, was so passiert, da keine Luft dazwischen ist. Jetzt werden wir gleich zu den Sisters gehen und mit ihnen Supper einnehmen. Wir werden die Gelegenheit nutzen, um die Kindersachen loszuwerden und vielleicht ein paar Familienfotos zeigen. Nun sind wir wieder zurück vom Konvent. Es gab ein fürstliches Essen: Ugali (Griesbreiähnlich), Reis, Kartoffeln, Grünkraut, Fleischstückchen in Soße, Hühnerschenkel. Es wurde gegessen und geredet, was toll war, da die kenianische Englischvariante nun noch durch volle Münder modifiziert wurde. Außerdem war auffällig, dass immer, wenn Rose etwas fragte oder sagte, Sister Regine dazwischen quatschte. Die dritte Schwester, den Namen hab ich vergessen, war nett, sprach das beste Englisch, stellte die klarsten Fragen, redete aber wenig. Ich stelle mir das schon schwierig vor, wenn 3 Damen um die 40 bis 50, durch die Entscheidung ihres Bischofs gezwungen sind, auf engstem Raum miteinander zu leben. Die Sister Regine, seit 13 Jahren hier, scheint die Chefin zu sein, aber ihr ständiges Lächeln wirken auf mich eher vorsichtig alarmierend. Na ja, der Herr wird sich schon was dabei gedacht haben, als er dieses System zuließ… Jetzt verstehe ich aber, wieso Rose von früh bis spät abends ewig fleißig durch die Gegend flitzt. Die will wohl nicht nach Hause. Keniatagebuch Teil 2 23.1.12 Montag   Soso, jetzt haben wir auch unseren ersten Faultiertag in Kaplomboi. Von 10.15 bis 13.00 hatten wir noch gut zu tun. Keine Hektik zwar, aber doch Patient für Patient (ca 11-12 Leute), dann Lunch, dannKaffee, dann Lesen, dann Sonnen, dann wieder Lesen, dann Kaffee, jetzt -16.40 Tagebuch. Ein Stress ist das hier… .Wenn das so weiter geht, reichen meine Bücher nicht. Gerechterweise muss man sagen, dass Rose einen ganz schönen Malariaanfall hat und echt mies aussah. Unsere ganzen Kinderklamotten hab ich heut Rose übergeben, nachdem Sie mich gestern heftig davon abgebracht hat, diese mit zum abendlichen Supper zu bringen, warum wohl… . Dann habe ich es endlich geschafft, die noch vorhandenen 6 Bälle aufzupusten. Manchmal ist man aber auch zu blöd. Da jage ich seit Tagen einer Pumpe hinterher, nachdem der nette Lehrer meine zerwürscht hatte. 2 Pumpen hatte ich hier gefunden, eine kaputter als die andere. Dabei haben wir doch in einer Zahnarztpraxis eine Druckluftpistole. Damit ging es in null komma nix und ganz leicht. Die Bälle bin ich also auch los, die soll Rose in den Schulen verteilen. Jetzt habe ich nur noch 2 Tüten Plüschtiere, die ich noch hoffe, an Patientenkinder los zu werden. Dann bin ich blank. Eigentlich könnte ich ja jetzt mal ein bisschen joggen gehen, dazu kam ich hier noch nicht. Aber irgendwie ist die afrikanische Langsamkeit ansteckend. Aber keine Hoffnung liebes Team daheim, das gibt sich sicher auch ganz schnell. Jetzt ist es halb 10, wir sitzen in unserem Gästehaus und geben uns wieder dem Müßiggang hin. Vorhin war ich 3 Stunden wandern. Raus aus dem Konvent, rechts die Strasse entlang und nach ca. 2 km links in einen kleinen Weg rein, der natürlich bald auf einem Grundstück endete. Aber wieder mal Glück gehabt, einen Einheimischen getroffen, bisschen gequatscht und dann führte er mich 2,5 Stunden quer durch die Gegend. Kleine Wege, über Felderchen, immer im Zickzack. Ich hatte ganz schön zu tun, nicht die Orientierung zu verlieren. Halt bei jeder 2. Hütte. Ständig wurden mir Verwandte vorgestellt, ich machte viele Fotos. Alle Welt wollte fotografiert werden. Alle möglichen Freunde wurden mir vorgestellt, Oma, Onkels, Cousinen und Cousins. Es war ein wirklich schöner Rundgang durch das einfache, wirkliche Kenia. Im Stockdunklen kamen wir wieder am Konvent an. Sister Rose rief mich zwischendurch 3x an und machte sich Sorgen. Nett nicht? Dann beredeten wir wieder mal meinen Plan, in die Mara zu fahren. Patrick Ikiki in Nairobi, mit dem Rose mehrfach telefonierte, wollte uns die Fahrt organisieren, wollte aber, dass wir über ihn auch das Hotel buchen – 700 Dollar für eine Nacht zu zweit. Das ist mir entscheidend zu teuer. Zumal da noch sicher 200 – 250 Euro Fahrtkosten dazu kommen. Außerdem ist die Ikiki - Strecke ca. 220 km lang von hier bis in die Mara, während die direkte Route ca. 65 km beträgt. Ich weiß auch noch nicht, wie das werden soll, mal sehen, was morgen raus kommt. Ich kann einfach die Gegebenheiten schlecht einschätzen. Dienstag 24.1.12 Und wieder ist ein Tag wie im Flug vergangen. Gleich nach dem Frühstück ging es los. Es war wieder eine Mobile angesagt. Erst ging es in eine private Knabenschule. Da waren es nur 24 junge Männer so um die 16-17 Jahre. Da waren wir schnell durch. Eine einzige Extraktion lag an. Ich dachte schon, dass wird ja eine kurze Mobile. Beim Wiedereinpacken kam ein ganzes Rudel kleiner schwarzer Mäuse auf den Hof. So ca. 30 Kinder im Alter zwischen 3 -5 Jahren. Die mussten aber wieder abwandern Richtung einer Public School 500 m entfernt. Das war nämlich unser nächstes Ziel. Nachdem wir dort aufgebaut hatten, ging es wieder richtig zur Sache. Ca. 450 Kinder haben wir untersucht und ich weiß nicht, vielleicht 30 – 40 Zähne gezogen.Heut war es ganz ordentlich warm. Zum Schluss klebte die Zunge am Gaumen und die Nase war von Wärme und Staub zugesetzt. Aber dennoch hatten wir das gute Gefühl, was getan zu haben. Wieder zu Hause bekam ich Besuch von einem dunklen Herrn, den uns der Priester besorgt hatte. Zu dritt beratschlagten wir unsere Fahrt in die Mara. Nach gestrigem Stand wollte ich ja nun Mittwoch, also Morgen, abfahren und 2 Tage in der Mara, übrigens der kenianische Teil der Serengeti, verbringen. Aber Sister Rose wollte uns gern noch morgen hier behalten, um Füllungen zu machen, also fahren wir jetzt erst übermorgen früh ab und bleiben nur eine Nacht in der Mara. Teuer genug ist es sowieso. Pro Tag bezahlen wir 120 Euro für Fahrer und Auto. Eintritt in die Mara 80 Dollar pro Kopf, Für den Fahrer nur 20 Euro. Übernachtung haben wir billig bekommen – 100 Euro pro Nacht und Person. Ursprünglich hatten wir ja das Angebot für 350 Dollar pro Person. Dann kommt noch die Rückfahrt mit 80 Euro nach Nairobi. Unser Hauptproblem ist aber, dass bis auf die Lodge alles kesch bezahlt werden muss. Wir aber gar nicht sooo viel Bargeld mithaben, weil eine bestimmte, geliebte Ehefrau meinte, 500 Euro und 600 Dollar sollten reichen. Ha ha. Na wir haben jetzt 2 Stunden durchkalkuliert, wer was wann und in welcher Währung bezahlt bekommt. Es sollte gerade so gehen. (das Problem ist, dass wir weit und breit an keiner Bank vorbeikommen, um Geld abzuheben.) Rose haben wir heute auch glücklich gemacht. Ich hatte 2x mit dem Verein telefoniert, weil Sister Rose mir ja erzählt hatte, dass sie schon lange kein Geld mehr aus Deutschland bekommen hätte. Heute nun wurde ich informiert und konnte diese gute Nachricht weitergeben, dass jetzt 300000 Keniaschillinge überwiesen werden. Also 3000 Euro. Das ist hier echt eine Menge Geld. Irgendwas muss da in den letzten Monaten schief gelaufen sein, aber jetzt hat es sich ja geklärt und S. Rose kann jetzt endlich wieder die notwendigen Verbrauchsartikel einkaufen. In den letzten Monaten tat sie das wohl von dem Geld, was die Behandlung Einheimischer brachte, aber das war ja nicht so viel. Für Behandlungen bei den Kindern kommt ja unser Verein auf. Soll heißen, bei Kinderbehandlungen, sowohl in den Schulen, als auch in der Praxis, schreibt die Schwester Abrechnungen, die die Ärzte unterschreiben. Die werden dann nach Deutschland geschickt und auf Basis dieser Abrechnungen zahlt der Verein an die Praxis dann Geld. Wie viel weiß ich gar nicht genau. Die Hiesigen zahlen 3 Euro für ein Zahn zupfen, 2 Euro für eine Zahnsteinentfernung und 5 Euro für eine Füllung (Letzteres finde ich deutlich zu viel, wenn man bedenkt, dass ein Tagesverdienst hier bei ca. 2 Euro liegt – da kommt natürlich keiner zum Füllen) . Es gibt auch noch Preise für eine Wurzelbehandlung oder Prothesen, aber das ist eher theoretisch. Gibt es fast nie. Nachtrag 25.1.: für Kinderbehandlung gibt es pro Füllung 5 Euro, Ex bleibender Zahn 2 Euro und Milchzahn 50 Cent) Jedenfalls war sie ganz happy, weil sie jetzt wohl auch endlich einige Reparaturen machen kann, die sie schon eine Weile drücken. Da hab ich mir doch den Feierabendwhisky redlich verdient oder? Unserem Köchelchen haben wir heute 1000 Schilling gegeben, er hat uns erzählt, dass er sehr bemüht ist, seinen Kindern eine ordentliche Schulausbildung zu ermöglichen, er aber nicht so viel verdient usw. . Warum er sich 5 Kinder im Alter von 5-12 Jahren angeschafft hat, kann man fragen, muss man aber nicht. Heut habe ich das erste Mal festgestellt, dass ich mich wieder auf zu Hause freue. Wenn da jetzt schon Frühling wäre, sicher noch mehr. Man kann sich an das Wetter hier gewöhnen.