Mittwoch 25.1.12 Last day in Kaplomboi Richtig schade eigentlich, dass heut hier unser letzter Tag ist. Jetzt kennen wir uns richtig gut aus. Sowohl was die Gegebenheiten angeht, als auch die Praxisabläufe, die Sitten der Leute werden uns immer vertrauter, man gewöhnt sich an das Essen, man passt unbewusst seine Bewegungsgeschwindigkeit dem Leben hier an, man lernt, mit den Patienten nicht mehr zu versuchen, irgendwie Englisch klar zu kommen, sondern man schiebt die Leute einfach dahin, wo man sie haben will. Die Zeichensprache wird immer flüssiger, man lernt, wem man die Hand gibt und wen man mit dreifachem Händedruck begrüßt. Man quatscht gemütlich mit dem Nachtwächter 5 Minuten, was insofern interessant ist, als der ganz ungezwungen Suaheli redet – ausschließlich und ich halt englisch. Trotzdem weiß man hinterher irgendwie – meistens - was er gemeint hat. In der Praxis bin ich jetzt zu Hause, ich weiß was wie wo angeht, wo man warten muss, bis genug Strom im Gerät ist, dass es auch geht, man spürt an der Laufgeschwindigkeit des Bohrers, wann der Kompressor gleich wieder angeht. Selbigen höre ich überhaupt nicht mehr, wenn er direkt neben mir anspringt. Es ist eben jetzt alles vertraut – und nun verschwinden wir wieder von hier, schon komisch. Heute hatten wir einen guten Tag – wieder mal. Es kamen gleich früh um halb 9 Schüler aus der Boy School. So ca. 15 Mann. Dann ging es richtig zur Sache. Von 9 bis 16 Uhr haben wir 62 Füllungen gemacht und ca. 6 Zähne gezogen. Das ging vor allem deshalb so gut, weil die Jungs unheimlich tapfer waren, so dass 5-9 Füllungen an einem Patienten mehrfach vorkamen. Zwischendurch hatte mich dann der Ehrgeiz gepackt und ich dachte die 80 Füllungsmarke zu erreichen. Genug Patienten waren 16 Uhr dafür auch noch da, nur leider viel der Strom aus, sodass wir dann nur noch 3 Zähne ziehen konnten und das wars. Aber auch so war das Ergebnis wohl ganz ordentlich. Dann waren wir noch bei Vater Samuel zum Quatschen. Er erbat sich eine Unterstützung für die Fertigstellung seines Rohbaus für die 2-3 Priester, die hier irgendwann man leben sollen und gab mir seine Bankverbindung mit. Mal sehen, was ich mache. Mit Rose hatten wir lange Gespräche. Sie zeigte uns die kleine Entbindungseinrichtung, die sie hier haben. Spät abends waren dann auch die Listen fertig, die ich mitnehmen soll, damit der Verein Geld überweisen kann. Dann kam Sister Regine wegen des Paketes für Deutschland und George brachte das Paket von Peter für Steffi, und Father Samuel kam noch mal rum und Jackeline kam sich verabschieden… Na es wurde nicht langweilig. Und nun bin ich sehr gespannt auf die Mara. So richtig kann ich mir ja noch nicht vorstellen, wie das sein soll, mit einem kleinen Auto, auch wenn es ein Rover ist, zwischen Elefanten, Löwen und Nashörnern rum zu fahren. Aber wir werden es erleben. Die Safari scheint wirklich morgen gleich hinter Kaplomboi zu beginnen, denn Samuel meinte mehrmals, dass wir morgen durch den Busch zur Mara fahren. Was ich auch nicht wusste, ist, dass die Mara nicht abgezäunt ist, so dass die wilden Tiere durchaus auch das eigentliche Maragebiet verlassen können. Vor 2 Jahren ist hier in der Gegend wohl ein Leopard rumgestreunt, den die Leute in Kaplomboi dann erschlagen haben, weil er zu viele Ziegen gerissen hat. Samuel erzählte uns heut interessanterweise, dass dieses Jahr ein ganz ungewöhnliches Jahr sei, weil der gelegentlich Regen, der wohl um diese Zeit niedergeht, komplett ausgefallen ist. Die trockenen Wiesen um uns rum und die unbestellten Felder sind wohl für diese Jahreszeit ganz untypisch. Aber durch den fehlenden Regen, haben die Bauern ihre Felder nicht bestellen können. Die nächste –kleine - Regenzeit im April hilft auch nicht weiter, weil die Feldfrüchte – was auch immer hier so angebaut wird, nicht vor der nächsten Regenzeit im November reifen, also vor der Ernte verfaulen würden. Also richtet man sich hier auf ein ganz schlechtes Jahr ein, was auch immer das bedeuten mag. Wenn man so durch die Gegend gezogen ist, wie ich vorgestern, kann man sich gar nicht vorstellen, dass es noch ärmer geht. Donnerstag 26.1.12 Es ist unglaublich. Ich weiß gar nicht, womit ich beginnen soll. Ich sitze jetzt - 23 Uhr vor einem Mücken- und Schlangen- und angeblich auch gegen alle anderen Tiere - dichten Zelt. Sophie legt sich gerade im Zelt zur Ruhe. Das Zelt ist mit einem Doppelbett und einem einfachen Bett ausgestattet, hat Tischchen, eine Dusche, WC, Waschbecken, doppelte Wände, blitzsauberen Fußboden, eine Steinterrasse und elektrisch Licht. Das Zelt ist 3,50 breit und 8 m lang. Vom Zelt führt ein Weg, ca. 50 m zum Haupthaus, einer nach 2 Seiten offenen, sehr gepflegten Holzkonstruktion, sehr idyllisch, mit Blick auf eine Biegung des Maraflusses, ca. 50m weit weg, in dem sich Flusspferde tummeln, was man tags an den Köpfen erkennt, die in der Ferne aus dem Wasser kucken und – jetzt nachts noch deutlicher an den Geräuschen erkennt, die vom Fluss herüberschallen. Wer bitte wusste, dass Flusspferde sich nachts nicht nur aus dem Wasser begeben, um zu grasen, sondern auch richtig weit vom Wasser entfernt Futter suchen. Bei der Verabschiedung vor dem Schlafen gehen, wurde uns gesagt, dass es durchaus sein kann, das wir nachts Flusspferde in Zeltnähe hören, aber es kann nichts passieren. Allerdings wurde auch erzählt, dass Flusspferde ein so großes Maul mit so vielen Zähnen haben und so aggressiv sind, dass, wenn sie einen Menschen in der Körpermitte zu beißen bekommen, sie diesen glatt drei teilen. Ist doch gut zu wissen. Wie ich hier so sitze, höre ich die grollenden Geräusche, die diese Tierchen so machen, in unweiter Entfernung. Aber – take it easy, es gibt ja einen Wachschutz, der alles kontrolliert und uns beschützt. Was gibt es noch so für „Gefahren“? Löwen – haben wir zwar heute nicht gesehen, gibt es in der Mara aber auf jeden Fall – das  ist Luftlinie ca. 3 km weit weg. Gut, die Mara ist groß und die Löwenfamilien müssen nicht zwingend direkt an der Maragrenze wohnen, aber wirklich weit weg ist es auch nicht gerade. Und wenn der nette Massaimanager der Lodge heute am Lagerfeuer erzählt hat, dass er es schon erlebt hat – wenn auch als junger Mann, dass ein Löwe trotz Feuerstelle in seinem Dorf durch eben diese gerast ist, sodass die drum herum liegenden Massaijungs anschließend voller Asche waren, der Löwe dann die Rinder im Pferch dazu gebracht hat, den Zaun nieder zu trampeln und auszubüxen, dann fühle ich mich in meinem Zelt doch gleich noch viel sicherer. Trotzdem ist es traumhaft schön hier. Doch nun mal der Reihe nach – geht gar nicht so einfach, weil schon wieder so ganz typische Laute zu hören sind – von nicht weit weg, die wohl Hyänen ausstoßen, wenn sie Hunger haben. Aber Quatsch doch, dass sind ja Aasfresser und ich bin ja erst 50 – oder vielleicht doch verstecken…? Noch mal von vorn: Heute, Donnerstag war 7 Uhr wecken, packen, frühstücken, weil 8 Uhr sollte es los gehen. 10 vor Acht standen alle 3 Sisters und Father Samuel zur Verabschiedung bereit. 10 nach Acht stand unser Auto sprich Toyota Landcruiser in Echtversion, also nicht die europäische „ich fahr einen tollen Geländewagen“, sondern ein richtiges Auto vor der Unit. Packen, Tschüssen, mit allen nett, mit Sister Rose richtig herzlich und ab ging es in den Busch. Es ging strassentechnisch wirklich gleich zur Sache. Bis zur Massai Mara waren es ca. 65 km. Nach spätestens 10km hatte ich begriffen, warum mir der Konvent seinen 7 Sitzer automatikbetriebenen Bus nicht zur Verfügung stellen wollte. Steine, Fahrrinnen, Schotter, roter Sand – alles kein Thema. Aber Regenrinnen – wenn auch zur Zeit trocken von 50, 60 cm Tiefe, Geröllstücke mit halbmetergroßen Steinen, Matschlöcher usw. machen einen schon glücklich – wenn man in einem Landcruiser afrikanischer Version mit massivem Unterbodenschutz unterwegs ist und weiß, dass 2 Ersatzreifen mit an Bord sind, eine Winde fest angebaut existiert und man dann auch noch einen Fahrer hat, der wirklich fahren kann. Kibet, ca. 60 Jahre, kein Vielquatscher – sehr angenehm, kann wirklich fahren. Wir brauchten etwa 3 Stunden für die 70 km. Die Fahrt war dennoch nicht langweilig. Rechts und links der Strasse viele kleine Felder und Grundstücke. Je näher wir der Mara kamen, um so weniger wurde es, dafür wurden die Felder größer. Dann kam das Maassai Land. Da durfte ich nicht fotografieren, weil die Massai so auf das Geld fotografierender Touristen scharf sind, dass sie regelrecht böse werden können – so jedenfalls Kibet. Also fotografierte ich nur wenig und heimlich. Nicht wegen Kibet sondern wegen der Massai. Noch lange vor der eigentlichen Mara tauchten in den Weiten der Steppe plötzlich Giraffen, dann Zebras dann Antilopen in kleinen Gruppen auf, die von vorbeifahrenden Autos völlig unbeeindruckt waren. Die Strassen waren echt der Brüller. Als ich dachte, brutaler kann es eigentlich nicht werden, bog Kibet plötzlich vom Weg ab und fuhr quer über die Prärie feldein. Es war, als wenn wir einem steinigen trockenen Gebirgsflussbett folgen würden. 2 km weiter standen wir plötzlich vor dem Eingangstor einer Lodge. Sofort waren 4 junge, in sehr traditionelle Gewänder gekleidete Männer zur Stelle, die uns mit Erfrischungsgetränken begrüßten und uns zu unserem vornehmen Zelt geleiteten. Dann gab es erst mal Kaffee, kurz frisch machen und schon ging es wieder los. Richtung Mara. 3km oder eine halbe Stunde später standen wir vor dem Ololooloo Gate, drückten unsere 160 Dollar für 2 Personen und 2000 Keniaschillinge für Kibet ab und schon waren wir drin. Es folgten 4 Stunden, in denen wir auf Hauptwegen, auf Nebenwegen und auf Nichtwegen durch die Mara fuhren. Geschwindigkeit zwischen 20 und 3 km /h. Wir sahen Hunderte von Antilopen, zig Büffel, Massen an Elefanten, Giraffen ohne Ende, viele Flusspferde im Marariver, einige Krokodile und jede Menge anderes Viehzeug. Es war spannend, interessant, auf die Dauer auch ein bisschen ermüdend und schön zugleich. Wir suchten lange nach Löwen – wenn auch ohne Erfolg. Gegen 6 Uhr waren wir wieder in der Lodge. Wir wurden sehr freundlich und zuvorkommend begrüßt. Da wir die fast einzigen Gäste waren, machte der Manager, ein netter spindeldürrer junger Massai mit uns Small Talk. Nach dem Frischmachen waren wir - typisch deutsch – so wie ausgemacht, pünktlich 19 Uhr wieder im Haupthaus, denn dann sollte es losgehen zum Abendessen im Busch. Los ging es dann dreiviertel Acht, was wohl daran lag, dass die anderen 4 Abendbrotgäste irgendwo mit ihrem Auto liegengeblieben waren. So hatten wir genug Zeit, schon mal die Übernachtung zu bezahlen, was nicht so leicht war, da es hier doch keine Möglichkeit gibt, mit Karte zu bezahlen, weil Strom gibt es auch nur aus dem Aggregat. Also kratzten wir unsere letzten Dollar und Schillinge zusammen. Es hat gereicht. Dann ging es in den Busch. Nicht weit weg von der Lodge entfernt hatte man 3 Tische aufgebaut, mit Lichtern und Lagerfeuer. Es war sehr idyllisch, das Essen war vorzüglich. Dann erzählte der Manager noch ein paar nette Geschichten und auch Kibet steuerte noch ein paar Storys aus seiner Jugend bei. Mit den anderen Gästen, 2 Engländerinnen und 2 Italienerinnen kamen wir kaum ins Gespräch. Und nun sitze ich hier und lausche den Geräuschen der afrikanischen Nacht. 27.01.12 Freitag Wenn ein Tag schon um 6.40 chaotisch ist, dann kann er eigentlich nur besser werden. 6.00 wurden wir vom Lodgepersonal geweckt. Halb 7 saßen wir am Frühstückstisch in der schon beschriebenen Halle und halfen uns ein sehr schönes Frühstück ein, begleitet von einem traumhaften Sonnenaufgang, zwitschernden Vögeln und dem nun schon vertrauten Grunzen der Flusspferde in der Ferne. Dann ließ ich mir die Getränkerechnung bringen und bekam ein mittleres Herzflimmern. Da hatte ich nun in den letzten Tagen immer wieder durchgerechnet, ob wir uns den Besuch der Mara mit den noch verfügbaren Barmitteln leisten können, dann war gestern beim Bezahlen des Hotels wieder alles über den Haufen geworfen worden, weil ich in der Lodge ja nun doch nicht mit Visakarte bezahlen konnte. Also hatten wir uns mit Kibet geeinigt, dass er uns heute bis nach Narok bringt, ich dann dort eine Bank aufsuche und dann wieder flüssig bin. Das hätte auch alles geklappt, hätte ich mir nicht gestern Abend zu dem schönen Buschdinner eine Flasche Rotwein gegönnt. Dass die Geld kostet, hätte ich mir eigentlich denken können. 25 Euro waren dann schon ganz schön, aber das Hauptproblem war nun mal, dass ich soviel Bargeld nicht mehr hatte. Also haben wir alle Euro, Dollar und Keniaschillinge zusammen gekratzt. Es sah schon lustig aus auf unserem Tisch – ein Haufen Kleingeld. Am Ende blieben mir noch 60 Cent über, aber ich konnte die Rechnung bezahlen – dachte ich. Aber wieder gefehlt, da die Kenianer nur ausländische Geldscheine, aber kein Münzgeld zur Bank bringen können. Also fehlten nun doch wieder 12 Euro. Schließlich einigten wir uns, dass ich das Geld, wenn ich es in Narok erhalten habe, unserem Fahrer gebe und der überweist es an die Lodge. Vor lauter Aufregung vergaß ich dann noch ein paar schöne Bilder von den Massaijungs und der Lodge zu machen. Schade. Dann ging es in die Mara. Gleich ein paar hundert Meter nach dem Gate latschten ganz entspannt 3 Löwendamen quer über den Weg. 2 Männchen lagen unweit im Gras und dann tauchten noch 2 weitere Tiere auf. Wir kuckten und fotografierten. Irgendwann wird dann aber auch der wildeste Löwe langweilig, wenn er da so faul in der Sonne rumliegt, also ging es weiter. Wir verließen das Gate wieder, worüber ich erst ein bisschen traurig war – unberechtigt, wie sich herausstellen sollte, denn Kibet blieb in der Nähe des Reservates und fuhr an der mit hohen Bäumen bewachsenen Mara entlang. Wir suchten Leopard und Nashorn. Die beiden fehlten uns ja noch in unserer Sammlung der Big Five. Gefunden haben wir sie nicht, es war aber trotzdem wieder sehr schön. Streitende Elefanten, Massen von Warzenschweine mit Babys, Flusspferd an Land, na und die allgegenwärtigen Elefanten, Giraffen, Antilopen, ein paar Schakale und vieles mehr haben wir gesehen. Überhaupt hab ich das Fahren durch die Mara heut ganz anders empfunden als gestern. Gestern wollten wir viele Tiere sehen. Haben wir auch. Heute sah man viele Tiere wieder, die man schon in großer Menge gestern bewundern konnte. Aber da wir heute nach bestimmten Tieren gesucht haben - die Bäume gescannt, wegen des Leoparden und die Flussnähe nach Rhino und Hippo abgesucht - wurde es überhaupt nicht langweilig Das war mehr wie Jagen und das war auch spannend. Ich glaube, wenn man mehrere Tage in die Mara fährt, ist das wohl das Hauptanliegen. Gegen 10 ging es dann Richtung Nairobi. Bis zum Zwischenstopp in Narok, wo wir das Auto wechseln sollten, brauchten wir ca. 3,5 Stunden. Das entsprach einer Entfernung von vielleicht 120 km, wobei die ersten 80 echt kenianisch waren. Das arme Auto. Wir kamen wohlbehalten an, was wir von der gerade erst vor 2 Tagen gekauften Thermoskanne nicht sagen konnten. Die implodierte irgendwann einfach im Stand. In Narok erwartete uns schon Patrick, der uns mit einem schnelleren PKW die 150 km bis Nairobi bringen sollte. Vorher musste ich noch dringend eine Bank plündern, was mir im 3. Anlauf auch gelang (man kann sich auch blöd anstellen). Endlich konnte ich alle Schulden bezahlen und war auch noch flüssig. Kurz vor Nairobi stoppte Patrick an einer Gruppe von Souvenirständen. Nach langen ausführlichen Verhandlungen, die mir am Ende schon peinlich waren, erstanden wir glücklich noch ein paar schöne Mitbringsel. Ich bin eigentlich sicher, dass ich mit mehr Erfahrung noch weit besser hätte abschließen können. Wenn man als erstes Preisangebot für irgendwas 4500 Schillinge hört, hat man doch schlechtes Gewissen, mit 200 reinzugehen. Ist aber falsch. Eines der Teile sollte 2500 kosten. 500 hab ich bezahlt und am Ende sahen die Verkäufer irgendwie doch immer zufrieden aus. Na gut, haben sie eben wieder einen doofen Touristen drangekriegt. Mit Patrick hatte ich noch ein nettes Gespräch zur Homosexualität. Es ist also in Kenia doch verboten. Als ich ihm erklärte, dass in Deutschland sogar Ehen zwischen Männern erlaubt sind, hatte ich sein Vorstellungsvermögen wohl doch etwas überfordert. Dann kam Nairobi. Ich hatte ja schon bei der Ankunft von dem Verkehr in der Stadt berichtet, aber dass heute, dass toppte den letzten Bericht lässig. Rushhour in der Hauptstadt und das freitags, das ist schon was im Ganzen. So viele Staus, ein Durcheinander von Autos, dazu Strassen von neu, über neu - aber schon wieder im Zerfallen begriffen, bis zu - war asphaltiert aber mit Löchern, die ohne hochhackigen Allrad nicht mehr zu befahren waren. Da wir dieses Mal eine andere Strecke fuhren als bei unserem ersten Trip, sahen wir ziemlich viele Wohlhabenenviertel mit schönen Grundstücken und Häusern. Aber auch hier ist der Dreck, der Staub, der Gestank (stellenweise) allgegenwärtig. Selbst Strassen mit Fußwegen sehen rotzig aus, weil nach den Bauarbeiten die Restmaterialien einfach am Rand liegenbleiben und verrotten. Wir brauchten 2,5 Stunden, um uns da durchzuschieben. Selbst unserer Fahrer Patrick war genervt. Aber schließlich kamen wir doch an. Gott sei Dank hatten wir ja ein großes Zeitfenster, da der Flug erst kurz vor Mitternacht ging. Unterwegs sahen wir einen kenianischen Mann, der halb auf dem Fußweg und halb auf dem Randstreifen lag und alles stieg drüber. Vielleicht schlief er ja nur, vielleicht war er auch betrunken. Ich fühlte mich eben gerade nicht in der Lage, aus dem Auto zu steigen, um zu kucken und evt. Mund zu Mund Beatmung zu machen. Ist das jetzt sehr schlimm? Wir suchten uns eine Ecke im Flughafen und packten erst mal unser Gepäck neu, machten uns in der Flughafentoilette wieder schön, na sagen wir mal, sauber, checkten ein, und verließen dann den Schalterbereich wieder Richtung einer Cafeteria. Da ließen wir uns häuslich nieder, lernten gleich noch ein Vater - Sohn - Gespann kennen, die nach 4 Wochen Rucksackurlaub durch Afrika auf dem Heimweg sind und nun sitze ich im Flieger und freue mich auf zu Hause. Wenn es da bloß nicht so kalt wäre. Unterschiede zwischen Nairobi und Kaplomboi gibt es natürlich viele, aber am meisten ist mir aufgefallen, dass in Nairobi eigentlich alle Frauen - hübsch oder hässlich – gepflegt aussahen, während in Kaplomboi eigentlich, überhaupt keine Frau in irgendeiner Weise nett zurecht gemacht war. Sind die Leute nun so arm, dass dafür nichts mehr bleibt, oder spielt dass erpflegte Aussehen überhaupt keine Rolle? Ich hab jetzt mal zusammen gezählt. Wir haben an 6 Tagen in Kaplomboi 165 Füllungen gemacht und 114 Zähne gezogen. Das sind also durchschnittlich 47 Zähne am Tag, die behandelt wurden. Dazu kommen etwa 1000 untersuchte Kinder in 3 Schulen. In Nyabondo war es deutlich weniger, aber wenigstens etwas. Geht schon, oder? 29.1.12 Sonntag Das wird nun die letzte Eintragung meines Keniatagebuches. Nachdem ich die letzten Zeilen im Flugzeug geschrieben hatte, gab es das übliche Abendbrot und da mein Fernseher wieder mal kaputt war, hatte ich dann eine ruhige, ereignislose Nacht. In Berlin angekommen, durften wir feststellen, dass eine Kiste in Paris den Sprung ins nächste Flugzeug verpasst hatte. Also bin ich in Sandalen und mit Weste – lange Hosen hatte ich glücklicherweise eingepackt, nach Dresden gefahren, wo mich meine Familie schon mit warmen Sachen erwartete. Es war aber nicht so schlimm, da das Zeitfenster, vom Auschecken, Gepäckverlust melden, Bus zum Hauptbahnhof bekommen und dort in den Zug steigen so eng war, dass zum Frieren eigentlich gar keine Zeit war. Und im Zug war es warm. Die Kiste ist übrigens jetzt gerade - Sonntag 16 .00 - gekommen. Zu Hause wurden wir von der Familie erst mal ordentlich verwöhnt, na und heute hab ich noch meine Berichte fertig gemacht, Fotos sortiert, Zeug ausgepackt und ab morgen beginnt wieder das ganz normale deutsche Leben… Ende, 29.1.2012