Zahnarztpraxis  Dr. Würfel Frank Würfel und sein Team
Zahnarzteinsatz in Madagaskar
09. 10. 2017 Es ist wieder mal Zeit. Es kribbelt erneut in meinen Zahnarztfingern, auf Außeneinsatz zu gehen und ein ganz klein wenig Gutes zu tun. Es soll wieder einmal Richtung Afrika gehen. Der Zweitgrößte Inselstaat der Welt -  oder wie manche sagen, der 8. Kontinent - ist das Ziel. MADAGASKAR Entstanden ist die Insel Madagaskar zu Zeiten von Gondwana. Seitdem zwar noch gelegentlich  geologisch durchgeschüttelt; ist sie aber im Wesentlichen das geblieben, was sie damals schon war – eine Insel, weit draußen vor der Ostküste Afrikas. Die Folge war, dass es über 60 Prozent aller Tiere, die es hier gibt, auch wirklich nur hier gibt. Bei den Pflanzen ist der Bekannteste sicher der riesige Affenbrotbaum, der wie eine gigantische Wurst, mit oben ein bisschen grünem Gestrüpp, in der Gegend herumsteht. Bei den Tieren sind es zu aller erst die Lemuren, die wohl jeder zwischen 5 und 15 aus „Madagaskar“ dem Zeichentrickfilm, kennt. Das größte Raubtier, die Fossa, hat die Körpermaße einer europäischen Hauskatze.  Da es auch komplett an giftigen Schlangen fehlt, könnte man meinen, Madagaskar sei das Traumland für  Einwohner und Urlauber schlechthin. Nun, ganz so ist dem nicht. Krokodile haben sich erhalten. Auch wenn es wegen der Taschen und Schuhindustrie nicht mehr so viele gibt, so ist man doch gut beraten, in Binnenseen und Flussläufen über das Baden nachzudenken. Madagaskars Hauptproblem aber ist wohl, wie in vielen Teilen Afrikas, die Mischung aus Armut, Misswirtschaft und Zerstörung des Lebensraumes der Insel. Und so gehören die normalen Madegassen und das sind die Allermeisten, zu den Ärmsten der Welt – und genau so sehen auch ihre Zähne aus. Das hat eine Gruppe junger engagierter Zahnärzte 2015 dazu bewogen, den Verein Planet Action. Helfende Hände e. V.“ zu gründen, um in diesem schönen Land aktiv zu werden. Mit viel Herzblut, Zeitaufwand und 100 Prozent ehrenamtlich organisieren sie seitdem Einsätze von kleinen Zahnarztgruppen vor Ort. Das hat mir so gut gefallen, dass ich mein bisheriges Grundprinzip - zwar über Vereine, aber lieber allein auf solche Einsätze zu gehen - zurückgestellt habe und nun mit einem Team von insgesamt 5 Zahnärzten nach Madagaskar fliegen werde,  um dort 2 Wochen zu arbeiten. Ich bin neugierig auf die Erfahrungen, die mich dort erwarten werden und falls ihr Interesse habt, könnt ihr hier nachlesen, wie es mir ergangen ist. Dezember 2017 Nun ist der November vergangen und der Einsatz in Madagaskar musste ausfallen. Sehr schade. Alle Flüge waren gekauft, alle Unterkünfte bestellt. Fast ein Dutzend Spender unterstützten den Einsatz. Nur leider trat in Madagaskar im September die Pest auf. Nun ist die Insel ein Land, wo Pestkranke nicht so außergewöhnlich sind und die Beulenpest ist heute schon gut behandelbar – wenn man die notwendigen Medikamente hat. Nur leider war es dieses Mal die Lungenpest und die ist deutlich ansteckender, erst recht für Dentisten, die sehr nahe mit Patienten zu tun haben. Da die Lungenpest über die Atmung weitergegeben werden kann und es bis Ende Oktober über 200 Tote gab, haben wir dann doch gekniffen. Die gespendeten Gelder kommen dennoch zu 100 Prozent dem Verein und weiteren Einsätzen zu Gute. Und für mich steht dieses Land weiterhin auf der Wunschliste. Ich hoffe, zu einem späteren Zeitpunkt dann doch noch über Madagaskar berichten zu können. Donnerstag, 12.9.2019 Es tut sich wieder was in Sachen Madagaskareinsatz. Nun soll es im Februar 2020 nach Antananarivo gehen, um ein bisschen Gutes zu tun. Das Spenden sammeln, um den Einsatz zu finanzieren, hat schon begonnen. In der Praxis vergeben wir ab sofort die Plüschtiere, die es nach der letzten Sammelaktion nicht mit nach Kambodscha gebracht haben, weil sie zu groß waren. Vielleicht finden sie jetzt ein neues zu Hause und ein paar Euronen landen in der Spendensammelkiste.   
2020 - Es ist wieder mal Zeit. Arbeitseinsatz Madagaskar   19.2. – 8.3. 2020 19.2. Mittwoch Es ist 13.15 Uhr Ich sitze im Flughafen Dresden, trinke einen Abschiedskaffee mit Kokosquarkkuchenstück und spüre plötzlich --- ein bisschen Reisevorfreude.  Bis jetzt war für so etwas kaum Zeit. Der Praxisumbau der letzten 3 Wochen, die Umstellung von Windows 7 auf 10, nervige Anfangsschwierigkeiten mit der neuen Technik, (meist saß das Problem 1m vor dem Computer), der Hexenschuss, der diese 3 Wochen begleitete und nicht grad entspannter machte,eine ganzer Berg von Patientenwünschen, die vor der Abreise noch fertig werden wollten und sollten,  das Packen und Sortieren für den Einsatz, Absprachen mit den Kolleginnen...... Plötzlich liegt das alles hinter mir und vor mir 24 Stunden Flugzeuge und Flughäfen; also essen, schlafen, Filme kucken, faulenzen pur. Und dann erwartet mich Madagaskar, die Insel im indischen Ozean,  30 Grad im Schatten, tropische Pflanzen, lautes Menschengetümmel, überfüllte, aber dafür schlechte Straßen, Lemuren und wohl genug Zähne, die repariert oder gezogen werden wollen. Ich lass mich überraschen. Unbedingt erwähnen und betonen möchte ich die vielfältige Unterstützung, die ich wieder im Vorfeld dieses Einsatzes erfahren habe. Viele Gewerbetreibende aus Heidenau und Umgebung haben mich mit insgesamt etwa 4000 Euro unterstützt. Auf Grund der unsäglichen Datenschutzvorschriften in unserem Land habe ich zwar eine ungefähre Information über die Gesamthöhe der beim Verein eingegangenen Spenden aus der Region, aber nur von den Spendern konkrete Informationen, die mich selbst informiert haben. Der Verein darf auf Grund besagter Vorschrift keine Information mehr weitergeben, wer Geld gespendet hat. Ein Glück, dass dieses Land so schlaue Regeln hat. Somit kann ich mich nur ganz allgemein für die tolle Unterstützung bedanken. Das Geld geht direkt an den Verein und dieser finanziert davon Materialien, Gerätschaften, Gebühren für Arbeitsgenehmigungen vor Ort und andere Dinge, die so einen Einsatz begleiten. Ganz toll war auch die Unterstützung, die ich durch unsere Patienten in der Praxis erhalten habe. 954 Euro wurden in der Sammelbox gesammelt, welche in den letzten Wochen in der Praxis gestanden hat. Und gespendet haben auch viele Patienten, die selber sehr rechnen müssen.  Vielen Dank Von diesem Geld habe ich verschiedene Verbrauchsmaterialien gekauft und eine einfache Absaugvorrichtung a la Afrika gebaut. Dazu kamen Buntstifte und kleine Plüschtiere in großer Zahl für die zu erwartenden kleinen Patienten. Den Rest des Geldes nehme ich mit nach Madagaskar und werde es für den Kauf von Zahnbürsten, Zahnpasta und was auch immer vor Ort noch nötig sein wird, verwenden. Auch für die Bereitstellung von Fußbällen, Trikots für kleine Fußballer durch den 1. FC Pirna und die Lok Pirna  möchte ich mich bedanken. Damit werde ich ganz sicher zum Fußball - Helden mit der Glatze aufsteigen. Am Ende hatten noch ein paar Kindersachen, auch gespendet von Patienten, Platz. Dann waren Koffer, Kiste und Rucksack voll. Für die Leser die es interessiert, hier noch ein paar Eckdaten zu Madagaskar: Die Insel liegt östlich von Afrika ziemlich weit im Süden. 26 Millionen teilen sich ein Land, nicht ganz 2x so groß wie Deutschland. Aber so fleißig wie die Madagassen sind, rechnet man bis 2050 mit 53 Millionen Einwohnern und das aus eigener Kraft, ohne Zuzug von außen. Die Hauptstadt heißt Antananarivo, aber keine Sorge, die Orte haben fast alle unaussprechliche Namen. (Toamasina, Antsirabe, Mahajanga, Fianarantsoa usw.) Gesprochen wird Französisch oder Malagasy, was mich von den Einwohnern des Landes deutlich unterscheidet.  Manche sprechen vom 8. Kontinent, weil die Insel seit 90 Millionen Jahren ausschließlich Insel ist und die vorhandene Tier- und Pflanzenwelt entsprechend einzigartig, was wir ja aus "Madagaskar 1-4“ wissen (zumindest meine Patienten). Von den etwa 12.000 Arten von Blütenpflanzen und den 109 Säugetierarten sind jeweils 80 Prozent, von den 250 Vogelarten rund die Hälfte, von den 260 Reptilienarten 95 Prozent und von den 150 Froscharten alle endemisch. Da gibt es also  nie Gesehenes zu bewundern, falls es sich einem zeigt. Das Klima ist tropisch, was haarlosen Geschöpfen wie mir sehr entgegen kommt. Gut unterwegs sind nicht nur typische Entwicklungslandkrankheiten wie Malaria und HIV, sondern auch Pest und Lepra. Arm ist quasi der 2. Name des Landes, der Durchschnittstagesverdienst liegt bei unter einem Euro. 20.2. Donnerstag Die Flüge verliefen problemlos. Es gab nettes Flugzeugessen, zumindest, wenn man nicht zu anspruchsvoll ist. Addis Abeba, die Hauptstadt von Äthiopien lag als Zwischenstopp in der Morgensonne und Antananarivo oder eingekürzt Tana, die Hauptstadt von Madagaskar erwartete mich mit freundlichen Zöllnern, die dann doch mal in die sorgsam zugeklebte Kiste kucken wollten. Aber nachdem ein paar Buntstifte den Besitzer gewechselt hatten, durfte ich sie direkt wieder schließen und dank mitgebrachtem Paketband konnte ich sie auch gleich wieder ordentlich dicht machen. Draußen erwartete mich natürlich ein Rudel Kofferträger. Ich versuchte sie erst abzuwimmeln, aber am Ende ließ ich sie die 20 m vom Ausgang bis zum Taxi meinen Gepäckwagen schieben und dann gab es für die beteiligten 4! Helfer drei 50 Cent Münzen, was dann zu lauten und fordernden Diskussionen führte, da der Vierte ja auch eine haben wollte. Überall das Gleiche.  Ich stieg einfach ein und ließ sie reden. Nach kurzer Fahrt, ich hatte das Hotel extra flugplatznah gebucht, kam ich in einer echt netten grünen Oase mit sauberen Zimmern, Pool und Bierkühlschrank an. Letzteren testete ich dann auch gleich, fletzte mich mit einem Fläschchen an den Pool und genoss Sonne und 25 Grad. Den Rest des Tages verbrachte ich mit Faulenzen, Lesen, einem saftigen Zeburindersteak und lauschte dem Prasseln des abendlichen tropischen Regens auf den Wellblechdächern ringsum. 21.2. Freitag Gegen 9 traf ich mich mit Harald, einem Kollegen aus Essen, der in der Nacht angereist war. Wir fanden schnell eine gemeinsame Sprache und beschlossen daher, die Hauptstadt Tana heut zusammen unsicher zu machen. Das Taxi brachte uns bis 3 km vor das Zentrum, dann ging es nur noch so langsam vorwärts, dass wir beschlossen zu laufen. Kreuz und quer ging es den ganzen Tag entlang einer endlosen Aneinanderreihung von dringend renovierungsbedürftigen, oft ehemals schönen  kolonialen Gebäuden, Verkaufsständen ohne Ende, Autoschlangen, kaum ein Auto jünger als ich, das klassische Afrika halt, aber doch irgendwie auch faszinierend und spannend. Zwischendurch versuchte Harald Geld zu kaufen. Erst am Automaten, was misslang, dann in einer Bank. Dort saßen ca. 20 Leute und warteten geduldig, dass der eine Bankangestellte sie abarbeitete. Wir warteten 15 Minuten, dann lies Harald seinen Charme sprühen, na ja, vielleicht drängelte er auch ein bisschen, jedenfalls wurde er vorgezogen, sonst säßen wir wohl jetzt noch dort. 4000 Ariary sind 1 Euro. Kein Wunder, das manche zum Geldeinzahlen mit dem Rucksack kamen (habe ich gesehen). Mit einbrechender Abenddämmerung erreichten wir über der Stadt das einzige erwähnenswerte historische Gebäude von Tana, welches aber wegen Umbau oder Baufälligkeit gesperrt war. Wenigstens waren wir mal da. Auf dem Weg zurück, hinunter in die Stadt, passierte, was sich schon mit dunklen Wolken angekündigt hatte. Es fing an wie aus Eimern zu schütten. Ein wahrer Sturzbach ergoss sich entlang des Fußweges. Zu unserem Glück war in einer Nische ein klitzekleiner Imbiss mit Überdachung. Dort richteten wir uns ein, tranken Bierchen, scherzten mit dem Betreiberpaar und deren vielen Kindern und übten uns in Geduld. Und schon nach einer knappen Stunde ließ der Regen zumindest wieder soweit nach, dass die Benutzung unserer Schirme Sinn ergab. Wir schafften es bis zur nächsten Straße und fanden uns direkt in der wildesten Rushhour wieder. Bald hatten wir ein Taxi gefunden und los ging es Richtung Flughafen. Mein Navi schätzte 18 km und ich schätzte etwa 2 Stunden Fahrtzeit. Das Problem schien vor allem in der hohen Staudichte zu liegen, aber - Überraschung - das allein wäre ja langweilig gewesen. Der Regen nahm wieder ordentlich zu und während ich so vor mich hinträumte, wurden plötzlich meine Füße sehr nass. Im letzten Moment konnte ich meine Tasche vom Autoboden hochnehmen, dann standen wir bis zu den Knöcheln im Wasser. Um uns herum liefen Leute, denen das Wasser über den Knien stand. Erstaunlich lange tuckerte unser alter Renault noch vor sich hin und fuhr auch noch ganz langsam, aber irgendwann war es doch vorbei. Er startete noch, aber sobald ein Gang eingelegt wurde, soff er ab. Wir schauten uns das so 15 Minuten an. Draußen war es stockduster, die Gegend sah unglaublich vertrauenserweckend aus, es regnete, wenn auch nicht mehr so stark. Relativ bald sank der Wasserspiegel, so dass wir aussteigen konnten, nur das Taxi hatte die Faxen dicke und qualmte nur noch. Unser Taxifahrer sprach dann netterweise einen Kollegen an, der mit uns die Fahrt fortsetzte.  Dessen R4 war noch fahrfähig, wenngleich das nur nach madagassischen Maßstäben stimmt. Weiter ging es klappernd, noch mehr stinkend, aber immerhin trocken. Über das Thema Sicherheit im Auto hatte ich mir keine Gedanken gemacht, bis der Taxifahrer prüfte, ob alle Türen ordentlich von innen verriegelt sind. Na ja, vielleicht sind wir auch nur eine besonders wertvolle Fracht. Am Ende benötigten wir 2 Stunden und 5 Minuten. Es war ein echtes Fahrerlebnis. Den Abend verbrachten wir dann im Hotel, spielten Tischtennis, Kicker und aßen sehr lecker zu Abend. 22.2. Samstag Der Weckdienst im Hotel funktioniert perfekt. Gestern 7.30, heut 7.35 klopft ein kleines rotes Vögelchen an meine Glastür, heut sogar mehrmals. Da wir aber erst um 9 zum Frühstück verabredet waren, durfte ich noch ein bisschen weiterschlafen. Punkt 10 Uhr war Start. Dieses Mal hatten wir einen ziemlich guten Allrad SUV gebucht. Mit dem ging es dann 2 Stunden, mal im Schritttempo, mal ein bisschen schneller zum 40 km entfernten Lemuren Park, der sich als echtes Highlight herausstellte. 7 Arten beherbergt er und alle 7 bekamen wir aus nächster Nähe zu sehen. Sicher waren die Tiere angefüttert, aber sie leben in Freiheit, könnten also gehen oder springen, wohin sie wollen. Sie sind wirklich so putzig, wie auf den Fotos, die man so kennt. Die Heimfahrt war genauso interessant wie der Hinweg. Auf Grund des gestrigen starken Regens (vermute ich mal), schien das ganze Land Wäsche gewaschen zu haben. Abertausende Wäschestücke lagen zum Trocknen auf den Wiesen. Rechts und links der Straße Reisfelder und wo die Erde ein wenig herausschaute, da stand eine Hütte oder es wurde Lehm aus der Erde geholt und Ziegel geformt. Zurück im Hotel beschloss ich, noch ein bisschen die nähere Umgebung zu entdecken. Ich brauchte keine 200m, da war ich mitten im armen Madagaskar. Manche mutigen Kinder grüßten mich, aber meist wurde ich ignoriert. An den Ständen gab es ganz kleine Einzelportionen Fleisch, Reis, Tomaten, kleine Kartoffeln usw. zu kaufen, Eier waren einzeln ausgepreist. Schon ein Unterschied zu den großen Abpackungen im Supermarkt. Nach einer Stunde war dann auch wieder gut mit fremder Leute Armut und ich kehrte in mein schönes Hotel zurück. 23.2. Sonntag Die doofe Fluggesellschaft hat meinen Flug von 13.00 auf 7.00 vorverlegt. Das hieß 5 Uhr Start im Hotel und 20 min vorher aufstehen, so wenigstens zum Zähne putzen, Zelt abbauen und kämmen. Am Flughafen lernte ich die anderen Mitglieder des Teams kennen. Erster Eindruck - sehr nett, das ist doch schon mal viel wert. Harald, den ich ja schon kenne und ich sind die "Alten“. Alena, Zahnärztin, seit 2 Jahren im Berufsleben und Sabrina, Luisa, Franzi und Moritz sind Studenten der Zahnmedizin. Wir blockierten erst mal gemeinschaftlich den Check in Bereich, weil es eben eine Weile dauerte, bis alle Koffer soweit umgepackt waren, dass sie einigermaßen den Gewichtsvorschriften entsprachen, bis alles Übergepäck bezahlt (anderer Schalter) und dann aufgegeben war. Jeder hatte mehr als nur einen Koffer mit, da wir viel Verbrauchsmaterial mitschleppten. Am Ende flogen wir mit einem Zwischenstopp nach Tolagnaro, 2,5 h, also überschaubar, und wurden von Maria und ihrem Mann Norbert sehr freundlich empfangen. Wir bezogen unsere Zimmer. Diese zu beschreiben macht wenig Sinn, man sehe sich die Bilder an. Ich werde oben schlafen, weil mein Mückenzelt unten nicht reinpasst. Jeder hat ein Waschbecken, aber beim ersten Wasserlassen kam erst mal braune Brühe. Auch wenn es dann besser wurde - hier werden auch die Zähne mit gekauftem Wasser geputzt. WC und Dusche auf dem Gang, was ok ist, nur das an mehreren Stellen die Rohre undicht sind und Wasser aus den Dichtungen heraus - nein nicht tröpfelt, sondern spritzt. Aber etwas anderes hatte ich nicht erwartet, insofern alles gut. Wir wurden mehrmals herzlich begrüßt. Der für uns zuständige Schulleiter Oliver, der Pater des Konvents Pierrot, der Gründer der Schule, der hier wohl seinen Lebensabend verbringt….  na ja wie das halt so ist. Wir sind auf dem Areal der Schule untergebracht. Hier lernen tagsüber ca. 1500 Schüler in Klassen um die 50 bis 70 Schüler. Wir bezogen unsere Räume und dann fuhren wir erst mal an den Ancobestrand, da heute Sonntag ist und wir noch nicht viel machen können. Der Strand ist schön, breit, feinsandig, davor eine Strandgaststätte, wo es wunderbar kaltes Bier gibt. Hunderte Kinder am Strand spielten Fußball mit Stoffbällen, die von Strippen zusammengehalten werden. Da werden die Bälle von 1. FC Pirna und von Lok Pirna Freude bereiten in den nächsten Tagen. Wir hatten ein paar schöne Kennlernstunden und liefen dann die 4 km zur Schule zurück. Abendbrot gab es um 7 im zentralen Gebäude des Konvents, zusammen mit dem Pater, den hier arbeitenden Brüdern und einer Gruppe junger Menschen aus Polen, die hier sozial arbeiten. Das Essen bestand aus Nudeln, Reis, dürren Hühnerbeinen, Spinat und Brühe. Manche aßen es einzeln, manche mischten alles zusammen. Nicht das kulinarische Highlight, aber in Ordnung. Am Ende saßen wir noch bei Wasser (Alkohol hatten wir noch keinen) zusammen. Die Nacht war unglaublich warm. Es wehte ein ganz schwaches Lüftchen, von dem im Zimmer nicht viel ankam und die Maschen des Mückenzeltes vernichteten den Rest. Man lag am besten auf dem Rücken, atmete flach und hatte sich ein feuchtes Handtuch über die Stirn gelegt. 24.2. Montag Der Tag begann mit der Einrichtung des Behandlungsraumes. Wir bekamen einen großen, hellen Raum, zunächst ohne Strom - der wurde dann per Kabel vom Nachbarhaus herüber gelegt. Es gibt kein Waser, aber das holen wir in Eimern aus dem Brunnen und für die Münder wird eh Flaschenwasser verwendet. Wir räumten die vielen Koffer aus, die hier von unserem Vorgängerteam eingelagert wurden, sortierten, desinfizierten, sterilisierten im vorhandenen Schnellkochtopf. Wir testeten die vorhandenen Motoren aus dem Zahntechnikbereich usw. So verging der Vormittag wie im Fluge. Ab 14 Uhr standen die ersten ca. 25 Schüler vor der Tür und das fröhliche Zähne ziehen konnte beginnen. Ausgerüstet sind wir sehr gut. Da haben die Verantwortlichen vom Verein Planet Aktion echt tolle Arbeit geleistet. Gegen halb 6 wurde es langsam dunkel und wir hatten es geschafft und wir waren geschafft. Aber nach Hause, duschen und Wäsche waschen (ich zumindest), dann trafen wir uns mit Maria und Norbert und verbrachten einen schönen Abend in einer Pizzeria in der Stadt. Maria und Norbert sind ein deutsches Paar, das hier seine Heimat gefunden hat. Beide waren viele Jahre als Entwicklungshelfer tätig. Heut betreibt Norbert eine große Tischlerei und Maria engagiert sich bei verschiedenen karitativen Projekten. Danach, es war vielleicht halb 11, verschwanden alle in ihrem Zimmer. Zwar hatten wir am Nachmittag ein bisschen Bier und Wein eingekauft, aber alle freuten sich aufs Liegen. Auch war die Temperatur heute deutlich angenehmer, weil es abends länger geregnet hatte. 25.2. Dienstag Die letzte Nacht war sehr viel angenehmer als die davor. Die Temperatur ist schwer zu schätzen. Vielleicht 22 bis 25 Grad, also fast kühl. Das Morgengebet habe ich verpasst, aber das Frühstück nicht. Ab dem Vormittag ging es ordentlich zur Sache. An 3 Liegen wurde parallel gearbeitet. Überwiegend waren es Extraktionen, was bei dem Gesamtzustand der Gebisse kein Wunder ist, aber einige wenige Füllungen waren auch dabei. Mit den 2 Zahntechnikmotoren kann man schon behandeln, es dauert nur lange und auch sonst ist alles sehr provisorisch, aber die Freude junger Mädchen, 1, 2 Löcher weniger in den Frontzähnen zu haben, ist unübersehbar. Die Leute sind unglaublich geduldig, sie warten teilweise Stunden stoisch, bis sie dran sind. Zum Abendessen fuhren wir wieder in die Stadt, fanden (auf Empfehlung von Maria) das nette Lokal Le Filao,  in dem scheinbar die weißhäutige Enklave des Ortes verkehrt. 26.2.20 Mittwoch Der Tag verlief wie der Vortag. Alle waren sehr fleißig. Wir versuchten, an einer der 3 Behandlungsliegen Füllungen zu machen, auch wenn ich fürchte, dass uns das schnell über den Kopf wachsen wird, denn es spricht sich herum und es kommen immer mehr Füllungswillige. Die Mittagspause verbrachten wir in einer Bar in der Nähe. Kleiner Imbiss, kleine Cola oder kleines Bier (das einzige Getränk hier, welches nicht zu süß ist und nicht nach Wasser schmeckt). Dann ging es weiter bis halb 6. Den Abend verbrachten wir am Libanona Beach. Das ist hier in der Gegend wohl der sicherste Strand. Zum einen, weil der Unterwassersog hier geringer sein soll, als an anderen Stränden, zum anderen soll er haisicher sein. Auf jeden Fall war der Wellengang enorm. Gegessen haben wir im La Oceane, direkt am Strand. Sehr nett, aber ich bestellte leider Entrecote. Die Bedienung fragt mich noch, ob lieber medium oder well done. Es war quasi nur Knochen, da gabs nichts zum medium sein. Aber essen wird eh überbewertet. Wenigstens waren die Getränke schön kühl.