Zahnarztpraxis  Dr. Würfel Frank Würfel und Kollegen
Zahnarzteinsatz in Thailand
1.3..17   Mittwoch
Zahnarzteinsatz in Thailand? Das wurde ich in den letzten Wochen öfter mal gefragt. Klar gibt es in Thailand alles von ganz reich bis ganz arm mit den entsprechenden Möglichkeiten, zahnärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Und für ein schnödes Zahn ziehen findet sich im ganzen Land ein Zahnarzt. Im Gegenteil, in Bangkok scheinen die Zahnärzte auf den Bäumen zu wachsen. Praxen, wohin das Auge schaut. Na ja, wenigstens das Suchende. Was also treibt mich dieses Mal nach Thailand? Es ist dieses Projekt. Vielleicht mal kurz zur Erklärung. Thailand grenzt an Burma. In Burma gibt es eine Volksgruppe - die Karen - die viele Jahre auf Grund früherer separatistischer Bestrebungen im Dauerkonflikt mit der burmesischen Regierung lebten und entsprechend behandelt wurden. Das führte in der Vergangenheit immer wieder zu Flüchtlingsströmen von Burma nach Thailand. So entstanden Lager in Grenznähe, in welchen die Karen jetzt schon seit ca. 20 Jahren leben. Der Verein Malteser International bemüht sich um einer Basisversorgung der Menschen in diesen Lagern. In Zusammenarbeit mit  den Maltesern engagierte sich in den letzten Jahren der deutsche Zahnarzt Dr. Reiter in einem der Lager für die Einrichtung einer einfachen zahnärztlichen Behandlungsmöglichkeit und bildete Einheimische zu Behandlern  aus. Diese sollten selbstständig eine zahnärztliche Grundversorgung auf einfachem Niveau sicherstellen können. Das hat mir gefallen. Diese Anleitung zur Selbstständigkeit, statt darauf angewiesen zu sein, dass gelegentlich ein Zahnarzt vorbeischaut. Mein Job in den nächsten ein bis zwei Wochen soll sein, den aktuellen Stand zu erfassen, Technik und Ausrüstung zu checken, die örtlichen Behandler weiter zu schulen und  Behandlungen auch selbst durch zu führen. Was genau davon welchen Stellenwert haben wird, das werden die nächsten Tage zeigen. 2.3.17 Donnerstag   Ich bin schon früh gegen 6  hoch gewesen. Die Handysache lies mich nicht schlafen. Ich habe mir auf den letzten Drücker ein S7 edge gekauft und dann bis früh um 2 Uhr Daten geschaufelt und Apps installiert. Aber wenn man keine richtige Ahnung hat, dauert so was eben und funktioniert dann nicht richtig. Ist auch sehr clever, das einen Tag vor der Abreise zu machen. Früh um 6 Uhr habe ich mein altes Handy wieder aktiviert und das edge zu Hause gelassen. Auf Arbeit haben mich meine Mädels noch mal durch die Gegend getrieben, als würde ich nicht mehr nach Hause zurückkehren. Hab dann noch die Wartezeiten in Dresden und Frankfurt bis zur letzten Minute ausgenutzt, um alle letzten Absprachen zu treffen. Aber nun startet gleiche dieses Riesending, in dem ich schon sitze und dann lasse ich Heidenau mal 3 Wochen hinter mir. Es gibt doch kaum etwas Gewaltigeres, als den Schub und das Brummen der Motoren bei Start eines so großen Flugzeugs. 3.3.17    Freitag   8.00 Uhr Ich sitze noch im Flieger. In Deutschland ist es jetzt um 8.00 Uhr in Thailand schon 14.00 Uhr. In einer halben Stunde landet der Flieger in Bangkok. Die Nacht war gut, habe mit ein paar Unterbrechungen  viel geschlafen. Einen Film vor dem Einschlafen, einen beim Frühstück. Auch so was Tolles an Langstreckenflügen, man kann so richtig fernsehen, weil man eh nichts anderes Sinnvolleres tun kann. 21.00 Uhr Von Bangkok ging es dann nach 2 Stunden weiter nach Chiang Mai im                                                                                        Norden Thailands, das war noch mal eine reichliche Stunde fliegen, also                                                                                                     ein Keksflug. Am Flughafen nahm ich mir kein richtiges Taxi sondern ein Tuk Tuk.                                                                                                 Nicht die klügste Entscheidung. Der Tuk Tuk Fahrer wusste überhaupt                                                                                             nicht, wo mein Hostel ist, nickte aber auf meine Frage, ob er es wüsste,                                                                                                 wie verrückt. Nach dreimal telefonieren fanden wir es dann. Ich gab                                                                                                   ihm 100 Bat, er wollte 200. Wir diskutierten 5 Minuten und  einigten                                                                                                   uns dann auf 150. Er versuchte mir gleich noch eine Thai                                                                                                                       Lady - very cheap -  aufzuschwatzen. Na ja, lustiger Anfang.  Zimmer ist ok, ziemlich warm, ich schätze so um die 35 Grad, aber dafür mückenfrei, sauber und mit Dusche. 4.3. 17 Samstag Heute habe ich erst mal schön ausgeschlafen bis etwa 9 Uhr. Dann durchstöberte ich Chiang Mai von kreuz nach quer. Heut ist schließlich Akklimatisierungstag. Die Stadt selbst ist typisch asiatisch. Fast keine Fußwege, dafür zig Mopeds, viele Imbisse, von ganz einfachen an der Straße bis zu schicken Restaurants. Viele buddhistische Tempel und Tempelchen und Tempelinchen.  Viel Grün, das wächst ja hier überall von alleine, aber wenig gepflegt. Ich wanderte dann stadtauswärts weiter zu den Bergen - zum Zoo.  Mir war nicht klar, dass es mehr ein „Autofahr“ - ZOO als ein „Geh zu Fuß“ -  ZOO ist. Aller 500m ein Gehege. Ich bin also schön viel bei schön warm gelaufen, während die faulen Einheimischen in ihren Autos rumfuhren und nur an den Gehegen ausstiegen. Na ja, Laufen soll ja gesund sein. Insgesamt bin ich heute auf ca. 30 km gekommen, sagt meine App. Also akklimatisiert bin ich jetzt. Dafür gönnte ich mir hinterher in einem kleinen Straßenkaffee so nach und nach 8 Kugeln Kokos Eis. Nach einer Erholungspause in meiner muslimischen Pension... Wieso sie muslimisch ist??  --  ganz einfach, es gibt kein Bier.                                                                                                               Ansonsten ist alles genauso wie bei christlichen oder                                                                                              buddhistischen Pensionen. Also nach meiner Erholungspause bin ich dann noch mal los,                                                                                                                   eben um mir ein Bier zu gönnen. Und nun sitze ich bei sehr lauter, gewöhnungsbedürftiger                                                                                                                               Livemusik und Bier und schreibe. Neben mir schmachtet gerade ein vielleicht 70 jähriger, ungepflegter, weißer Mann mit Zahnlücken und Schmerbauch eine vielleicht 35 jährige Thai an. Ich werde das mal eine Weile beobachten. Der gute Mann scheint die Dame gebucht zu haben. Jedenfalls essen sie gemeinsam und er holt sich  immer mal ein paar Küsse ab. Wenn er dann zwischendurch an den anderen besetzten Tisch geht – da sitzen offensichtlich seine Kumpel, 6 Weiße, die alle Klischees bedienen, die man so kennt, dann versucht die Perle jedes Mal, mit mir Blickkontakt aufzunehmen. Ich trau mir schon gar nicht mehr zu beobachten. 1 Stunde später So ich bin jetzt klüger. Also die Frage, ob hier jeder der Weißen an dem Tisch da vorn eine Perle abbekommt, ist klar mit nein zu beantworten. Auch der Casanova musste die Dame Punkt 24 Uhr an einen plötzlich anwesenden Thai abgeben, der sie in ein Auto setzte und wegfahren ließ. Ach ja und jeder Angestellte der Gaststätte, also alle Kellner, die 3 Damen, die hier zur Bespaßung des 6 Mann - Männertischs da sind und der Koch durften jetzt mal zu den Karaokeklängen des musizierenden Alleinunterhalters singen. Für meine europäischen Ohren klingt es irgendwie alles gleich, aber ich habe ja noch 3 Wochen vor mir, um sensibel für die Details zu werden. 5.3. Sonntag Eigentlich sollte ich heute von den Maltesern abgeholt werden. Die hatten mich aber offensichtlich  vergessen - dachte ich jedenfalls. 12.00 Uhr nahm  ich dann einen öffentlichen Bus nach Mae Sariang. Natürlich rief mich eine halbe Stunde nach Abfahrt ein Mitarbeiter der Malteser an und fragte, wo ich denn sei, der Fahrer sei jetzt da. Pech gehabt, ist er eben 3 Stunden umsonst gefahren. Den Nachmittag verbrachte ich dann nach einer                                                                                                                                      Stadtbesichtigung von Mae Sariang (einem Provinzstädtchen),                                                                                                              was eine knappe Stunde dauerte, am Pool. Bisschen Jetlag                                                                                                                  hatte ich wohl doch noch. Als dann gegen 10 Uhr abends der                                                                                                                       kleine Hunger einsetzte, musste ich feststellen, dass so                                                                                                                                         außerhalb der Saison – also jetzt – nicht mehr wirklich etwas                                                                                                                              geöffnet hatte. Aber schließlich fand ich am Dorfplatz eine einsame Straßenküche. Der gute Mann warf mir dann noch einige Teile in seine Ölwanne, von denen ich weder vorher noch nach dem Essen hätte sagen können, ob das jetzt Fleisch oder Tofu oder sonst was war. Aber dank seeehr würziger Soße schmeckte es ganz gut und sättigte. Direkt neben dem Straßenstand standen 6 Holzbaracken. An jeder stand Karaoke Bar. Vor jeder saßen so 4-6 Mädchen und langweilten sich. Kein einziger Gast war zu sehen. Kurz erwog ich, mir dort noch ein Bier zu gönnen, aber ich ließ es dann doch lieber sein. 6.3. Montag. Um 8 Uhr standen ein ordentlicher Allrad Pick up vor dem Hotel und brachte mich zum Stützpunkt der Malteser International. Begrüßt wurde ich vom – ich glaube  - schwedischen Stützpunktleiter, der mich sehr freundlich und sehr intensiv in die Arbeit der Malteser, die Hintergründe und die aktuellen Entwicklungen einweihte. Eine ordentliche Belastungsprobe für meine Englischkenntnisse. Dann wurde mir Frau Thitimon (Mon) vorgestellt. Sie soll für diese Woche meine gute Fee, Dolmetscherin vom Englischen zum Karenischen, meine Betreuerin, Organisatorin, Köchin und Fremdenführerin sein. Wir stiegen in den Pick up und los ging die Fahrt in Richtung burmesische Grenze, also Richtung Camp. Wir waren – glaube Ich - dreieinhalb Stunden unterwegs. Was als gut ausgebaute Asphaltstraße begann, wurde dann erst zur löcherigen Asphaltstraße, später zur unbefestigten geglätteten und noch später zur unbefestigten holprigen Straße. Es ging ständig bergauf oder bergab. Ebene Straßenabschnitte gab es die letzten 2 Stunden fast keine mehr. Zwischendurch waren immer auch mal 50 oder 100 m mit Asphalt befestigt, wohl weil diese Stücken sonst in der Regenzeit nicht zu befahren gewesen wäre. Endete so ein Asphaltstück, gehörte immer eine Menge Feingefühl dazu, um den an sich  hochbeinigen Pickup nicht auf der Kante aufzusetzen. Da derzeit Trockenzeit ist, staubte es ordentlich beim Fahren.                                                                                                                 Der Weg wand sich an den Bergwänden rauf und runter.                                                                                                                      Schnell waren wir nicht unterwegs, deshalb war es am Ende                                                                                                                     auch schwer zu schätzen, wie weit die Strecke wirklich war.                                                                                                                   Zwischendurch fuhren wir ein paar Kilometer am burmesisch                                                                                                                       – thailändischen Grenzfluss entlang. Eine wunderschöne                                                                                                                   wildromantische Gegend. Ungefähr da war ich dann auch der Zivilisation endgültig entronnen  --  sagte mir mein Handy. Kein Internet mehr. Die Fahrt war, zumindest für einen Neuling wie mich, stellenweise schon abenteuerlich. Wie sie sich gestaltet, wenn Regenzeit ist und der ganze Staub zur Modderpampe wird, dass vermag ich mir gar nicht richtig vorstellen. Das Lager selbst ist eine endlose Ansammlung von Hütten, meist auf Stelzen, gedeckt mit großen Blättern von Laubbäumen, die irgendwie kunstvoll auf mattenähnlichen Strukturen befestigt sind. Keine Ahnung wie das hält. Wird es aber, denn die Hütten sind alle so gedeckt. Die Menschen wirken entspannt. Viele Kinder überall. Am Krankenhaus angekommen gab es erst mal eine kurze Besichtigung. Ganz knapp scheine ich eine Geburt verpasst zu haben. Das winzige Baby wurde gerade vom Schleim befreit. Also lange kann es noch nicht dagewesen sein. Die Klinik zu beschreiben ist kaum möglich. Ich werde Fotos machen. Es  sah aber alles  sehr ordentlich aus. Dann gab es für Mon und mich erst mal Mittag. Das Essen hatte sie aus Mae Sariang mitgebracht. Es war also schon ein paar Stunden kalt. Ich lasse mich überraschen, was mein Magen dazu sagt. Gegen halb 2 wurden mir die Mitarbeiter, der sogenannte dental clinic staff, vorgestellt. Erster Eindruck: na das sind ja alles ganz junge Menschen. Ich hätte sie alle so zwischen 17 und 24 geschätzt, außer einem vielleicht, der sah schon wie über 30 aus. In Wirklichkeit war Roba, der Älteste, schon über 40 und die meisten anderen etwa Mitte 30. So kann man sich verschätzen. Roba und Seba habenschon einige Erfahrung in der Zahnheilkunde. Nach eigenen Angaben haben sie jeder schon ca. 100 Zähne gezogen und 30 Füllungen gelegt. Die anderen 4 sind völlig neu in der „Branche“. Poujaschi , die junge Frau, Nimpi, Dege und Sokris, wobei man mich bitte nicht auf Exaktheit der Namen festnageln möge. Das war aber das, was ich verstanden habe. Sie sprechen alle fast kein Englisch und sind sehr freundlich. Meine Aufgabe für die nächsten Tage wird es sein, den einheimischen Kollegen vormittags bei der Arbeit zuzuschauen, Tipps zu geben und nachmittags Theorieunterricht zu halten. Heute haben wir gleich mal mit Gebissaufbau, Zahnstrukturen, Kariesentstehung, Nomenklaturen und Zahnpflege begonnen. Es war am Anfang ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Ich musste überlegen, was ich erzähle. Da die Zeit sehr begrenzt war, versuchte ich mich auf die Dinge zu beschränken, die wirklich für die Arbeit am Patienten hier im Camp notwendig sind. Das  erzählte ich dann auf englisch, Mon übersetzte, die jungen „Zahnärzte“ stellten Fragen auf karenisch, die dann von Mon wieder ins Englische und von meinem Kopf ins Deutsche übersetzt wurden. Das braucht Zeit. Aber man gewöhnt sich relativ schnell dran. Und wenn einem mal eine Übersetzung nicht einfällt, dann hat man ja noch Hände und Mimik und Zettel und Stift. Das ist so ein bisschen wie Activity, nur das man alles zugleich nutzen darf. Schwieriger fand ich es, nicht zu sehr ins Detail zu gehen und das Team mit Informationen nicht total zuzuschütten, sondern immer wieder zu kontrollieren, was müssen sie wirklich wissen und was nicht unbedingt. Schließlich haben wir nur begrenzt Zeit. Nebenbei versuchte ich mich auch mit den ersten Worten in Karen: Tablu - Danke Kologi - Guten Morgen Kop kun kap  - Vielen Dank Nach 3 Stunden Powerlearning spürten dann alle Beteiligten, dass die Luft so geschätzt 36 Grad warm war. Deshalb war gegen halb 5 Schluss. Was waren die stärksten Eindrücke des heutigen Tages. Die Menge der Menschen, die in diesem Camp leben. Es sollen ca. 10000 sein. Über eine große Fläche sind etwa  2000 Bambushäuser an den Berghängen verteilt oder stehen am Fluss aufgereiht. Überall Kinder. Diese gehen hier auch in die Schulen. Es gibt Klassen bis hin zum Abitur. Die Menschen sind alle mit irgendetwas beschäftigt. Da es das Lager schon 20 Jahre gibt, hat sich eine regelrechte Struktur entwickelt. Es gibt Straßenküchen, kleine Läden, Krankenstationen, Einrichtungen verschiedener Hilfsorganisationen. Es gibt eine Kirche und ein Gemeindehaus. Jedes Wohnhaus hat noch eine kleine Toilettenhütte daneben. Ich habe mir erklären lassen, dass die Bewohner von den Maltesern mit Lebensmitteln versorgt werden. Reis, Fischpaste, Salz, Kohle und (das 5. habe ich doch glatt vergessen),  werden nach einem pro Kopf Schlüssel verteilt. Und dann verdient sich jeder noch was dazu. Manche arbeiten in den Einrichtungen wie Schulen und Krankenstationen, betreiben die Küchen, Läden, bauen Häuser. Es gibt Dachdecker, Fischer und alles, was so eine Gemeinschaft halt braucht, um autark existieren zu können. Die Bewohner können sich frei bewegen, es gibt keine Zäune oder so etwas, aber sie dürfen nur mit besonderen Passagierscheinen in die thailändischen Städte fahren. Und das dürfen wohl nur die Anführer zu bestimmten Anlässen. Und es ist auch sehr weit, wie ich bei der Anfahrt erleben durfte. Es gibt hochgepflegt gekleidete Menschen mit manchmal blütenweißen Hemden. Unfassbar, wie sie das machen. Es gibt aber auch traditionell gekleidete Menschen und es gibt welche, deren Kleidung sehr arm und zerschlissen ist. Die Bambushäuser haben alle fließend Wasser - aus einem Hahn - und die Toiletten sind in ein Abflusssystem eingebunden. Es gibt auch Dreckecken, aber insgesamt ist es ziemlich sauber.  
mal ein liegender Buddha
Hotel:  Above the sea
Krankenstation im Lager 2
hier war die Straße noch Klasse
burmesisch – thailändische Grenze
die ersten Hütten, die ich sah
Die Krankenstation
Von links nach rechts Mon, Roba, Poujaschi, Seba, Nimpi, Sokri, Dege
die Kirche im Dorf