Zahnarztpraxis  Dr. Würfel Frank Würfel und Kollegen
Keniatagebuch - Tagebuch eines Keniaeinsatzes 2012
September 2011 Es ist wieder mal so weit. Das Fernweh hat mich erneut erwischt und ich denke schon seit einiger Zeit über einen neuen Zahnarzthilfseinsatz nach. Zunächst wollte ich wieder nach Serrekunda fahren, habe mich dann aber entschlossen, etwas Neues zu probieren. Warum nicht nach Gambia? Nun, zum Einen ist unser Verein sehr aktiv und erfolgreich im Akquirieren von Kollegen, welche einen Einsatz in Gambia durchführen möchten. Es besteht also zurzeit kein dringender Bedarf für mich, in Gambia zu arbeiten. Unser Oral Health Worker Herr Bah hat sich sehr gut eingearbeitet und kommt auch in Zeiten ohne deutsche Präsenz gut zurecht. Das bedeutet  jedoch nicht, dass die regelmäßige Anwesenheit deutscher Zahnärzte nicht wichtig wäre. Weiterbildung von Herrn Bah, die Durchführung bestimmter Behandlungen, die der afrikanische Kollege nicht beherrscht, aber auch technische Wartung, Materialkontrollen usw. sind auf jeden Fall regelmäßig erforderlich. Durch meine Funktion als Materialnachschubverantwortlicher bin ich aktiv beteiligt an der Sicherstellung unseres Gambiaprojektes. Worüber wir im Verein immer wieder diskutieren ist eine Erweiterung unseres Engagements in Form von Mobiles. Das sind Einsätze, bei welchen ein Zahnarzt und sein Team in abgelegene Dörfer fährt und dort Patienten unter teils sehr einfachen Bedingungen behandelt, die anders keine Chance haben, einen Zahnarzt zu erreichen. Dies erfordert einerseits einen größeren organisatorischen Aufwand und Kenntnisse , wie man so etwas optimal organisiert, andererseits weitere technische  Vorraussetzungen und Investitionen. Also hab ich mich mal im Internet umgeschaut, welche Vereine in anderen Ländern auf diesem Gebiet aktiv sind und Erfahrungen mit Mobiles haben. So bin ich auf den Verein Dentists for Africa e.V. gestoßen. Also erst mal fleißig gegoogelt, dann mit den Kollegen des Kenia-Vereines telefoniert und mit der Familie beratschlagt. Klimatabelle studiert, gute Reisezeiten mit den Praxisalltag abgestimmt und am Ende stand der Termin 13.1.12 bis 27.1.12 und das Reiseziel Kaplomboi fest. Dazu wird mich meine älteste Tochter Sophie begleiten, welche als Rettungssanitäterin über medizinisches Wissen verfügt und auch schon in der zahnärztlichen Praxis mitgearbeitet hat. In den nächsten Wochen wird Sophie eine Menge Impfungen über sich ergehen lassen müssen - mir sollte das dieses Mal erspart bleiben, ein Vorteil des Wiederholungstäters. Dann gilt es, die Fluggesellschaften zu belauern, um im möglichst günstigsten Moment die Flugtickets zu buchen. Im November werden wir zur Hauptversammlung des Vereins „Dentists for Africa e.V.“ fahren, um möglichst viele Ratschläge zum bevorstehenden Einsatz zu erhalten. Die Zeit wird sicher wie im Fluge vergehen. 12.1.2012 Donnerstag Jetzt geht es wirklich los. Ich hocke in momentan 6000 m Höhe, Tendenz steigend und hab die ersten70 km von 570 km von Berlin Tegel nach Amsterdam schon weg. Neben mir sitzt meine, von den zarten Wacklern des Fliegers, völlig unbeeindruckte Tochter Sophie. Unter uns, irgendwo im Gepäckraum lagern 4 ziemlich große Kisten. Berlin hat sich netterweise mit strömendem Regen verabschiedet, damit wir das schöne Wetter in Kenia noch mehr ersehnen können. Hinter uns liegen 24 Stunden voller Turbulenzen. Allein dafür hat sich schon die Reise gelohnt, wenn es um den Abenteuercharakter einer Reise geht. Mal sehen, ob ich noch alles zusammen bekomme.In den letzten 3 Monaten bin ich fleißig unter die Jäger und Sammler gegangen. Kein Vertreter war vor mir sicher, jeder wurde angequatscht, ob sich nicht das eine oder andere Material für Kenia spenden ließe. Einige Firmen waren davon wenig zu beeindrucken, andere sehr hilfsbereit. Anfang Dezember hatte ich einen Rundbrief an alle Heidenauer Kollegen – Nichtzahnärzte verschickt, mit der Bitte, doch mal in ihre Medikamentenschränke zu schauen, ob sie nicht das eine oder andere Schmerzmittel oder Antibiotika entbehren könnten. Die Resonanz war ganz toll. 11 Kollegen meldeten sich bei mir. So kamen neben solchen Medikamenten noch Handschuhe, Nahtmaterial, Verbandsstoffe usw. zusammen. Andere Medikamente wollte ich dieses Mal nicht mitnehmen, weil es ja in Kenia in die hintersten Winkel gehen sollte und ich als Dentist mit Blutdrucksenkern, Insulinampullen usw. nicht so viel am Hut habe. Goldenes Handwerk braucht eben nicht so viel Chemie. Die Kistchen und Tüten in meiner Garage stapelten sich. Es kamen noch Plüschtiere, bisschen Süßes, ein paar Kindersachen, Bälle u.ä, dazu. Langsam musste ich mir echt Gedanken machen, ob und wie ich das alles wegbekommen wollte. Zum Glück bin ich ja aber im Verein Ärzte helfen e.V., welcher sich in Gambia engagiert, aktiv, sodass ich die Dinge, die nun gar nicht mehr in die Koffer passen sollten, mit dem nächsten Container nach Serrekunda schicken werde. Somit kommt alles, was ich an Unterstützung erhalten habe, auch in Afrika an, höchstens mit einer leichten geographischen Verschiebung, aber ich bin überzeugt, dass das auch im Sinne der Spender ist. Ich hab also in den letzten 2 Wochen so nach und nach 4 stattliche Kisten zu je 24,5 bis 25,5 kg gepackt. 23 kg pro Kiste und 2 Kisten pro Reisenden sind gestattet und ein bisschen Toleranz hab ich am Flughafen einfach mal vorausgesetzt. Sophie und ich haben davon zusammen etwa 30 kg privates Reisegepäck. Wenn man die etwa 20 kg Handgepäck mitrechnet, kommen wir auf ca. 120kg Gepäck. Die Flüge waren ja schon lange gebucht, die Abholerei in Kisumu abgesprochen, alle Reiseunterlagen 5x gecheckt. Es konnte dieses Mal überhaupt nix schiefgehen -- dachte ich -- bis gestern Abend. Letzter Abend daheim, alle Kinder da, schönes Abendessen, Glas Wein, letzter gedanklicher Check. Alles Gut -- höchstens ein bisschen die Unruhe, ob der Flughafen rumzicken könnte, wenn in jeder Kiste halt ein bisschen zuviel drinsteckt. Aber bei erlaubten 4 Kisten a 23 kg… das wird schon. Schließlich haben wir Flüge bei KLM gebucht und wenn wir erst in Berlin durch den Check in durch sind, wird alles gut…. Und dann plötzlich der einschießende Gedanke – Moment mal, wir haben über KLM ja nur bis Nairobi gebucht. Den Anschlussflug in Kenia bei Jetlink Express (hat das schon jemand mal gehört?) hab ich ja erst später gebucht, weil sich unsere ursprüngliche Einsatzplanung, 2 Wochen nach Kaplomboi zu fahren (dorthin fährt man 4-6 Stunden mit dem Taxi) ja geändert hat. Jetzt wollen wir erst nach Nyabondo, dort eine Woche arbeiten und dann in der 2. Woche nach Kaplomboi weiterfahren. Warum? Weil etwas unklar war, ob in Kaplomboi zurzeit eine Sister vor Ort ist, die unsere Einsätze ins Umland organisieren kann. Außerdem gibt mir der Einsatz in 2 Orten die Möglichkeit, noch mehr Erfahrungen bei der Durchführung von Mobiles zu sammeln (Mobiles sind Tagesausfahrten in umliegende Schulen, um dort Kinder zu behandeln). Über solche Mobiles denken wir in unserem Verein für Gambia schon länger nach und warum sich etwas neu ausdenken, wenn es woanders schon eine Menge Erfahrungen gibt. Ja und um nach Nyabondo zu kommen, nimmt man ab Nairobi noch mal einen 45 Minuten Inlandflug und den hab ich also nachgebucht. Das wir in Nairobi dann erst aus- und dann neu einchecken müssen, war schon klar, bloß hab ich mir keine Gedanken gemacht, was Jetlink zum Thema Gepäcktransport so denkt. Und dann ging es los: erst mal im Internet recherchieren – ohne Erfolg. Dann bei Air direkt anrufen, da hatte ich den Flug gebucht. Die hatten keine Ahnung, meinten aber, mehr als 23 kg gehen da bestimmt nicht - na toll. Originalzeit dieser Erkenntnis ca. 23.30. Also das Problem erst mal überschlafen. Nächsten Morgen beschlossen wir schweren Herzens, doch 2 der 4 Kisten dazulassen. Also alles, was wir in den letzten Tagen so sorgfältig verpackt und 20 mal gewogen hatten, wieder raus aus den Kisten, dann schnell entscheiden, was ist wirklich wichtig, was nicht. 2 neue Kisten gepackt, wütend gewesen auf mich selber, das mir das Problem nicht eher eingefallen ist und natürlich auf die Fluggesellschaft. Dann schnell gefrühstückt (halb 10 sollte es schließlich losgehen), dann hatte ich den Einfall, direkt mit der Fluggesellschaft in Nairobi zu telefonieren, bzw. telefonieren zu lassen, da das Englisch meiner Tochter Helene sehr viel besser ist als meins. Die Arme hat dann vielleicht 15 Minuten mit einer ganz netten Dame in Nairobi telefoniert, nur haben die Afrikaner eine etwas andere Vorstellung von der englischen Sprache als wir und sprechen dabei unglaublich schnell. Na schlussendlich hofften wir begriffen zu haben, das Übergepäck 50 Cent pro Kilo kostet und 25 kg in einem Gepäckstück regulär erlaubt sind. Also alles, was schon ausgemustert war, wieder in die Kisten geworfen, rasch ein Band drum, ab ins Auto und los. Mittlerweile saß uns die Zeit ein wenig im Nacken, da die deutsche Bahn wahrscheinlich wegen uns nicht bereit sein würde, später abzufahren. Wir bekamen unseren Zug dann doch noch ganz lässig, dank schneller deutscher Autobahnen und keiner Geschwindigkeitskontrolle. Zack und schon ging es ab nach Berlin Tegel, wo der erste Flieger auf uns wartete. Im Zug haben wir die Kisten dann erst mal nachsortiert und die 2 großen Pappkartons (wir wollten nicht mit 4 Koffern zurückfahren, von denen 3 leer sind) mit ganz viel Paketklebeband liebevoll so lange umwickelt, bis sie uns stabil genug erschienen. Ob wir mit unserer Kalkulation richtig liegen, werden wir ja in Nairobi sehen, wenn die Dinger vom Band kommen. Kaum waren wir zur Ruhe gekommen und hatten uns 2 kleine tschechische Vormittagsbiere vom Zuggastronomen bringen lassen - für preiswerte 3,50 (0,2 Liter), schlug die nette Zugbegleiterin in unserem Abteil auf, die uns erst mal aufklärte, dass das Gepäck, das wir da mitführen, extra zu bezahlen ist und geschätzt 150 Euro kosten würde. Vielleicht hatte sie keine Lust zum Streiten, vielleicht sahen wir so nett aus, jedenfalls meinte sie irgendwann, wir sollten wenigstens die Vorhänge zuziehen und ließ uns davon kommen. Nach zweimaligem Umsteigen und ner Menge Schlepperei erreichten wir endlich Tegel. Jetzt wird alles gut, dachten wir, hatten nur leider nicht mit dem jungen, übereifrigen, soll heißen überkorrekten Kollegen am Check in gerechnet. Also Erstens war mein Handgepäck 6 kg zu schwer, angeblich auch zu groß – das konnten wir mit ein bisschen Schwung (Rucksack in Meßkasten) entkräften, dann waren unsere Metallkiste und der Koffer zu schwer (ach nee). Die beiden Kartons konnte er gar nicht wiegen, die waren zu breit für die Waage. Umpacken, auspacken, was dalassen, oder Auge zu drücken? Er wollte nicht mit sich reden lassen. Dann nahte unser Retter in Gestalt eines weiteren Angestellten, der vorschlug, uns mit an einen anderen Schalter zu nehmen, wo die Waagen angeblich breiter wären. Als er auf dem Weg dahin erfuhr, warum wir nach Kenia fliegen, entbrannte sein Helferinstinkt endgültig und er attestierte uns ungewogen, dass unsere Kisten genau das richtige Gewicht hätten. Bei der Gelegenheit durften wir noch lernen, dass die Waagenbreiten bei Lufthansa doch nicht breiter als bei KLM waren und dass die Sperrgepäckannahme – entgegen der Versicherung eines der Schalterbeamten bei Lufthansa doch keine Waage hatten. Auf diese Weise lernten wir wenigstens den Flughafen und viele nette Mitarbeiter kennen. Zurück bei KLM machte unser Helfer ein großes Gewese, das bei Lufthansa die Waage viel weniger angezeigt hätte… Am Ende kapitulierte der junge Kollege und ließ unser Gepäck passieren. Was wir in der ganzen Aufregung völlig vergaßen, war, an unsere Gepäckstücke Schilder mit unseren Namen und Adressen zu hängen. Wollen wir also mal hoffen, dass die Jungs in Amsterdam keine Fehler beim Umpacken machen, sonst wird es bissel Mist. Helene meinte heute früh noch, wir sollten sicherheitshalber ein Hemd und Unterwäsche ins Handgepäck nehmen, aber wer braucht das schon!! Wenn es schief geht, wissen wir ja, wer schuld ist. So, aktuelle Lifemeldung, wir sind zum 2. Mal in der Luft und auf dem Weg zum 6700 km entfernten Nairobi. Grad wackelt es wieder ganz hübsch, aber ich schreibe ja und Sophie ist mit ihrem Hunger beschäftigt. Jetzt dürfen wir sogar die Gurte wieder anlegen, ist doch toll. Nachdem wir das Gepäck los waren, wurde es langsam langweilig. Keine weiteren Zwischenfälle. Wenigstens interessierte sich der Zoll in Amsterdam noch für die 5 Einkilotüten Dentalgips, die ich im Handgepäck, auf besonderen Wunsch von Sister Carmelina und ultraschnell besorgt von meiner Büker Zahntechnik, mit mir herumschleppe. Klein, schwer, praktisch. Aber entgegen unseren Befürchtungen mussten wir keine öffnen, um zu beweisen, dass es kein anderes weißes Pulver ist. Jetzt werde ich mich ungehemmt dem Fernsehprogramm widmen und dann der Sonne entgegenschlafen und Kraft für die Auseinandersetzung ums Übergepäck und –wir wollen es nicht hoffen, aber man weiß ja nie - um den fehlenden Impfausweis von Sophie, sammeln. 13.1.12 Das mit dem Schlaf ging ganz gut. Der defekte Bildschirm vor meiner Nase hat das noch unterstützt. Ich bin genau richtig wach geworden, um einen Sonnenaufgang wie im König der Löwen zu erleben, als der Affe das Löwenbaby der Savanne zeigte. Dank der schlecht geputzten Bullaugen des Flugzeuges sind die Fotos leider lange nicht so schön geworden, wie der Sunrice war. Wir landeten pünktlich in Nairobi, kauften die Visa (50 Dollar) ohne Probleme wegen eines fehlenden Impfausweises, tauschten Geld, kauften eine kenianische Simcard, gingen aufs Klo, tranken einen Kaffee, und checkten dann ein, oder besser, wollten dies tun. Also erst mal mit dem ganzen Gepäck durch die Kontrolle, dann bei Jetlink angestellt, gewartet, bis die schwarze Schönheit uns endlich wahrnahm. Dann die erste Ernüchterung – einchecken macht keinen Sinn, weil der Flug gecancelt wurde. Statt um zehn, sollten wir bitte um 17.30 abfliegen. Nun, da wir ja schon problemgestählt waren, brachte uns das nicht aus der Ruhe. Schauen wir uns eben Nairobi an. Aber was mit dem ganzen Gepäck anstellen. Mit 6 Gepäckstücken könnte eine Tour durch die Hauptstadt dann doch ein bissel beschwerlich werden. Zum Glück gab es eine Gepäckaufbewahrung. Zwar war der Stauraum kleiner als unser Gepäck und pro Stück wollten sie 3.50 Euro haben, aber wieder einmal hatten wir Glück. Dieses Mal in Gestalt eines jungen Sicherheitsbeamten, der uns anbot, das Gepäck zu sichern für 1,50 Euro das Stück. Solch einem Schnäppchen konnten wir dann nicht widerstehen. Dann ging es 1 Stunde im Cityshuttlebus nach Nairobi City. Unterwegs waren die Straßenränder genauso mit geschäftigen Menschen und Wellblechhütten (bestenfalls) übersäht, wie ich es schon aus Gambia kannte. Der Verkehr war wohl noch chaotischer, besonders da hier Linksverkehr herrscht und sehr viele große LKW`s und Busse unterwegs sind. Das Wort Haaresbreite bekommt hier eine völlig neue Bedeutung. In Downtown besichtigten wir erst das Kongresscenter, wo eine Wahlveranstaltung stattfand, mit vielen euphorisch singenden und tanzenden Menschen. Dann erstiegen wir den Turm der Anlage. Reichlich hundert Meter hoch, liegt der Turm etwa in der Mitte der Stadt, so dass man eine wunderbare Sicht auf Nairobi und die umliegenden Berge hat. (Für die, die es nicht wissen, Nairobi hat etwa 3 Mio Einwohner, von denen die Hälfte in Slums wohnt, existiert erst seit hundert Jahren, liegt in einer riesigen Senke, was eine gute Grundfeuchtigkeit ergibt und war früher sicher idyllisches Massai Weideland, bis die Engländer kamen. Heute gibt es in der Innenstadt – zumindest gefühlt - mehr Banken, als ich in meinem ganzen Leben insgesamt gesehen habe. Wir durchwanderten den kleinen sicher repräsentativen Innenstadtpark, dann die Innenstadt und holten uns dabei einen schönen Sonnenbrand, da ja alle Präventionsmittel im Koffer waren. Kein Kunststück bei 1600 m Höhenlage der Stadt. Dafür war es nicht sooo heiß. Na gegen 2 Uhr hatten wir genug gesehen, fuhren wieder zurück zum Flughafen und machten es uns in einer Straßenbar mit Bier gemütlich. Bier kostet übrigens 2.40 Euro -0,3 Liter. Gott lobe unser Deutschland. Vor dem Bier versicherte ich mich noch mal, das der Flieger wirklich geht. Also das 2. Mal durch den Kontrollbereich. 16 Uhr ging es dann zum einchecken (das 3. Mal durch die Kontrolle, man kannte uns schon). Jetzt wurde es spannend - was wird nun aus dem Übergepäck? Ich will es kurz machen. Die Aussage der Dame am Telefon bei Jettlink Express 2 Tage zuvor, wir hätten 25 kg Freigepäck wurde auf 20 kg korrigiert, statt 50 Cent kostet 1 kg 1 Euro, einer unserer beiden Rucksäcke war angeblich zu groß fürs Handgepäck - vielleicht war er letzte Nacht gewachsen. Dafür rundete man großzügig ab und berechnete uns also nur 50 kg Übergepäck, also 50 Euro. Nun waren wir schon so weit, nun war es auch egal. Wir bezahlten und hatten dann bis zum Abflug einen so überfürsorglichen Sicherheitsbegleiter an unserer Seite, das ich allein schon deshalb vermute, das man uns beschummelt hatte. Aber egal, ändern ließ es sich eh nicht. Dann rin ins Flugzeug. Das Abheben erlebten weder Sophie noch ich – da schliefen wir beide schon tief und fest. Dafür kamen wir eine dreiviertel Stunde später erfrischt in Kisumu an. Natürlich gab es auch hier noch ein Highlight. Alle Fluggäste warteten auf ihr Gepäck. Fast alle Fluggäste bekamen ihr Gepäck und verschwanden so nach und nach. Nur ein einsamer Kenianer und wir standen noch rum. 3 Teile waren gekommen, die Kartons fehlten. Kein Flughafenangestellter war mehr zu sehen, idyllische Ruhe. Den Allerletzten, der ging, schnappte ich mir dann und nervte ihn so lange, bis er noch mal auf die Suche nach Verantwortlichen ging. Dann dauerte es noch mal 10 Minuten, bis einer kam und feststellte, das die Kisten irgendwo zwischen Flugzeug und Halle rumstanden und vergessen worden waren. Passiert schon mal. Nun endlich konnte uns unser Empfangskomitee in Form von Schwester Seraphine, Christine und Dieter begrüßen. Bis wir dann in Kisumu noch Saft, Bier, Wein und Kekse eingekauft hatten, war es dunkel und es folgte eine spannende Fahrt durch 50 km Afrika bis nach Nyabondo. Ich kann nicht sagen, ob es erregender in der Stadt oder auf der Landstrasse war. Jedenfalls wäre da wohl niemand eingeschlafen. Im Hospital wurden wir von weiteren Deutschen sehr nett begrüßt. Da waren noch Reinhardt und Tina, Zahnarzt und Assistentin, Uli mit seinen beiden Zahnarzthelferinnen. Letztere sind schon seit 3 Wochen hier und waren 2 Wochen erst in Nyabondo und letzte Woche in Kaplomboi. So konnten wir kaltes Bier, später auch mitgebrachten Whisky trinken, duschen und die Ankunft genießen. Die Zimmer sind sehr einfach, aber sauber, gleiches gilt für Klo und Dusche. Bei Letzterer kribbelt es so schön in der Hand, wenn man sie anstellt und dann den Griff anfassen will. Grund dafür ist wohl, dass die Sanitärinstallationen nicht geerdet sind, aber was verstehe ich schon davon. Es gibt einen Kühlschrank –sehr wichtig. Der Himmel war voller deutlich größerer Sterne, als wir sie in Deutschland kennen, fand ich jedenfalls. Wir hatten eine erste gute kenianische Nacht, wenn man mal von den 3 Hähnen absieht, die in der Umgebung wohnen. 14.1.12 Samstag Frühstück um halb 9 bei strahlendem Sonnenschein, angenehmen 20 Grad, in netter Runde, mit Rührei, Toast, Marmelade, Kaffee, Käse. Also alles da. Danach ging es heut ins St. Monica Witwendorf. Da waren 130 Kinder aus dem Patenschaftsprojekt und die Witwen eingeladen. Letztere kamen keine, Erstere waren aus 4 Schulen angereist. Es wurde gespielt, Mittag gegessen, dann gab es ein Kulturprogramm mit Gesangsdarbietungen und viele lange, für mich teils schwer verständliche Reden. Es war heute schön warm. Eigentlich haben wir nicht viel getan, waren aber dennoch ganz schön groggy. Zwischendurch hab ich einen Spaziergang durchs Hinterland gemacht. So immer kleinen Trampelpfaden folgend. War nett. Viele Kinder in Klamotten, auf die der Name Lumpen mal so richtig passt. Außerdem war Waschtag an einem Tümpelchen, das sonst auch zum Moped waschen und als Tiertränke und Tierbadestätte dient. Jetzt, kurz nach 6 sitze ich bei Bier und Laptop im Schatten und schreibe. Gerade fängt es an, ein bisschen kühler zu werden. Bald werden uns die Sisters Abendbrot bringen und dann werden wir vor der Unterkunft zusammensitzen und die kenianische Nacht genießen. 15.1.12 Sonntag Wieder ein Tag rum. Frühstück halb neun in besagt großer Runde. 10 Uhr waren Sophie und ich im Dorf beim großen Gottesdienst. Groß deshalb, weil es diesen Sonntag nicht 3 Gottesdienste gab, sondern einen im Freien vor der Kirche. Hintergrund, wenn ich es richtig verstanden habe, war, dass letzte Woche die Schule wieder begann und die Schulgelder gezahlt wurden. Deshalb waren die Schulkinder auch alle verpflichtet, am Gottesdienst teil zu nehmen Ein Schalk, der Böses dabei denkt. Na jedenfalls hatte ich gedacht, mal so einen richtigen Gospelgottesdienst zu erleben. Wars nicht, eher ein Langweiliger, wenngleich auch gesungen wurde und Kinder getanzt haben. Kann man schon mal erlebt haben, muss man aber nicht… Mittags fuhren Uli und seine beiden Helferinnen nach Kisumu, um von da nach Hause zu fliegen, und Christine, Dieter und Moni fuhren nach Kaplomboi, wo sie bis morgen bleiben wollen, um verschiedene Sachen zu regeln. Reinhardt und Tina waren wandern –mit Begleitung 2er Führer, was sich wohl als recht nervig herausgestellt hat, da ständig Konversation gemacht wurde. Somit waren Sophie und ich allein. War auch mal ganz schön. Ich baute Sophie mit Handtüchern erst mal einen Sichtschutz, damit sie sich mal ne Weile sonnen konnte, ohne kenianische Gemüter zu verletzen. Dann versuchte ich an den Schlüssel zu der Zahnarztpraxis zu kommen, was daran scheiterte, das kein Mensch, weder Wachmann noch Sister wusste, wer dafür zuständig war. Also lass ich mich morgen von der Zahnarztpraxis überraschen. Dann schnappte ich mir meine Laufschuhe und wanderte mal 2 Stunden in der Gegend rum. Gerannt bin ich nicht, es waren einfach zu viele Leute auf der Strasse. Genaugenommen machte ich eine Runde ins Tal und dann querfeldein wieder zurück. Bei Querfeldein nahm ich dann schon mal die Sonnenbrille ab und kuckte, wo der Fuß sich als nächstes hinsetzen sollte. Ich wollte ja schließlich keine Schlangen beim Mittagsschlaf stören. War aber alles ganz easy. Die Wege waren Jeep- aber sicher nicht PKW- tauglich. Rechts und links kleine Grundstücke mit Hütte, mehr oder weniger sehr ärmlich. Viele Menschen  unterwegs – Sonntag! – Ich grüßte oft und wurde oft gegrüßt. Selbst der böseste Blick hellte sich auf, wenn ich mein frischgelerntes Habari ako von mir gab (Hallo , wie geht`s?) oder auf die gleiche Frage mit „misuri“ (gut) antwortete - funktionierte perfekt. Auf dem letzten Stück überquerte ich die Ebene, musste ständig darauf achten, nicht in irgendwelche Wasserpfützen zu latschen. Zu Regenzeiten ist die Ebene wahrscheinlich sehr moorig, aber jetzt ist es relativ gut begehbar. An mehreren Stellen waren Kenianer mit dem Formen, Trocknen oder Stapeln von Ziegelsteinen beschäftigt. Zwischendurch fragte ich ein paar Fußball spielende Kinder nach dem Weg zum Hospital. Leider konnten sie offensichtlich kein Englisch und hatten – die Kleineren - Angst und die Größeren – Respekt vor mir. Als ich auf den ca. 12 jährigen Ältesten zuging, wich der immer weiter zurück. Das ist nicht bei allen Kindern so, aber doch wiederholt passiert. Vielleicht sollte ich darüber mal nachdenken. Zurück „zu Hause“, traf ich die beiden Wanderer. Tina hatte sich schön den Rücken verbrannt. Etwas was mir nicht passieren kann, da mir meine liebe Frau Sonnencreme mit Faktor 50 geschenkt hat. Da bin ich, glaube ich, in 2 Wochen noch so weiß wie am ersten Tag. Nach Bier trinken, duschen und Bier kaufen gehen, gabs Abendbrot. Reis mit Bohnen. Zum Bier kaufen (die Flasche 1,40, Cola 0,30 Euro) mussten wir nur bis zum kleinen Markt, der direkt gegenüber des Krankenhausareals ist. Dieser Markt ist, selbst für afrikanische Verhältnisse saudreckig, regelrecht eklig. Aber es gibt einen Musikshop (oder so was ähnliches), eine Videobar, wo den ganzen Tag Videos laufen, einen Schmied, eine Maismühle, eine Butcher, na und noch so 5-6 Buchten, bei denen mir nicht klar ist, was die da verkaufen. Dann saßen wir entspannt unter Kenias Himmel und quatschten, bis die anderen müde waren, und halb 10 saß ich allein im Gemeinschaftsraum und schreibe. Ein kleines kenianisches Mädchen ist oft bei uns, sitzt am Rand oder mit am Tisch, redet nicht, schaut uns zu, ist nicht aufdringlich, einfach nur da. Heute Abend saß sie mit uns am Tisch und Reinhardt und Tina krabbelten sie abwechselnd. Irgendwann rutschte sie vom Stuhl und schlief mit dem Köpfchen auf dem Stuhl ein. Als alle anderen im Bett waren, schickte ich sie 2x nach Hause, nach paar Minuten stand sie wieder vor der Tür, bzw. kam beim 2. Mal auch rein. Ich fragte sie, ob ich sie nach Hause bringen soll. Sie meinte, zu Hause sei das Fenster zu, was auch immer das zu bedeuten hatte. Also ging ich mit ihr zu der Hütte, die sie mir zeigte. Ich klopfte, dann stellte sich heraus, dass sie da gar nicht hingehörte. Die Dame des Hauses schnappte sich dann aber die kleine Maus und brachte sie - ich hoffe – nach Hause. Gerade eben musste ich mal auf die Terrasse, da hatten es sich 2 junge schwarze Männer gemütlich gemacht, die mir erklärten, sie warteten jetzt hier, weil sie hier schlafen sollten. Nun, ich hab sie überzeugt, woanders zu warten. Was gibt es noch so: Viele junge Leute mit Motorrädern, bei Spritpreisen um 1,15 Euro schon erstaunlich. Verglichen mit Gambia ist das Volk hier ein durch meine europäische Brille betrachtet, nicht so ästhetischer Menschenschlag. Vielleicht liegt es daran, das die Population hier relativ homogen ist, während in Gambia ja eine bunte Mischung verschiedener Volksstämme die Strassen bevölkerte. Die Natur hab ich mir noch afrikanischer vorgestellt. Es gibt Akazien, Bananen und andere, mir nicht bekannte Gewächse, aber es mutet mir, trotzdem es doch deutlich grüner ist, als in Gambia, nicht so sehr exotisch an. Oder es liegt daran, dass ich das zweite Mal in Afrika bin und die Eindrücke nicht mehr so stark sind. Überhaupt vergleiche ich viel zwischen den beiden Ländern. 16.1. Montag Heute also sollte es losgehen. Zunächst die Praxisbesichtigung. Alles ähnlich wie in Gambia, die Schränke voller Müll. Prothetikdiamanten ohne Ende, dafür kaum normale Diamanten. Kunststoff, Amalgam usw. alles vorhanden, wenn auch nicht in großen Mengen. Wofür ich Dentalgips mitbringen sollte, weiß ich nicht, da kein Abdruckmaterial da war, und der Zahntechniker wohl schon ne Weile fehlt. Wir wurden zu 9.00 bestellt, da wurde da schon eine Stunde behandelt. Ein paar Patienten waren da. Die angemeldeten Kinder kamen gegen 11, so hatten wir 3 effektive Stunden, in denen einer von uns beiden Zahnärzten Zähne zog und der andere Füllungen machte. Ich weiß gar nicht genau, aber ich glaub, ich zog 4 Zähne und machte 9 oder 10 Füllungen. Die Patienten waren überwiegend Kinder, die kein Wort mit mir sprachen, ängstlich halt, aber alles mit sich machen ließen. 1 Uhr war Mittag und wir brauchten auch nicht wieder zu kommen, da Nachmittag nix geplant war. Also machten 3 von 4 Mittagschlaf und einer computerte. Dann ging es auf 2 Motorradtaxis für 50 Schillinge pro Person auf einem Krad nach Sondu. Da war großer Markt, über den wir schlenderten und uns das Elend ansahen. Dann fanden wir eine nette Disko (also abends ist das eine), wo wir ein kaltes Bier tranken. Es gesellten sich 2 Kenianer zu uns, machten Konversation, gaben uns mehrere Winks mit dem Zaunspfahl, dass sie auch was essen würden. Dann endlich lud sie Reinhardt auf ein Bier ein. Und Zack standen 2 Schnapsfläschchen (0,3 Literflaschen) vor den beiden und die Kellnerin wollte 600 Schillinge (6 Euro) pro Flasche. Zum Glück war Reinhardt nicht auf den Mund gefallen und stellte das mit deutlichen Worten klar. Unverschämte Lümmel. Dann machte ich schon mal los und joggte die ca. 8 km nach Hause. Wobei Joggen übertrieben ist. Gerannt bin ich vielleicht 5 km davon. Es war tierisch staubig, teils hat man keine 3 m weit kucken können, wenn wieder ein LKW vorbei ruckelte. Außerdem ging es mindestens zwei Drittel der Strecke bergauf und natürlich ist die Kondition derzeit auch grottig. Meine lieben Mitstreiter brüllten mir jedenfalls ein freundliches „Muzungu, muzungu“ (Weißer) hinterher, als sie auf Motorrädern vorbei kamen. So dreckig war ich jedenfalls schon lange nicht mehr. Abends kamen die anderen 3 aus Kaplomboi zurück. Ich hatte gehofft, jetzt konkrete Informationen zu erhalten. Bekam ich auch zum Teil. Es ist also kein anderer Zahnarzt dort, wie es ja hieß, und es sind die nächsten 2 Wochen voll geplanter Einsätze für einen Zahnarzt – angeblich. Also schickte ich abends noch ne SMS an Sister Rose und bot an, so bald wie möglich nach Kaplomboi umzusetzen, wenn sie das will und mich abholt. Prompt rief sie mich zurück und wir verabredeten eine Abholung am Mittwochnachmittag. Da bin ich ja mal gespannt. Dienstag 17.1.12 Früh ging es in die Praxis. Heut war sogar eine Gruppe Kinder da, leider hatten wir aber keinen Strom, sodass wir keine Füllungen machen konnten. Also zog ich so ca. 8-10 Zähne. 12 Uhr waren wir durch. Dann war Mittag. Nachmittag waren wieder keine Patienten bestellt. Der Grund für die mangelhafte Situation soll die Aufgabenumstellung bei den Sisters sein. S. Laurenzia ist weg und S. Lilian ist zwar lieb und nett, aber gänzlich unerfahren und nicht durchsetzungsfähig. So jedenfalls der bisherige Eindruck. Also Mittagsschlaf, dann Abstecher ins Witwendorf, da wollte ich so ein Tischdeckenset kaufen, dass die da selbst herstellen. Vorher noch schnell 2 Füllungen bei einer Patientin gemacht. Dann wieder faulenzen – genau mein Ding. Als die Hitze etwas nachließ, zog ich mir die Laufschuhe an, verlies das Hospital und bewegte mich nach rechts und dann immer der Strasse entlang, teils gehend, teils joggend. Das war eine schöne Strecke. Nicht so staubig wie gestern. Rechts und links Grundstück an Grundstück, teils mit sehr einfachen Hütten, nur grob oder gar nicht verputzt und 1-2 kleinen Löchern in der Wand, die von innen mit Holz verschlossen waren (also so was wie Fenster), nach ca. 3 km wurde die Gegend etwas wohlhabender. Es gab Häuschen mit verglasten Fenstern, gepflegteren Vorgärtchen. Sogar ein richtiges Schlösschen war dabei, so mit Erkern und so. Die Gegend war schön grün, Viele Bananenbäume, viele andere große Bäume und Sträucher, einige schön blau und rot und gelb blühend. Irgendwann machte die Strasse einen Rechtsknick und links konnte man einen herrlichen Blick in das Tal erhaschen, in welchem wir gestern in Sondu waren. Wie ein silbernes Band zog sich ein ganz ordentlicher Fluss durchs Tal, die Hänge der gegenüberliegenden Hügel waren grün und in lauter einzelne Flecken zergliedert. Wald oder so gab es nicht, lediglich an den Hügelkuppen, wo Landwirtschaft wahrscheinlich nicht möglich ist, sah man größere Baumansammlungen. Sah schön aus. Unterwegs wurde viel gegrüßt, angelächelt, gewunken, Nach ca. 3,5 Stunden wurde es langsam dunkel. Also ging ich wieder ein Stück zurück, bis ich auf das erste Motoradtaxi traf, das mich dann im Dunklen nach Hause brachte. Die anderen hatten sich schon Sorgen gemacht. Dann duschen, essen, packen, quatschen, schlafen. Eigentlich wollte ich im Bett noch lesen, aber nach 10 Minuten viel der Strom aus. Also werde ich morgen gut ausgeschlafen sein.